Aus LinuxUser 12/2014

Gimp 2.9: Ausblick auf die nächste Gimp-Hauptversion

© Tono Balaguer, 123RF

Unterwegs

Der Umbau von Gimp ist in vollem Gang und wirft seine Schatten voraus. Während es bei Gimp 2.8.14 noch mit GEGL kneift und knirscht, zeigt die Entwicklerversion bereits, was uns in der Zukunft erwartet.

README

Dieser Artikel nimmt die Gimp-Entwicklerversion 2.9.1 unter die Lupe, um die neuen Komponenten und Funktionen zu erklären, die in hoffentlich absehbarer Zeit im neuen Major-Release Gimp 2.10 münden.

Schon seit im Jahr 2012 Gimp 2.8.0 erschien, geistern Gerüchte über die nächste Hauptversion 2.10 durchs Netz. Während völlig unklar bleibt, wann Gimp 2.10 wohl erscheinen wird – die Roadmap des Projekts [1] gibt da keine klare Auskunft –, steht eines doch schon fest: Gimp 2.10 wird zumindest weitgehend, wahrscheinlich sogar vollständig, auf dem neuen grafischen Subsystem GEGL aufbauen.

Diese Generic Graphic Library [2] implementiert grundsätzliche Funktionen, die zum einen mit großen Farbtiefen und großen Bildern in quasi beliebigen Formaten arbeiten. Zum anderen erfolgt das Bearbeiten zerstörungsfrei, weswegen die Vorschau von GEGL-Funktionen immer direkt im Bildfenster erscheint – ein großer Vorteil, denkt man an die teilweise winzigen Vorschaufenster der heutigen Plugins. Das Editieren mit den in der Library enthaltenen Funktionen erfolgt dabei graphenorientiert, was zunächst kompliziert erscheint, aber ungeahnte Möglichkeiten birgt [3].

In der zuletzt veröffentlichten Gimp-Version 2.8.14 zeigen sich bereits deutlich die ersten Früchte der Arbeit, die die Entwickler in diese Umstellung gesteckt haben. Allerdings klappt die Integration dort noch nicht so gut wie in der Entwicklerversion Gimp 2.9: In Gimp 2.8.14 arbeiten die Funktionen deutlich langsamer als künftig im neuen Major-Release. Das GEGL-Werkzeug unter Werkzeuge fasst derzeit die schon umgesetzten Funktionen zusammen (Abbildung 1). Diese erscheinen auch im Werkzeugkasten, sofern Sie das unter Bearbeiten | Einstellungen aktiviert haben (siehe Kasten „GEGL in Gimp 2.8“).

Abb. 1: Momentan bietet Gimp 2.8.14 alle vorhandenen GEGL-Werkzeuge in einem Tool zusammengefasst an.
Abb. 1: Momentan bietet Gimp 2.8.14 alle vorhandenen GEGL-Werkzeuge in einem Tool zusammengefasst an.

Wählen Sie ein GEGL-Werkzeug aus, so erscheint im zweiten Schritt ein angepasster Dialog, in dem Sie die Parameter für die Funktion einstellen. Bei Gimp 2.8 bringt das noch relativ wenig Nutzen, da hier nur Buffer mit Farbtiefen von 8 Bit zur Verfügung stehen. Das wirkt beispielsweise bei den HDR-Funktionen wie Mantuik06, Fattal02 und Reinhard05 so, als würden Sie diese Funktionen direkt auf JPEG-Bilder anwenden. Das kann zwar manchmal zum Erfolg führen [4], reizt aber die Leistungsfähigkeit der Funktionen kaum aus.

Zu den bereits recht gut funktionierenden GEGL-Aktionen gehört beispielsweise die Korrektur der Farbtemperatur. Das dafür eingesetzte Werkzeug heißt Color Temperature und berechnet die Farbtemperatur eines Bilds neu. Dazu definieren Sie die Farbtemperatur des Originalbilds und die gewünschte Farbtemperatur, woraufhin die Funktion die Farben im Bild entsprechend umwandelt. Das bietet in vielen Situationen die beste Möglichkeit, Farben subtil anzupassen oder einen verpatzten Weißabgleich zu reparieren.

GEGL in Gimp 2.8

Am besten lassen sich die bereits implementierten GEGL-Funktionen testen, wenn Sie das entsprechende Werkzeug im Werkzeugkasten bereitstellen. Dazu finden Sie im Menü Bearbeiten | Einstellungen unter Werkzeugkasten die Möglichkeit, zusätzliche Werkzeuge anzuzeigen und deren Reihenfolge zu beeinflussen (Abbildung 2). @KL:Um das Werkzeug anzuwenden, müssen Sie bei dieser Version zunächst in das Bildfenster klicken. Damit erhalten Sie den Ausgangsdialog zur Auswahl der GEGL-Funktion und anschließend den Dialog für die zugehörigen Parameter.

Abb. 2: Hier aktivieren Sie die Anzeige des GEGL-Werkzeugs im Werkzeugkasten.
Abb. 2: Hier aktivieren Sie die Anzeige des GEGL-Werkzeugs im Werkzeugkasten.

Gimp 2.9

Die weiteren Ausführungen in diesem Artikel beziehen sich auf die aktuellen Entwicklerversionen von Gimp („Gimp-git“), die in einigen Abständen erscheinen. Wir haben sie unter Arch Linux getestet, wo sie (unter Arch Linux) alle Gimp 2.9.1 heißen, gefolgt vom Checkout-Datum und einer Revisionsnummer („20140604.gfd928cd-1“). Die meisten der im Git-Master enthaltenen Versionen laufen ausreichend stabil, um sie für kleinere Projekte einzusetzen.

Nach dem Start von Gimp 2.9 fällt Ihnen vermutlich zunächst der deutlich erweiterte Werkzeugkasten auf (Abbildung 3). Es gibt noch nicht für alle neuen Werkzeuge auch neue Icons, sodass Sie zunächst die Tooltipps bemühen müssen, wollen Sie kein lustiges „Werkzeuge raten“ veranstalten. Derzeit finden sich im Werkzeugkasten als neue Tools das vereinheitlichte Transformationswerkzeug, das Warp-Transformationswerkzeug und das nahtlose Klonwerkzeug („Seamless Cloning“).

Abb. 3: Der Werkzeugkasten von Gimp 2.9 (rechts) enthält deutlich mehr Werkzeuge als der von Gimp 2.8 (links).
Abb. 3: Der Werkzeugkasten von Gimp 2.9 (rechts) enthält deutlich mehr Werkzeuge als der von Gimp 2.8 (links).

Gimp 2.9 installieren

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine aktuelle Entwicklerversion von Gimp zu installieren. So können Sie jederzeit Gimp direkt aus dem Git-Repository installieren, müssen dann allerdings mit Fehlern rechnen. Für Debian-basierte Systeme wie Ubuntu gibt es ein Skript, das den Vorgang automatisiert [11].

Frustrationsfreier funktioniert die Methode, auf weitgehend funktionsfähige Snapshots zu warten, wie sie beispielsweise regelmäßig in den Repositories von Arch-Linux auftauchen. Diese spielen Sie problemlos über den Paketmanager ein, wobei es unbedingt zuvor die GEGL- und BABL-Pakete aktualisieren müssen (Listing 1). Für Ubuntu gibt es PPAs, die mehr oder minder regelmäßig Schnappschüsse der Git-Version bereitstellen [12].

Nicht jede Funktion der Git-Versionen arbeitet bereits stabil, weswegen Sie sich häufiges Speichern zur Angewohnheit machen sollten. Selbst das klappt aber nicht völlig problemlos: Einige Funktionen benötigen das neue, zu Gimp 2.8 inkompatible Dateiformat XCF6. Versuchen Sie, ein solches File in Gimp 2.8 zu öffnen, erhalten Sie die Meldung XCF-Fehler: nicht unterstützte XCF-Dateiversion 6 gefunden. Analoges gilt für das neue Archivformat XZ.

# yaourt babl
# yaourt gegl
# yaourt gimp-git

Transformationswerkzeug

Beim vereinheitlichten Transformationswerkzeug (Abbildung 4) handelt es sich um eine Kombination aus den bekannten Transformationswerkzeugen Drehen, Skalieren, ScherenPerspektive und Verschieben.

Abb. 4: Das vereinheitlichte Transformationswerkzeug fasst die Funktionen von fünf Standardwerkzeugen zusammen, wobei es zusätzliche Optionen im Optionsfenster anbietet.
Abb. 4: Das vereinheitlichte Transformationswerkzeug fasst die Funktionen von fünf Standardwerkzeugen zusammen, wobei es zusätzliche Optionen im Optionsfenster anbietet.

Zahlreiche „Anfasser“ erlauben, mit diesem Werkzeug die unterschiedlichen Funktionen in einem Schritt auszuführen. Im Prinzip ließe sich das auch mit dem Perspektive-Werkzeug von Gimp 2.8 bewerkstelligen – auf diesem Weg gezielt einzelne Transformationen vorzunehmen, dürfte allerdings in der Praxis kaum jemandem gelingen.

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