Aus LinuxUser 09/2014

Mit Exiftool Meta-Informationen bearbeiten und Bilder organisieren

© Ayla87, Freeimages.com

Klare Strukturen

Das Perl-Programm Exiftool erweist sich beim Umgang mit Metadaten als Schweizer Taschenmesser: Mit ihm organisieren Sie Bilder im Handumdrehen in einem sauber geordneten Archiv.

Zurück aus dem Urlaub, wandern die Bilder aus der ganzen Welt in der Regel in eine Fotodatenbank. Wer sich aber nicht darauf verlassen möchte, dass deren Tags und Kategorien zuverlässig kompatibel mit kommenden Versionen der Software bleiben, der nutzt das Dateisystem, um die Aufnahmen in eine grundlegende Struktur zu bringen. Das Perl-Programm Exiftool [1] leistet dabei zuverlässig Hilfe. Angenehmerweise holen Sie sich die Software ohne viel Aufwand auf die Platte (siehe Kasten „Installation“).

Installation

Wer in den Repositories nach dem Begriff exif sucht, findet zwar einige Programme wie Exif, Exifprobe oder Exiftran, die aber allesamt nur einen Teil des Funktionsumfangs von Exiftool abdecken. Letzteres fällt nicht direkt ins Auge, da es als Teil einer Perl-Bibliothek (libimage-exif-perl) entstand. Manche Distributionen verlegen es aber in ein eigenes Paket (libimage-exiftool-perl). Die Namen weichen je nach verwendetem System etwas ab.

Selbst ältere Versionen von Exiftool unterstützen bereits eine Vielzahl an Dateiformaten. Daher brauchen Sie in der Regel nichts weiter zu tun, als den Paketmanager anzuwerfen und die Software zu installieren.

Der Griff zur aktuellsten Version von der Website empfiehlt sich dann, wenn dies den Support für ein neueres, von Ihnen verwendetes Format verspricht. Die Bibliothek – und damit verbunden das Programm Exiftool – versteht sich nämlich nicht nur auf Bildformate: Sie beherrscht noch viele weitere Medienformate, wie zum Beispiel 3GP [2], das bei Smartphones zum Einsatz kommt.

Um den digitalen Aufnahmen eine Ordnung zu verleihen, bietet es sich an, sie nach Datum zu organisieren. Eine mögliche Variante wäre ein Ordner pro Jahr mit Unterordnern für den Monat sowie darunter für den Tag, falls viele Dateien anfallen. Fotografieren Sie selten, genügt eine Ebene unterhalb des Jahres-Ordners.

Um die Bilder nun nicht von Hand zu sortieren, nutzen Sie am einfachsten die Informationen, die in den Bilddateien selbst stecken – die sogenannten EXIF-Tags. Das Tag DateTimeOriginal liefert, sofern Sie die Kamera korrekt eingestellt haben, das passende Datum zur Aufnahme. Das verwenden Sie nun, um mit Exiftool die Files vollautomatisch ins Archiv zu verschieben.

Das Programm beherrscht eine Vielzahl von Operationen auf EXIF-Daten. Die Website sowie die Manpage des Programms geben ausführlich darüber Auskunft. Für den genannten Fall machen Sie sich zunutze, dass die Software auf Wunsch Werte aus den EXIF-Tags als Eingabe für Operationen verwendet. Darüber hinaus bietet Exiftool die Möglichkeit, beim Umbenennen einen Formatstring einzusetzen, der Pfadtrenner enthält. Bei Bedarf erstellt es beim Verschieben der Bilder gleich alle noch fehlenden Verzeichnisstrukturen.

In einem Rutsch

Übergeben Sie Exiftool ein Verzeichnis als Argument, so bearbeitet es alle Dateien darin. Mit -r taucht es in Unterverzeichnisse ab, mit -ext EXT beschränken Sie das Bearbeiten auf Dateien mit der Endung EXT. Hier wie auch im Fall von Tags spielt es keine Rolle, ob Sie die Groß/Kleinschreibung beachten.

Um den Zeitstempel der Dateien zu erhalten, wählen Sie die Option -P. Damit sehen Sie im Dateimanager ebenfalls den genauen Zeitpunkt der Aufnahme. Haben Sie die Dateien mittlerweile verschoben, stimmt dieses Datum allerdings nicht mehr mit dem Aufnahmedatum überein. Daher bietet es sich an, dies in einem ersten Schritt zu korrigieren. Das erledigen Sie mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1. Die einfachen Anführungszeichen um die beiden Tags brauchen Sie, um zu verhindern, dass die Shell den Befehl auswertet und als Umleitung versteht.

Geben Sie als Argument statt eines Dateinamens ein Verzeichnis an, so bearbeitet das Programm wiederum alle Dateien darin. Für jedes File legt die Software aber in beiden Fällen eine Kopie des Originals an, an dessen Namen sie die Endung _original anhängt. Mit der Option -overwrite_original verhindern Sie das.

Da zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch alle Dateien in einem Verzeichnis liegen, bietet es sich an, diese eventuell auch mit einem Kommentar sowie einem Copyright-Vermerk zu versehen (Listing 1, zweite Zeile).

Exiftool unterstützt weitere ausgeklügelte Operationen, mit denen Sie unter anderem die wichtigen Datumsangaben anpassen – etwa, falls Sie nach Umstellen auf die Sommer- oder Winterzeit vergessen haben, die Angaben in der Kamera zu aktualisieren. Zu den ausgefeilten Operationen gehört das Umbenennen der Dateien, wobei in diesen Prozess auch die Werte aus den Tags in der Datei einfließen dürfen.

Listing 1

$ exiftool -'filemodifydate<createdate' Dateiname
$ exiftool -overwrite_original -P -copyright="Max Mustermann" -comment="Urlaub 2014" Verzeichnis
$ exiftool -P -'Filename<DateTimeOriginal' -d %Y/%m/%d/%Y%m%d_%H%M%S.%%e Verzeichnis

Mit Format

Wie schon erwähnt, liefert das EXIF-Tag DateTimeOriginal den Zeitpunkt (laut Kamera), zu dem Sie die Aufnahme gemacht haben. Wollen Sie also die Dateien entsprechend umbenennen, nutzen Sie dazu einen Formatstring, dessen Elemente sich aus einer Kombination von Prozentzeichen mit einem Buchstaben zusammensetzen. Die Bedeutung der Buchstaben korrespondiert mit Teilen des Datums respektive der Uhrzeit. So steht %m beispielsweise für den Monat, geschrieben als zweistellige Ziffer, oder %Y für das Jahr, geschrieben als vierstellige Ziffer.

Eine ausführliche Hilfe zu den verschiedenen Elementen eines Formatstrings finden Sie auf der Website von Exiftool. Hier erläutert der Autor auch, wie Sie die Prozentzeichen richtig setzen, wenn Sie die Technik in Skripten einsetzen möchten. Er zeigt zudem, welche zusätzlichen Zeichen es gibt, um Bestandteile des Pfads oder des Dateinamens mit in den String aufzunehmen. So kommt im Beispiel der Teil %%e zum Einsatz, der die Endung des alten Dateinamens an dieser Stelle einsetzt.

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