Aus LinuxUser 05/2014

OpenSolaris-Derivat XStreamOS im Test (Seite 2)

Die Inhalt der Untermenüs Systemwerkzeuge und Zubehör fällt recht übersichtlich aus. Auch das Menü Einstellungen beschränkt sich auf lediglich fünf vorinstallierte Tools, welche zwar die wesentlichsten Optionen berücksichtigen, jedoch von den Möglichkeiten eines KDE- oder auch XFCE-Desktops weit entfernt bleiben. Ungewöhnlich für ein Desktop-System ist das im Menü Systemwerkzeuge integrierte Programm Wireshark zur Analyse von Netzwerken, das üblicherweise eher auf Server-Distributionen zum Einsatz kommt.

Paketmanager

Das Paketmanagement unter XStreamOS weicht deutlich von den Linux-Konventionen ab. Mit IPS als Paketmanagementsystem und dem Package Manager als dessen grafischer Oberfläche stehen zwei unter Linux unbekannte Tools bereit, die für die saubere Integration neuer Software ins Solaris-Universum sorgen.

Zwar macht der Package Manager auf den ersten Blick einen für Linux-Anwender altbekannten Eindruck (Abbildung 2), doch Nomenklatur und Umfang der Funktionen erfordern ein Umdenken: XStreamOS unterscheidet Repositories nach Herausgebern, und auch die Kategorien in Package Manager richten sich danach. Updates spielen Sie per Mausklick ein.

Abbildung 2: Der XStreamOS-Package Manager ähnelt vom Konzept dem Programm Synaptic.
Abbildung 2: Der XStreamOS-Package Manager ähnelt vom Konzept dem Programm Synaptic.

Völlig ungewohnt ist die Option, das Boot-Verhalten des Systems mittels Package Manager zu beeinflussen: Im Fenster File | Manage Boot Environments… legen Sie fest, welche Umgebung startet. Hier zeigt sich die enge Verzahnung mit dem Dateisystem ZFS: Im Falle eines fehlgeschlagenen Updates des Betriebssystems besteht die Möglichkeit, aus dem Fenster Boot Environments einen funktionierenden Snapshot von XStreamOS zu booten. Das ermöglicht es, mithilfe unterschiedlicher Snapshots verschiedene Kernel-Varianten zu nutzen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Package Manager verwaltet Snapshots des Systems und bietet die Möglichkeit, einen davon zu starten.
Abbildung 3: Der Package Manager verwaltet Snapshots des Systems und bietet die Möglichkeit, einen davon zu starten.

Die Boot Environments erlauben es außerdem, den Software-Fundus für die einzelnen Umgebungen individuell anzupassen. Dazu finden Sie im linken Bereich des Package Managers verschiedene Software-Kategorien. Wie von einem ursprünglich primär im Mainframe-Bereich verbreiteten Betriebssystem nicht anders zu erwarten, liegt der Schwerpunkt der installierbaren Programme auf Programmen zum Entwickeln und für die Administration des Systems.

Verspielte Naturen gehen dagegen nahezu leer aus: Die Kategorie Spiele offeriert lediglich ein einziges Programm. Aber auch exotische Desktop-Anwendungen verzeichnet der Software-Pool kaum. Als ähnlich dürftig erweist sich die Ausstattung in der Kategorie Treiber, die vor allem Einträge zu Hochleistungs-Hardware für Server umfasst. Für Komponenten, wie sie herkömmliche Desktop-Rechner vielfach nutzen, fehlen jedoch Treiber. Auch auf mobiler Hardware lässt sich XStreamOS kaum einsetzen: Hier sieht die Unterstützung insbesondere für Notebooks mit aktuellen Core-Chipsätzen von Intel und deren Grafikkarten äußerst düster aus.

Fazit

XStreamOS eignet sich vor allem für die klassische Büroumgebung, in der eine homogene Infrastruktur gewollt ist. Das System arbeitete im Test auch auf weniger gut ausgestatteter Hardware recht schnell und stabil. Der Desktop bietet weitgehend alle nötigen Programme für den Einsatz im Office. Für betagte 32-Bit-Hardware eignet sich XStreamOS nicht. Sobald mobile Computersysteme im Einsatz sind, streicht XStreamOS in den meisten Fällen aufgrund der noch mangelnden Unterstützung für viele Komponenten die Segel. 

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