Aus LinuxUser 04/2015

Dateimanager Rodent versucht, mit Zusatzfunktionen zu punkten

© Lane Erickson, 123RF

Kleine Aussetzer

Der Dateimanager Rodent vermag mehr, als nur Dateien zu schubsen. Aber während er die Pflicht solide beherrscht, gerät er bei der Kür manchmal ins Schlingern.

Die meisten Desktops bringen als zentrales Werkzeug einen Dateimanager mit. Davon ordnen sich die meisten in die Kategorie „Explorer mit Seitenleisten und ausgiebigem Hauptfenster“ ein. Verwandte für das Terminal wie der Midnight Commander setzen dagegen auf das zweispaltige Konzept.

Obwohl mit grafischer Oberfläche ausgestattet, handelt es sich bei Rodent [1] weder um Fisch noch um Fleisch – er bedient sich nach Gusto beim einen oder anderen Konzept. Zwar setzt er nicht auf ein echtes Layout mit zwei Spalten, aber durch den Einsatz von Reitern und die Möglichkeit, in beinahe allen Situationen eine Befehls- oder einfache Eingabezeile zu nutzen, kommt er dem doch nahe.

In gewisser Weise ist das dem Erbe des früheren XFCE-Dateimanagers XFFM [2] geschuldet; darüber hinaus gibt es Parallelen im Verhalten zu Gvim [3]. Aber ganz allgemein wollen die Entwickler neue Wege gehen und eine Software anbieten, die neben dem reinen Verwalten von Dateien noch viel mehr bietet. Allerdings fällt der erste Kontakt nicht immer leicht (siehe Kasten „Installation“).

Installation

Binaries für Rodent sind rar, es stehen lediglich Pakete für Fedora, OpenMandriva und Alt Linux bereit. Hinzu kommen die schon nahezu unvermeidliche Präsenz im Arch Linux User Repository und ein veraltetes Ubuntu-PPA [4]. Für Gentoo Linux gibt es einen Ebuild, für FreeBSD einen Port. Letzterer basiert aber auf einer älteren GTK2-Version, da GTK3 selbst nach Jahren noch nicht recht für BSD-Derivate geeignet zu sein scheint.

Selbstkompilierer brauchen einen langen Atem. Die Release-Tarballs stehen online [5] bereit. Das Rodent-Projekt bringt zwei eigene Bibliotheken namens Librfm und Libtubo mit, die für das Kompilieren unerlässlich sind – diese müssen Sie zuvor bauen und installieren.

Weiterhin benötigen Sie GTK3 und die Libdbh. Hinzu kommen, je nach gewünschten Features, noch weitere Bibliotheken sowie die Befehlszeilen-Programmsammlung Procps. Eine aktuelle Liste der zahlreichen Build-Abhängigkeiten finden Sie in der Steuerdatei des Fedora-RPM-Pakets [6]. Haben Sie alles beisammen, verläuft die Installation nach dem Dreischritt configure && make && make install.

Rodent bringt für jede seiner „Applications“ eine Desktop-Datei mit, die Sie im Anwendungsmenü finden. Fehlt dieses auf Ihrem Desktop, weil Sie ohnehin Rodent das Menü betreiben lassen wollen, starten Sie das Programm mit rodent im Terminal, beziehungsweise mit rodent-root, wenn Sie ihm das Verwalten der Arbeitsfläche anvertrauen wollen.

Werkzeug für alle?

Schon in der dritten Zeile des Webauftritts findet sich der Vermerk not for dummies. In der Tat: Rodent ist kein Programm, das Sie einfach öffnen und, wie üblich, darin per Mausklick stereotype Vorgänge ausführen. Das Fenster zeigt nach dem Start zwar ein vertrautes Bild (Abbildung 1), eine Ansicht mit Symbolen des Home-Verzeichnisses, doch eine Menüleiste oder Optionen zum Einstellen suchen Sie zunächst vergebens.

Abbildung 1: Ein unspektakuläres Fenster erweckt auf den ersten Blick einen vertrauten Eindruck. Aber das täuscht.
Abbildung 1: Ein unspektakuläres Fenster erweckt auf den ersten Blick einen vertrauten Eindruck. Aber das täuscht.

Klicken Sie mit der rechten Maustaste irgendwo zwischen die Symbole, offenbart sich Rodent mit einem umfangreichen Kontextmenü (Abbildung 2). Übliche Aktionen, wie das Anlegen neuer Dateien und Ordner, erledigen Sie im Untermenü Datei. Generell zieht das Programm hier kaum neue Saiten auf, sämtliche Standardaktionen sind präsent. Das Menü Gehe enthält Shortcuts zu gängigen Plätzen, sei es in den persönlichen Ordner, zu Wechselmedien, ins Wurzelverzeichnis oder ins Samba-Netzwerk.

Abbildung 2: Alle Aktionen rufen Sie über ein umfangreiches Kontextmenü auf.
Abbildung 2: Alle Aktionen rufen Sie über ein umfangreiches Kontextmenü auf.

Oben rechts in der Werkzeugleiste gibt es zumindest einen gewissen Teil dessen, was Sie in den Menüs ähnlicher Programme fänden. Dort öffnen Sie ein neues Programmfenster oder einen neuen Reiter, ändern die alphabetische Sortierung, zeigen Dateieigenschaften an und noch einiges mehr. Bevorzugen Sie eher die Ansicht mit Symbolen, kommt Ihnen der kleine Schieberegler unten rechts möglicherweise sehr entgegen. Verschieben Sie ihn nach rechts, vergrößern sich die Symbole und Vorschaubilder; bewegen Sie ihn nach links, verkleinert das die Symbole, wobei der Regler am linken Anschlag zur Ansicht als Liste wechselt.

Rodent merkt sich die jeweilige Ansicht und den Faktor der Vergrößerung für jeden Ordner. Daher ist Vorsicht geboten: Für verschiedene Ansichten fällt bereits in der Voreinstellung der Effekt von Aktionen mit Maus und Tastatur nicht gleich aus. So öffnet in der Symbolansicht ein Doppelklick die Datei, während in der Liste der Doppelklick ein Eingabefeld zum Umbenennen hervorzaubert.

Für den Fall, dass der Fenstermanager kein eigenes Anwendungsmenü mitbringt und Sie kein Panel oder Ähnliches in Betrieb haben, das bei Bedarf ein Menü öffnet, besteht die Möglichkeit, sich dieses bei Rodent auszuleihen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Stark geschrumpft, aber vorhanden: Rodent stellt bei Bedarf ein Anwendungsmenü bereit, das aber einige Schwächen aufweist.
Abbildung 3: Stark geschrumpft, aber vorhanden: Rodent stellt bei Bedarf ein Anwendungsmenü bereit, das aber einige Schwächen aufweist.

Obwohl Rodent dafür das System an den entsprechenden Stellen nach Desktop-Dateien abgrast, blendet es ganze Gruppen von Programmen komplett aus. So glänzte in Test KDE durch vollständige Abwesenheit. Selbst im alternativen Symbolmenü, das Sie über Gehe | Anwendungsstarter erreichen, fand sich nichts dergleichen. Immerhin finden sich dort zumindest Ordner namens GTK und Gnome, sodass das Menü auf vorwiegend von Gtk-Software besiedelten Rechnern halbwegs Sinn ergibt.

Persönliche Vorlieben

Im Kontextmenü finden Sie über den letzten Eintrag Zugang zu den Einstellungen. Nach den allgemeinen Parametern für Schrift, Symbole oder Tastenzuordnungen haben Sie im Reiter Arbeitsfläche die Möglichkeit, das Häkchen vor Arbeitsflächen-Raster anzeigen abzuwählen, falls Sie auf die ohnehin vielerorts aus der Mode gekommenen Symbole auf der Arbeitsfläche verzichten möchten. An dieser Stelle schalten Sie außerdem die Anzeige eines Hintergrundbilds ab.

Auf dem letzten Reiter namens Umgebungsvariablen verbirgt sich eine Art Neuauflage des Gconf-Editors, die aber vom Erscheinungsbild eher an die Windows-Registry erinnert. Hier findet sich alles, was Sie einstellen dürfen, was es aber (bisher) nicht in eines der Menüs geschafft hat. Eine Erläuterung der Variablen fehlt, deren Bedeutung erschließt sich aber meist über die bereits eingetragenen Werte oder die Namen.

Einige auf den ersten Blick kryptisch beschriftete Elemente enthalten nichts anderes als Befehle, die die Applikation für diverse Operationen mit Dateien verwendet. Spätestens hier kommt es darauf an, wie fit Sie im Umgang mit den Werkzeugen aus der GNU-Welt sind. Die Dateioperationen greifen genau auf diese zurück und lassen sich nicht so einfach auf andere Werkzeuge umbiegen. Tooltipps oder andere Hilfen zu den Optionen bietet Rodent nicht, hier hilft nur ein Blick in die entsprechenden Manpages.

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