Aus LinuxUser 05/2015

Live-Distro KaOS mit KDE 5

© COMPUTEC MEDIA GMBH

Runderneuert

Weitgehend unbemerkt vollzog das KDE-Projekt in letzter Zeit einen Paradigmenwechsel, bei dem es die Entwicklung in drei unabhängige Bereiche aufteilte. Doch nicht nur dort schnitt das Projekt alte Zöpfe ab. KaOS veranschaulicht die Änderungen bereits.

Wenn Sie künftig jemand fragt, welche Desktopumgebung Sie benutzen, und Sie mit „KDE 5“ antworten, so könnte es sein, dass Sie von Geeks fragende Blicke ernten. Das liegt daran, dass der Begriff KDE, gefolgt von einer Versionsnummer, durch die Dreiteilung der neuen Ausgabe der KDE Software Collection künftig keine genaue Positionsbestimmung mehr erlaubt und somit überholt ist. Lediglich als Bezeichnung für das Projekt ergibt KDE noch Sinn.

In Zukunft entwickelt das Projekt KDE Plasma 5, KDE Frameworks 5 und KDE Applications 5 unabhängig voneinander und veröffentlicht die Ergebnisse nicht mehr zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammen. Es gibt also zukünftig keinen gemeinsamen Release-Termin mehr.

Gestatten: KaOS

Verschiedene Projekte und Distributionen veröffentlichen bereits seit geraumer Zeit Test-Images der neuen KDE-Generation. Besonders weit sind die Bemühungen um Aktualität beim KaOS-Projekt [1] gediehen, das traditionell den neuesten Entwicklungen bei KDE eng folgt. KaOS geht einen Schritt weiter als andere Distributionen, indem es bereits mehr als 150 Applikationen aus den KDE-Applications auf Qt5 umstellte und neu baute, während das offiziell erst bei einer Handvoll Programmen der Fall ist. Dazu zählen beispielsweise Dolphin, Digikam, Kipi-plugins, Kdenlive, Marble, Ark, Kmix, KDE-Telepathy, Kget, Quassel und Kompare. Die Grundlage bilden unter anderem Plasma 5.7 und Frameworks 5.2.1.

Die Grundkomponenten der als Rolling Release ausgelegten Distribution bilden der Kernel 3.18.7, Systemd 218, der Xorg-Server 1.16.4, Mesa 10.4.5, Glibc 2.20, GCC 4.9.2 und Python3 3.4.2. In Abweichung vom Standardthema Breeze setzt KaOS auf Midna in einer hellen und dunklen Variante. Bei Bedarf stellen Sie in den Systemeinstellungen (Abbildung 1) wieder auf Breeze um. KaOS bedient nur die 64-Bit-Plattform; es integriert zwar Anleihen bei Arch, etwa den Paketmanager Pacman, stellt aber ansonsten eine Neuentwicklung dar.

Abbildung 1: Neben dem Standard-Theme Midna stellt KaOS auch noch Breeze und Oxygen zur Auswahl bereit.
Abbildung 1: Neben dem Standard-Theme Midna stellt KaOS auch noch Breeze und Oxygen zur Auswahl bereit.

Plasma 5

Plasma 5, der seit 2011 entwickelte Nachfolger des KDE Plasma Workspaces 4, steht derzeit bei Version 5.2.1 und stellt den Desktop der fünften Generation des KDE-Projekts dar. Zwar blieb das Bedienkonzept von KDE SC 4 auch weitgehend erhalten, doch hat sich im Unterbau und beim visuellen Auftritt doch viel getan. Qt5 zeichnet die grafischen Elemente des Desktops, der mit einem neuen Theme namens Breeze frischen Wind in das Aussehen des Desktops bringt. Hier dominieren zurückgenommene Pastelltöne und ein unaufdringlich flaches Design der Bedienelemente.

Um die Möglichkeiten moderner Grafikchips besser auszureizen, nutzt der Fenstermanager Kwin im Unterbau durch das in Qt5 enthaltene QtQuick 2 nun Hardware-Beschleunigung per OpenGL. Darüber hinaus unterstützt diese Technik hochauflösende HiDPI-Displays [2] besser und produziert beim Skalieren des Desktop-Inhalts auch bei sehr hohen Auflösungen noch ein klares Bild. Plasma 5 ist außerdem bereits auf den kommenden Display-Manager Wayland und die Verwendung von Libinput vorbereitet.

An verschiedenen Stellen von KaOS kommen Funktionen von Systemd zum Einsatz (Abbildung 2). Das gilt insbesondere für das Anmelden am System und die Sitzungsverwaltung, wo Logind dafür sorgt, dass Plasma jederzeit über Art und Anzahl der laufenden Sitzungen informiert ist. Ebenso in die Domäne von Logind fällt das Handhaben von Geräteeingaben. Kwin setzt Tastatur-und Mauseingaben so ein, dass andere Applikationen diese Events nicht beeinflussen können. Das Einstellen und Überwachen von Datum und Zeit sowie der Wechsel von Zeitzonen obliegt künftig dem Systemd-Dämonen Timedated, der ein bisher dafür verwendetes KDE-Modul überflüssig macht.

Abbildung 2: Systemd spielt in der Live-Distribution eine zentrale Rolle. KaOS liefert dafür die passende Konfigurationsoberfläche mit.
Abbildung 2: Systemd spielt in der Live-Distribution eine zentrale Rolle. KaOS liefert dafür die passende Konfigurationsoberfläche mit.

Insgesamt sorgt Systemd hier für weniger Code und bessere Wartbarkeit. Eine weitere Verbesserung stellt die Converged Workspace Shell dar, die automatisch zwischen einzelnen Arbeitsplatzumgebungen für Netbooks, Tablets oder Desktops umschaltet – beispielsweise dann, wenn Sie an ein Tablet eine Maus oder Tastatur anschließen. Der Vorgänger der vierten Generation nutzte dafür noch getrennt zu installierende Shells.

Die Bedienelemente des Desktops befinden sich bei Plasma 5 dort, wo Sie sie erwarten. Die Leiste, die in der Grundeinstellung am unteren Bildschirmrand ihren Platz findet, bietet die gewohnte Aufteilung, lediglich die Optik der dort angesiedelten Icons passten die Designer ans Gesamtbild an. Das Anwendungsmenü links unten schalten Sie wie bisher per Rechtsklick in zwei Varianten um (Abbildung 3).

Abbildung 3: Wie von KDE 4 gewohnt, steht auch in der neuen Version das alternative Kicker-Menü zum Einsatz bereit.
Abbildung 3: Wie von KDE 4 gewohnt, steht auch in der neuen Version das alternative Kicker-Menü zum Einsatz bereit.

Das ganz rechts unten sitzende, „Cashew“ getaufte Bedienelement, dessen weitere Entsprechung Sie am oberen linken Bildschirm finden, bietet Optionen zum Desktop und für das Panel an. Das neu gestaltete Objekt weist in seiner umgestalteten Form als stilisierter Pfeil nun auch grafisch eher auf dahinterliegende Optionen hin.

Der Veröffentlichungszyklus von Plasma 5 sieht alle drei Monate eine Hauptversion vor, die auch neue Funktionen mitbringt. Dazwischen gibt es lediglich monatliche Releases mit Fehlerbehebungen.

Die Steuerzentrale

Als Nachfolger der KDE Platform 4 macht KDE Frameworks 5 (KF5) eine wesentlich schlankere Figur als der Vorgänger. Hier fanden auch die tiefgreifendsten Umstellungen der neuen Generation statt. Den größten Teil der Frameworks nehmen die Bibliotheken ein (ehemals: Kdelibs). Sie dienen zum Bau von Plasma und den Applikationen. Noch bei KDE SC 4 waren die über 60 Bibliotheken und Frameworks in einem großen, unhandlichen Paket untergebracht.

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