Aus LinuxUser 06/2013

Programme zum Bandbreiten-Monitoring

© Judy Smith, sxc.hu

Raus aus dem Engpass

Wer verstopft schon wieder die DSL-Leitung? Eine Reihe von Programmen hilft bei der Suche nach dem Verursacher.

Während noch vor wenigen Jahren vor allem schmalbandige Internet-Zugänge dominierten [1], verfügt die Mehrheit der Haushalte inzwischen über einen DSL-Anschluss. Doch da mehr und mehr Dienste und Anwendungen – vom Datenspeicher über Podcasts bis zum intelligenten Stromzähler – über die bestehende Infrastruktur laufen, stößt diese in immer kürzeren Abständen an ihre Grenzen. Bei mobilen Zugängen mit Volumen-Limit gilt es zudem, die übertragene Datenmenge im Auge zu behalten, sonst drosselt der Anbieter die Bandbreite oder schickt exorbitante Rechnungen.

Als Alternative zum Wechsel in einen teureren Tarif bietet es sich an, das Netzwerk zu untersuchen und herauszubekommen, welche Dienste die Bandbreite in welcher Weise ausnutzen. Dazu existiert eine große Vielfalt an Programmen [2]. Die Kunst besteht darin, die richtigen Werkzeuge zu finden.

Das Thema Netzwerk erfordert einige Grundlagen. Ausführliches Material finden Sie dazu in drei Artikeln, die LinuxUser vor einiger Zeit veröffentlicht hat – Grundlagen für die Systemanalyse (03/2007, [3]), Planung und Konfiguration (12/2007, [4]) sowie Sicherheit und Troubleshooting (01/2008, [5]).

Übersicht

Die vorgestellten Werkzeuge teilen sich in drei Kategorien: Eine Gruppe eignet sich für den Einsatz auf der Kommandozeile, eines bringt eine grafische Oberfläche mit, und eine dritte Gruppe nutzen Sie über den Webbrowser. Die Tabelle „Tools im Überblick“ ordnet die einzelnen Tools zu.

Tools im Überblick

Kategorie Programme
Kommandozeile Atop, Bmon, Bwm-ng, Cbm, Dstat, Iftop, Ifstat, Iptraf, Jnettop, Nethogs, Nload, Pktstat, Tcpstat, Vnstat
Desktop Etherape
Webbrowser Bandwithd, Darkstat, Ntop

Während die meisten Programme sich auf einige wenige Funktionen konzentrieren, gehören Dstat [6] und Atop [7] zu den Allroundern, die zudem etliche Funktionen zur Analyse unter einem Dach vereinen. Das GTK-Programm Etherape [8] zeichnet eine dynamische Netzwerktopologie und symbolisiert den Datenfluss mit unterschiedlichen Grafiken.

Zum Beobachten des Datenverkehrs im laufenden Betrieb, also nach Netzwerkbandbreite pro Verbindung, eignet sich Iftop [9]. Die Top-Varianten Jnettop [10] und Pktstat [11] schlüsseln zudem nach Protokoll auf und schauen dabei auch in Anwendungsprotokolle wie HTTP hinein. Möchten Sie nachvollziehen, was gerade durch ihren DSL-Zugang geht, eignen sich Speedometer [12] oder Nload [13], die Graphen zeichnen.

Bmon [14] zeigt alle Schnittstellen auf einmal und zeichnet auf Wunsch eine kleine Grafik. Die Alternative Ifstat [15] beschränkt sich auf schnöde und leicht weiter zu verarbeitende Zahlen. Wer auf akkumulierte Daten zugreifen möchte, für den ist Vnstat [16] oder Atopsar [17] eine Alternative. Vnstat schlüsselt den Traffic bei Bedarf nach Tagen oder Stunden auf.

Bandbreite ermitteln

Die Anbieter preisen DSL-Zugänge häufig mit einem theoretisch möglichen Datendurchsatz an, ein exakter Wert kommt in den Verträgen selten vor. Zum Messen der tatsächlichen Bandbreite eignen sich Programme wie Speedometer. Für die erste Netzwerkschnittstelle rufen Sie das Tool mit den Parametern -rx eth0 für den Download und -tx eth0 für den Upload auf. Daraufhin zeigt Speedometer im Abstand von einer Sekunde die jeweilige Datenrate an, die über diese Schnittstelle läuft (Abbildung 1). Für ein Intervall von fünf Sekunden nutzen Sie die zusätzliche Option -i 5.

Abbildung 1: Beim Download eines ISO-Images und einem parallelen Audio-Stream ist die Bandbreite schnell aufgebraucht.
Abbildung 1: Beim Download eines ISO-Images und einem parallelen Audio-Stream ist die Bandbreite schnell aufgebraucht.

Benötigen Sie statt der Ausgabe als ASCII-Grafik eine Textzeile mit den gemessenen Werten, hilft die Option -p. Damit erfolgt die Ausgabe spaltenweise. Das erleichtert das Weiterverarbeiten mit anderen Werkzeugen (Listing 1).

Listing 1

$ speedometer -p -rx eth0
   0 B/s   c:   0 B/s   A:   0 B/s   (\                    )
17.4 KB/s  c:5.80 KB/s  A:11.6 KB/s  (...:::+++|           )
17.2 KB/s  c:10.4 KB/s  A:13.8 KB/s  (...:::+++|           )
17.2 KB/s  c:13.3 KB/s  A:14.8 KB/s  (...:::+++|           )
 735 KB/s  c: 733 KB/s  A: 337 KB/s  (...:::+++###%|       )
 734 KB/s  c: 670 KB/s  A: 394 KB/s  (...:::+++###%|       )
 735 KB/s  c: 686 KB/s  A: 413 KB/s  (...:::+++###%|       )
 735 KB/s  c: 702 KB/s  A: 431 KB/s  (...:::+++###%|       )
 735 KB/s  c: 734 KB/s  A: 460 KB/s  (...:::+++###%|       )

Im Hintergrund

Die Programme Iptraf, Iftop, Jnettop, Nethogs [18], Tcpstat [19], Pktstat, Ntop, Darkstat und Bandwidthd greifen beim Erfassen und Zählen der Pakete auf die Bibliothek Pcap zurück, ebenso die Diagnose-Werkzeuge Wireshark/Tshark und Tcpdump. Damit bieten die Programme die Möglichkeit, den Datenverkehr nach bestimmten Kriterien zu filtern. Die Syntax der Filter erklärt die Manpage zu pcap-filter. Diese Programme erfordern den Einsatz von Root-Rechten.

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