Aus LinuxUser 07/2013

Ubuntu mit Gnome Shell statt Unity (Seite 2)

Schuld ist der auf Llvmpipe basierende Ausweichmodus, der die Nutzung von Unity 3D oder Gnome 3.8 auf Systemen ermöglicht, auf denen kein OpenGL-Treiber zur Verfügung steht. Distributionen wie Ubuntu lassen die Grafik dann via Llvmpipe vom der CPU statt der GPU berechnen, woraus die unerträgliche Langsamkeit resultiert.

Der Einsatz von Llvmpipe mag für den nativen Einsatz eine praktikable Lösung darstellen, stößt aber in einer virtuellen Maschine an seine Grenzen. Ob bei Ihnen der Gallium-Llvmpipe-Treiber zum Einsatz kommt, finden Sie leicht heraus, indem Sie in den Systemeinstellungen Informationen | Grafik anklicken (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ursache der virtuellen Langsamkeit ist Llvmpipe. Allerdings gibt es derzeit dazu keine Alternative, außer einem Umstieg auf KDE, Maté, LXDE oder XFCE.
Abbildung 1: Ursache der virtuellen Langsamkeit ist Llvmpipe. Allerdings gibt es derzeit dazu keine Alternative, außer einem Umstieg auf KDE, Maté, LXDE oder XFCE.

In der virtuellen Maschine

Unabhängig vom Llvmpipe-Problem besteht die erste Amtshandlung beim Betrieb von Ubuntu Gnome unter VirtualBox im Installieren der VirtualBox-Gastsystem-Treiber. Diese sorgen zumindest für eine vernünftige Auflösung mit akzeptabler Farbtiefe und regeln das Problem „überschüssiger“ Mauszeiger.

Im Test klappte das über Ubuntus Software-Center nicht: Es lief in der virtuellen Maschine nicht vernünftig und quittierte Startversuche mit der Meldung Es wurde ein Problem mit der Systemanwendung gefunden. Die Anwendung stürzte dann zwar nicht vollends ab, es ließen sich jedoch weder Paketquellen hinzufügen noch die Suchfunktion verwenden.

Zum Installieren der VirtualBox-Gastsystem-Treibers binden Sie entweder das vom Hostsystem zur Verfügung gestellte ISO ein und führen das Installations-Skript vom entsprechenden CD-Laufwerk aus (Abbildung 2), oder Sie greifen zur Kommandozeile und installieren die VirtualBox-Treiber direkt aus den Ubuntu-Paketquellen des Gastsystems (Abbildung 3):

$ sudo apt-get install virtualbox-guest-utils virtualbox-guest-dkms

Abbildung 2: Das obligatorische Installieren der VBox-Gastsystem-Treiber beim Betrieb in einer VM.
Abbildung 2: Das obligatorische Installieren der VBox-Gastsystem-Treiber beim Betrieb in einer VM.
Abbildung 3: Die Vbox-Gastsystem-Treiber finden sich auch in den Ubuntu Paketquellen.
Abbildung 3: Die Vbox-Gastsystem-Treiber finden sich auch in den Ubuntu Paketquellen.

Bei der Gelegenheit empfiehlt es sich, auch gleich den GTK-Paketmanager Synaptic mit apt-get install synaptic zu installieren und mit apt-get upgrade gegebenenfalls erste Aktualisierungen einzuspielen. Der Default-Kernel ist mit der Versionsnummer 3.8.0-19 auf einem recht aktuellen Stand.

Für die Gnome Shell an sich gilt das nicht, denn diese trägt noch die Versionsnummer 3.6 (Abbildung 4), obwohl bereits seit Ende März Gnome 3.8 verfügbar ist. Der Grund dafür dürfte wohl darin liegen, dass Gnome 3.6 noch den Fallback-Modus besitzt, dessen Code die Entwickler aber nicht mehr weiter pflegen wollten und in Gnome 3.8 vollends entfernt haben.

Abbildung 4: Ubuntu Gnome basiert noch auf der Version 3.6 der Gnome Shell.
Abbildung 4: Ubuntu Gnome basiert noch auf der Version 3.6 der Gnome Shell.

Auf dem PC

Betreiben Sie Ubuntu Gnome allerdings nicht in einer virtuellen Maschine, sondern auf physischer Hardware mit funktionierendem OpenGL-Treiber, dann können und sollten Sie zügig auf Gnome 3.8 aktualisieren. Das gelingt über das Launchpad-PPA gnome3-team/gnome3 problemlos. Das Einbinden der Paketquelle erledigen Sie am schnellsten auf der Kommandozeile mit folgendem Befehl:

$ sudo add-apt-repository ppa:gnome3-team/gnome3

Ist das PPA einmal importiert, nehmen Sie die Aktualisierung auf Gnome 3.8 problemlos beispielsweise in Synaptic vornehmen (Abbildung 5). Hierzu genügt ein Klick auf Alle Aktualisierungen vormerken. Fühlen Sie sich auf der Kommandozeile wohler, dann nutzen Sie zum Update die beiden Befehle aus Listing 1.

Abbildung 5: Ein Update auf Gnome 3.8 ist mit dem Paketmanager schnell erledigt.
Abbildung 5: Ein Update auf Gnome 3.8 ist mit dem Paketmanager schnell erledigt.

Listing 1

$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get dist-upgrade

Fazit

Dass es mit Ubuntu Gnome wieder eine offizielle Ubuntu-Variante mit Gnome-Desktop gibt, interpretieren viele Unity-Kritiker als pikantes Zugeständnis von Canonical. Das ist es aber keineswegs, denn die Distribution stammt ja nicht von Canonical, auch wenn sie den Status eines offiziellen Derivats genießt. Zudem macht Gnome 3 ein Ubuntu-System im Vergleich zu Unity auch nicht unbedingt besser, sondern hebt bestenfalls dessen Attraktivität für die Zielgruppe der eingefleischten Gnome-Anwender.

Wer allerdings primär eine aktuelle Distribution mit Gnome-3-Desktop nutzen will, sollte vielleicht besser zu Fedora greifen, das dem Gnome-Projekt traditionell ebenfalls nahe steht und sich insbesondere in der jeweils „vorigen“ Version (derzeit Fedora 17) als sehr stabil erweist, sofern sämtliche Updates eingespielt sind. Außerdem muss man sich hier nicht über unerwünschte Kaufvorschläge in der Desktop-Suche oder Werbeeinblendungen im Paketmanager ärgern.

Wie es in Bezug auf Canonicals eigenen Display-Server Mir mit Kubuntu und Ubuntu Gnome weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen. Daher gilt in Bezug auf die Distribution mit den lustigen Tiernamen mehr denn je: Entweder Linux oder Ubuntu. Dass Mark Shuttleworth „sein“ Ubuntu auf lange Sicht eher zu einem eigenen Betriebssystem ausbauen will als nur zu einem „besseren Debian“, war im Grunde genommen von Anfang an klar. Daraus haben weder er noch seine Firma je einen Hehl gemacht. 

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 4 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
KAUFEN
LinuxUser 07/2013 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: