Aus LinuxUser 01/2015

Gimp mit Plugins um neue Fähigkeiten erweitern

© Grigory Stepanov, 123RF

Ausgebaut

Gimp beherrscht schon von Haus aus das volle Programm einer ausgewachsenen Bildbearbeitung. Mit zusätzlichen Skripten und Plugins erweitern Sie ihn jedoch um zahlreiche komplexe Funktionen, die Sie oft nicht einmal in kommerzieller Software finden.

Viele komplexe Funktionen integrieren die Gimp-Entwickler nicht fest im Programm, sondern lagern sie in externe Plugins aus. So bleibt die Code-Basis der Bildbearbeitung schlank, aber auch nicht zum Kern-Team gehörende Programmierer haben die Möglichkeit, über eine definierte Schnittstelle zusätzliche Funktionen bereitzustellen.

Für ganz einfache Erweiterungen genügen oft schon in Skript-Fu geschriebene Erweiterungen, diese bieten jedoch keine Vorschaufunktion und nur eine begrenzte Ausführungsgeschwindigkeit. Zudem stellt der von Skript-Fu genutzte Scheme-Dialekt als Lisp-Variante auch für geübte Programmierer eine Herausforderung dar.

Skript-Fu und Plugins

Plugins dagegen lassen sich in C, C++, Python, Lua, Ruby, Perl oder anderen Programmiersprachen verfassen. Als binäre Programme sind sie jedoch oft an bestimmte Gimp- und Betriebssystem-Versionen gebunden und müssen daher bei einem Update meist auch eine Aktualisierung erfahren – das macht den Umgang mit ihnen etwas mühsamer.

Einigen Plugins fehlt es zudem noch an Feinschliff, sodass sie ab und an – besonders bei großen Bildern – abstürzen. In diesem Fall finden Sie in der Fehlerausgabe eine entsprechende Meldung. Normalerweise wirkt sich der Absturz eines Plugins nicht auf die Stabilität von Gimp an sich aus, auch wenn die Fehlermeldung etwas anderes suggeriert. Für alle, die selbst Plugins erstellen möchten, stellen die Gimp-Entwickler eine dreiteilige Anleitung bereit [1]. Allerdings berücksichtigt diese noch nicht die neuen GEGL-Entwicklungen.

Plugins installieren

Gimp sucht Plugins im Home-Verzeichnis unter ~/.gimp-2.8/plug-ins/ sowie im Systemverzeichnis in /usr/lib/gimp/2.0/plug-ins/. Damit Gimp die Erweiterungen später ausführen kann, müssen Sie die manuell dort hinterlegten Dateien mit chmod +x ~/.gimp-2.8/plug-ins/* ausführbar machen. Über die Paketverwaltung in das System installierte Plugins besitzen bereits die richtigen Rechte. Der Plugin-Browser aus dem Hilfe-Menü (Abbildung 1) zeigt bei Bedarf Informationen zu allen verfügbaren Plugins an und verrät, wo sich die Erweiterung eingenistet hat – Image steht dabei für das Bildfenster.

Abbildung 1: Im Plugin-Browser zeigt Gimp alle aktuell geladenen Plugins samt Versionsnummer und Kurzbeschreibung an.
Abbildung 1: Im Plugin-Browser zeigt Gimp alle aktuell geladenen Plugins samt Versionsnummer und Kurzbeschreibung an.

Viele Plugins liefern die Entwickler nur in Form von Quelltexten aus, sodass sich das Plugin schnell an unterschiedliche Plattformen anpassen lässt. Sofern die Dokumentation nichts anderes vorgibt, sollten Sie das während der Installation von Gimp mitinstallierte gimptool-2.0 für das Einspielen der Plugins nutzen.

TIPP

Unter Linux lassen sich aufgrund der einfachen Verfügbarkeit von Compiler und Bibliotheken Plugins schnell selbst bauen; unter Windows fällt das weniger leicht. Falls Sie Gimp einmal unter Windows einsetzen müssen, greifen Sie am besten zum GIMP Extensions Pack for Windows [2], das zahlreiche Plugins bereits kompiliert mitbringt.

Für die Installation von als C-Quelltexten vorliegenden Plugins installieren Sie zunächst die für den Build-Prozess nötigen Bibliotheken und Tools. Unter Debian und dessen Derivaten erledigen Sie das beispielsweise mit dem Aufruf apt-get install build-essential libgimp-devel. In einigen wenigen Fällen schreiben die Entwickler vor, das Plugin mittels des klassischen Dreisatzes ./configure && make && make install zu übersetzen; in aller Regel lautet der Aufruf dazu aber:

$ gimptool-2.0 --install Plugin.c

Mit der Option --build anstelle von --install bauen Sie das Plugin nur, ohne es gleich zu installieren. Per --install-admin installiert Gimptool die Plugins gleich systemweit unter /usr/lib/gimp/2.0/plug-ins/. Zusätzliche Optionen für den Compiler oder Linker lassen sich mit --cflags, --libs und --prefix=Prefix sowie --exec-prefix=Prefix anzeigen und setzen. Mit den Schaltern --uninstall-bin Plugin und --uninstall-script Skript deinstallieren Sie ein Plugin respektive ein Skript wieder.

Die bekanntesten Plugins

Eine Reihe von Plugins sind bei Gimp-Anwendern sehr beliebt und bekannt, weil sie besonders wichtige Funktionen bereitstellen. Eines der wichtigsten und leistungsfähigsten davon heißt GMIC [3]. Es umfasst nicht nur zahlreiche Funktionen zum Verändern von Bildern, sondern implementiert auch neue, im Gimp-Kern nicht enthaltene Ebenenmodi. Darüber hinaus fungiert GMIC auch als Interpreter für eine eigene, zur Bildbearbeitung entwickelten Skriptsprache.

Für das „Entwickeln“ von RAW-Bildern greift Gimp üblicherweise auf Ufraw [4] zurück. Einige andere spezielle Dateiformate, wie das von Mypaint genutzte OpenRaster-Format, lassen sich mit zusätzlichen Plugins einbinden [5]. Auch für das von Google protegierte WebP-Format findet sich in der Gimp-Plugin-Registry eine entsprechende Erweiterung [6].

Als geradezu unverzichtbar gilt das Layer-Effects-Plugin [7], das klassische Effekte wie innere und äußere Schatten oder Halos (gleißende Ringe um helle Lichtquellen) für Ebenen mit Transparenz bereitstellt. Obwohl normalerweise für Textebenen entwickelt, erzeugen diese Funktionen auch auf anderen Ebenentypen sehenswerte Effekte. Das Plugin gibt es als Skript-Fu- und als Python-Variante. Da Letztere schneller arbeitet und eine Vorschaufunktion besitzt, sollten Sie eher zur Python-Version greifen.

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