Aus LinuxUser 09/2013

Anonym und sicher Surfen mit Tails

© DoortenJ, sxc.hu

Schutzschicht

Benötigen Sie eine anonyme Verbindung ins Netz, ist Tails 0.19 genau das Richtige für Sie: Das Live-System verschleiert beim Surfen und Mailen sämtliche Spuren.

The Amnesic Incognito Live System, kurz: Tails, ist in erster Linie als System konzipiert, um sich auf einfache Weise anonym im Internet zu bewegen [1]. Dazu brennen Sie Tails auf eine DVD oder installieren es auf einen USB-Stick, booten es und genießen so beim Surfen den Schutz der Privatsphäre sowie die bestmögliche Anonymität. Tails nutzt grundsätzlich bei allen Verbindungen ins Internet das Tor-Netzwerk [2], dazu brauchen Sie nichts zu konfigurieren. Bluetooth oder WLAN stehen für das Verbinden in lokale Netze bereit.

Damit bietet sich Tails insbesondere für den mobilen Einsatz auf fremden PCs an, etwa am Firmen-Rechner oder im Internet-Café. Die Distribution hinterlässt auf dem Host-System keine Spuren – es sei denn, Sie stimmen dem Speichern von Daten ausdrücklich zu. Ferner nutzt das System zum Verschlüsseln von Dateien und E-Mails Kryptographie auf dem aktuellen Stand der Technik.

Verfügen Sie nicht über die DVD-Edition dieser Ausgabe, dann laden Sie die brandneue Version 0.19 von Tails als Datenträger-Abbild von der Projektseite herunter. Dort finden Sie eine detaillierte Benutzer-Dokumentation [3]. Nutzern der Vorgänger-Version rät das Tails-Team, schnellstmöglich auf die neue Version 0.19 zu aktualisieren, die den aktuellen Kernel 3.9.5-1, Iceweasel 17.0.7 sowie die neuesten Versionen von live-boot und live-config mitbringt.

Laut Ankündigung haben die Entwickler in der Release 0.19 verschiedene Fehler der Vorgänger-Version ausgebügelt und eine Reihe neuer Lokalisierungen hinzu gefügt. Starten Sie Tails von einem USB-Stick, richtet es den permanenten Speicherplatz in der neuen Version 0.19 standardmäßig mit Ext4 ein.

Gut getarnt

Besonders interessant ist der Windows-XP-Tarnmodus von Tails, den Sie bei Bedarf beim Booten des Live-Systems per Option einschalten. Klicken Sie dazu im Bootmenü bei Weitere Optionen auf Ja. Die deutsche Sprache und deutsche Tastaturbelegung stellen Sie unten in der Fußzeile ein (Abbildung 1). Mit einem Klick auf Vorwärts gelangen Sie zum Dialog Willkommen zu Tails, in dem Sie ein Passwort für den Root-Account festlegen. Hier finden Sie die Option Aktiviere Microsoft Windows XP Tarnung.

Abbildung 1: Weitere Boot-Optionen erschließen unter anderem den Tarnmodus, in dem das System sich optisch als Windows XP ausgibt.
Abbildung 1: Weitere Boot-Optionen erschließen unter anderem den Tarnmodus, in dem das System sich optisch als Windows XP ausgibt.

Mit dem Tarnmodus präsentiert sich der Tails-Desktop als täuschend echter Nachbau der Windows-XP-GUI, inklusive Startmenü, das selbstverständlich nur auf die gut abgestimmte Auswahl an Linux-Tools verweist (Abbildung 2). Darunter finden sich OpenOffice als Büro-Suite, Gimp und Scribus im Bereich Grafik, Iceweasel als Browser (im XP-Modus getarnt mit dem IE-Symbol), Claws Mail als Mail-Client, Liferea als Feed-Reader und Pidgin als Instant Messenger.

Abbildung 2: Im Tarnmodus gibt sich Tails zwar als Windows XP aus, bringt aber ausschließlich etablierte Linux-Tools mit.
Abbildung 2: Im Tarnmodus gibt sich Tails zwar als Windows XP aus, bringt aber ausschließlich etablierte Linux-Tools mit.

Auch der Multimedia-Bereich ist mit Audacity, dem Video-Editor Pitivi, Brasero als Brenn-Software, dem Multitrack-Recorder Traverso und dem Totem-Videoplayer für ein Live-System bestens ausgestattet

Obwohl es wünschenswert wäre, das der XP-Look in absehbarer Zeit dem von Windows 7 weicht, leistet er bereits jetzt gute Dienste: Einerseits sieht der Desktop nach Microsoft aus, was Linux-Unkundigen den Einstieg erleichtert. Andererseits gibt sich Tails in diesem Modus aber auch gegenüber dem Internet als Windows aus, wobei die Kennung missverständlich ist (Abbildung 3).

Abbildung 3: Tails gibt sich Webservern gegenüber als Windows-7-Maschine aus.
Abbildung 3: Tails gibt sich Webservern gegenüber als Windows-7-Maschine aus.

Verwenden Sie Tails – wie im Test geschehen – in einer virtuellen Maschine, weist es als auf Sicherheit und Anonymität spezialisiertes Betriebssystem darauf hin, das der Host und die Software zum Virtualisieren trotzdem wissen, was Sie innerhalb der virtuellen Umgebung tun.

Sonstige Software

Die von Tails mitgebrachte Software befindet sich nicht durch die Bank auf dem aktuellen Stand (OpenOffice liegt etwa in Version 3.2.1 bei), allerdings empfiehlt sich Tails vorrangig für das anonyme Surfen. Deshalb geht die Iceweasel-Version 17.07 in Ordnung, weil diese besonders langen Support durch Mozilla erfährt. Außerdem funktionieren mit der Version 17 die für die voreingestellte Tor-Konfiguration erforderlichen Firefox-Erweiterungen hervorragend, so etwa Torbutton oder FoxyProxy.

Im Bereich Zubehör findet sich Julien Voisins Metadata Anonymisation Toolkit (MAT), das in der Lage ist, sämtliche Meta-Informationen aus Dateien zu entfernen [4]. Die aktuelle Diskussion um das US-Überwachungsprogramm Prism zeigt, das diese eine Menge über Sie verraten. Ohnehin empfiehlt es sich, wann immer möglich Dateiformate zu verwenden, die keine Meta-Daten speichern. MAT unterstützt unter anderem die Dateiformate PNG, JPEG, ODF, Office OpenXML, PDF, TAR, ZIP und MPEG-Audio.

Tails auf USB-Stick

Im Bereich Systemwerkzeuge finden Sie den Tails USB Installer, mit dem Sie das System auf einen USB-Stick installieren. Dieser erweist sich im mobilen Einsatz als weitaus praktikabler, zumal Sie je nach Größe des Sticks ohne großen Aufwand eigene Daten speichern. Das Tool findet sich außerdem im Menü Tails gemeinsam mit weiteren spezifischen Werkzeugen. Von den drei Optionen im Startbildschirm des Assistenten kommt in der Regel die erste – Clone & Install – zum Einsatz; die anderen dienen zum Aktualisieren einer bestehenden Installation auf einem USB-Stick.

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