Aus LinuxUser 07/2014

Pflegeleichtes Debian-Derivat Epidemic Linux

© Medialinx AG

Conforto do Brasil

Das auf Debian aufbauende Epidemic Linux bietet bei gleichem Software-Angebot erheblich mehr Komfort als die Mutterdistribution.

Brasilien gilt bereits seit längerer Zeit als Hochburg freier Software, viele Distributionen haben in dem südamerikanischen Land ihren Ursprung. Schon seit einigen Jahren am Markt und daher entsprechend ausgereift präsentiert sich Epidemic Linux, das mit einigen Innovationen aufwartet.

Pflegeleicht

Das System kommt in einer einzigen Variante für 64-Bit-Prozessoren als etwa 1,5 GByte großes Image [1] daher. Die von den Entwicklern angegebenen Hardware-Anforderungen klingen sehr moderat: Epidemic begnügt sich bereits mit 1 GByte Arbeitsspeicher und 10 GByte Festplattenplatz.

Auch bei der Grafikkarte gibt sich das System wenig wählerisch: Modelle der Hersteller AMD/ATI, Nvidia und Intel unterstützt es problemlos. Aufgrund dieser weit gefassten Anforderungen wollen wir es genauer wissen und installieren das System auf einem Notebook, wo sich aufgrund besonders angepasster Komponenten oft höhere Anforderungen an die Hardware-Erkennung ergeben.

Epidemic empfängt uns dabei auf einem HP Elitebook 2530p mit einem Grub-Menü, das insgesamt fünf Optionen zum Starten der Live-Variante bietet. Die Spielarten unterscheiden sich lediglich in der Lokalisierung, auch eine deutsche Version findet sich darunter. Einen Modus zum Beheben von Problemen mit der Hardware haben sich die Entwickler ebenso gespart wie die Option für eine direkte Installation auf einem Massenspeicher.

Das System bootet ohne Murren in einen Desktop mit KDE 4.8, wobei es die komplette Hardware des Rechners tadellos erkennt, mit Ausnahme des Sensors zum Authentifizieren. Hier scheint die solide Basis Debian durch, welche die Epidemic-Entwickler allerdings noch um Firmware-Pakete ergänzt haben. Auf diese Weise erkennt das System selbst Komponenten wie WLAN-Adapter von Intel direkt.

Der Desktop wirkt aufgeräumt und zeigt zunächst keine Besonderheiten. Erst beim Starten des K-Menüs unten links im Panel treten im Untermenü Favoriten erste Eigenentwicklungen zutage: Hier findet sich als erster Menüpunkt der Epidemic installer, der das System in wenigen Schritten auf den Massenspeicher packt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der eInstaller packt das System schnell auf einen Massenspeicher des PCs.
Abbildung 1: Der eInstaller packt das System schnell auf einen Massenspeicher des PCs.

Von DVD zu USB

Zwar zielt das Standard-ISO-Image auf die Installation via DVD ab, doch besteht auch die Möglichkeit, aus dem Live-Betrieb heraus einen bootfähigen USB-Stick zu generieren. Dabei greift der Installer auf eine eigene Routine namens ePendrive zurück. Um sie zu nutzen, verbinden Sie einen USB-Stick mit mindestens 2 GByte Kapazität mit dem Computer. Achten Sie darauf, den Speicher vorab mit dem Dateisystem Ext2 oder ReiserFS zu formatieren. Anschließend klicken Sie im Menü Favoriten auf den Eintrag Epidemic installer, der den eInstaller startet.

Sie finden oben horizontal nun zwei Reiter mit den im System vorhandenen Massenspeichern – üblicherweise bezeichnet der Reiter sdb den USB-Stick. Im Feld Optionen unten mittig im Fenster setzen Sie nun ein Häkchen vor den Eintrag USB-Livesystem. Danach aktivieren Sie darüber in der grafischen Anzeige der Partitionen das Auswahlfeld root. Mit einem Klick unten rechts auf die Schaltfläche Installieren schließen Sie den Vorgang ab (Abbildung 2).

Abbildung 2: Dank eInstaller erstellen Sie im Handumdrehen einen bootfähigen USB-Stick.
Abbildung 2: Dank eInstaller erstellen Sie im Handumdrehen einen bootfähigen USB-Stick.

Im Terminal

Viele grundlegende Arbeiten beim Konfigurieren lassen sich auf der Konsole schneller erledigen als mit einer aufwendigen grafischen Oberfläche. Epidemic integriert daher nicht nur das über [F12] zu erreichende Terminal Yakuake [2], sondern offeriert zudem eine stattliche Anzahl spezieller Befehle, die der Konfiguration dienen. Dazu gehören euser, elocale, eaptsrc, ekdm und exorg.

Alle diese Kommandos entsprechen weitgehend den originalen Befehlen unter Debian, bieten jedoch erweiterte Funktionen. Mit diesen spezifischen Befehlen nehmen Sie in einem Terminal recht schnell die Konfiguration des Systems vor. Um die exakten Parameter zu ermitteln, rufen Sie die Dokumentation zu dem jeweiligen Befehl einfach wie gewohnt mit dem Man-Kommando auf.

Zwei interessante Einträge finden sich auch im Menü Favoriten. Der Befehl Meta packages installer eMorph integriert eine stattliche Anzahl verschiedenster Anwendungen aus je einer Untergruppe dauerhaft im System. Special packages installer eAsy Channel beschäftigt sich mit dem Herunterladen und Installieren von unfreien und patentbehafteten Applikationen. Diese Software binden Sie komfortabel mit einem Mausklick auf das in der mittleren Fensterspalte angezeigte Würfel-Symbol ins System ein (Abbildung 3).

Abbildung 3: Per Mausklick und ohne Suche installieren Sie spezielle Programme.
Abbildung 3: Per Mausklick und ohne Suche installieren Sie spezielle Programme.

Software-Fundus

Nach der Installation bietet Epidemic eine nahezu vollständige Software-Ausstattung. Im Menü Grafik fehlt allerdings der Bildbearbeitungsbolide Gimp. Dafür stehen im Menü Internet mit dem Iceweasel und Konqueror gleich zwei Webbrowser bereit. Dem Firefox-Derivat Iceweasel fehlen jedoch jegliche Addons, sodass es noch etwas manueller Nacharbeit bedarf, um den Webbrowser zeitgemäß abzusichern.

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1 Kommentar auf "Pflegeleichtes Debian-Derivat Epidemic Linux"

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Das ist aber mal eine große Überraschung, daß das brasilianische Epidemic Linux es zu einer Rezension in LinuxUser geschafft hat! Als Teammitglied bin ich leider weniger begeistert, daß die total veraltete Version 4.0 in der Heft-DVD enthalten ist. Ich habe schon lange nicht mehr getestet, ob eine Installation sich auf den aktuellen Stand mit der Systemaktualisierung upgraden läßt. Die Software in eAsychannel oder eMorph sollte ebenfalls seit längerem ungetestet sein. Auch die Entwicklungsversion 4.1, die bei Erscheinen schon ziemlich stabil war, ist jetzt auch nicht viel besser. Zum Anschauen ganz nett, aber für den produktiven Gebrauch nicht mehr geeignet. James… Mehr »