Aus LinuxUser 02/2014

Manjaro: Arch Linux leicht gemacht?

Herber Charme

Die sorgsam zusammengestellte Desktop-Distribution Manjaro versucht mit grafischen Werkzeugen Arch Linux auch weniger versierten Anwendern näherzubringen.

Manjaro (gesprochen wie in „Kilimanjaro“) wendet sich als Desktop-Distribution an Anwender, die ein einfach zu administrierendes, effektives System ohne den Overhead der „großen“ Distributionen suchen. Als Basis-Desktop dient folgerichtig XFCE 4.10 (Abbildung 1). Gnome, KDE, LXDE und diverse Window-Manager stehen aber in den Repositories ebenfalls zur Verfügung. Auch ein umfangreicher Multimedia-Support gehört zur Distribution, die Sie unter http://manjaro.org als 32- oder 64-Bit-Version herunterladen können.

Innereien

Als Rolling-Release-Distribution bietet Manjaro immer sehr aktuelle Kernel – und davon stehen auch noch mehrere zur Auswahl. Derzeit umfasst das die Versionen 3.4.70, 3.8.13.13 (erweiterter Support von Canonical), 3.10.20 (Vorgabe für Manjaro 0.8.8), 3.11.9 und 3.12.1. Vor der neuesten Ausgabe warnen die Entwickler: Mit dem 3.12er-Kernel treten noch gelegentlich Stabilitätsprobleme auf.

Topaktuell geben sich bei Manjaro auch die Anwendungsprogramme. So steht Gimp in Version .8.8 bereit, die gerade erschienene Version 2.8.10 dürfte schnell Einzug halten. Eine Developer-Version (GIMP-GIT) steht ebenfalls zur Verfügung. Entsprechendes gilt für andere Applikationen.

Gepacktes

Als zentrales Werkzeug zur Software-Verwaltung dient bei Manjaro der Paketmanager Pamac (Abbildung 2). In der jüngsten Version 0.9.2 integriert er erstmals AUR („Arch Linux User Repositories“) direkt, sofern Sie die Variante Pamac-AUR installieren. Bisher war der Zugriff auf diese von Anwendern gepflegten und nicht nur stabile Pakete enthaltenden Quellen nur mit Befehlszeilenwerkzeugen wie yaourt („Yet An Other User Repository Tool“) oder packer möglich. Ein kleines Häkchen bei Suche in AUR in dem Pamac-Settings integriert diese von Anwender gepflegten Repositories, die viele wichtige Pakete enthalten.

Auch an einigen weiteren Stellen wurde Pamac überarbeitet: So zeigt das Ausgabefenster nun die Ausgaben von post-install-Skripten, was oft bei der Fehlersuche hilft. Weiterhin lassen sich nun auch lokal vorhandene Pakete via Pamac einrichten: Das erledigen Sie mit dem Befehl pamac-install auch direkt aus dem Dateimanager heraus. Eine alternative Oberfläche für Pamac stellt Manjaro mit Octopi 0.3 bereit. Das auf den Qt-Libraries basierende Paketmanagement-Frontend zeichnet sich durch hohe Übersichtlichkeit und einfache Bedienung aus (Abbildung 3).

Die Installation der Distribution auf einer Festplatte erfolgt aus dem Live-System heraus, in der Regel über den grafischen Installer Thus (Abbildung 4). Alternativ gibt es die Möglichkeit, mittels sudo setup im Terminal oder auf der Konsole (falls das grafische Subsystem nicht startet) die Installation und später die Konfiguration kritischer Komponenten vorzunehmen.

Für die Hardware-Detektion setzt Manjaro auf das selbst entwickelte MDHW-Tool, das nicht ganz so gut und zuverlässig wie die Alternative bei Ubuntu arbeitet. In den allermeisten Fällen liefert es aber ausreichende Ergebnisse.

Das System basiert auf Systemd und damit auf einem neuen, noch nicht allgemein akzeptierten Bootkonzept, das sich noch in ständiger Entwicklung befindet. Es arbeitet schnell und recht sicher, vieles verläuft parallel. Bei Änderungen durch den Anwender gibt sich Systemd aber sperrig – ähnlich wie das bei Ubuntus Upstart der Fall ist.

Fazit

Das Arch-Linux-Derivat Manjaro entwickelt sich kontinuierlich weiter in Richtung einer Mainstream-Distribution. Noch gibt es kleinere und größere Baustellen, die beispielsweise bei einer Ubuntu-LTS-Version schon ausgeräumt sind – aber auch bei Manjaro ist das wohl nur noch eine Frage der Zeit. Dennoch empfiehlt sich der Einsatz der Distribution bisher eher für etwas erfahrenere Anwender. 

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