Aus LinuxUser 06/2013

Apt-Get und Aptitude im Einsatz

© Walter Groesel, sxc.hu

Paarweise

Das Installieren und Entfernen von Software gehört für jeden Paketmanager zur Pflichtübung. Wer sein Debian-System aber richtig warten will, braucht Profi-Tools wie Apt-get und Aptitude.

Beim Aufräumen, Aktualisieren und Einrichten von Software auf einem Debian-basierten System übernehmen Tools wie Apt-get und Aptitude das Auflösen von Abhängigkeiten sowie das automatische Entfernen von nicht mehr benötigten Programmen. Dabei greifen sie auf die Mechanismen des Paketmanagements zurück, das umfangreiche Operationen erlaubt.

Die einfachen Arbeitsschritte (siehe Kasten „Grundlagen“) gehen dabei leicht von der Hand. Mit etwas Know-how schöpfen Sie zudem das komplette Potenzial der Tools aus und erledigen so schnell und komfortabel selbst komplexe Aufgaben.

Grundlagen

Teil 1 des Workshops [1] zeigte, wie sich Apt und Aptitude in die verschiedenen Ebenen der Debian-Paketverwaltung einordnen, und stellte die recht ähnlichen Optionen und Parameter beider Programme mit ihren jeweiligen Feinheiten gegenüber.

In diesem Teil stehen die Möglichkeiten zur Konfiguration und insbesondere deren effektiver Einsatz im Fokus. Apt punktet dabei mit Geschwindigkeit; Aptitude glänzt bei Installation und Entfernen von Paketen in einem Schritt sowie der geschickten Auswahl von Paketen über Suchmuster.

Standard-Einstellungen

Apt und Aptitude erhalten in der Regel durch die Maintainer der Distributionen eine grundlegende Konfiguration. Diese spielte sich in der Vergangenheit in zwei Dateien im Verzeichnis /etc/apt ab. So regelt /etc/apt/apt.conf das Verhalten von Apt und Aptitude systemweit [2], die Datei /etc/apt/preferences legt Prioritäten für Pakete und Paketgruppen fest. Beide Dateien gelten auf aktuellen Systemen als optional.

Mit der Zeit modularisierten die Entwickler die Konfiguration des Apt-Systems Stück für Stück. Seit 2001 verteilten sie die Konfigurationsdateien auf zwei separate Verzeichnisse, die jeweils den selben Namen tragen wie die früheren Dateien, gefolgt von einem .d [3].

Auf /etc/apt/apt.conf.d/ folgten 2009 mit Version 0.7.22 der Software – also zwischen 0.7.20.2 (in „Lenny“) und 0.8.10.3 (in „Squeeze“) – /etc/apt/preferences.d/ und 2010 /etc/apt/trusted.gpg.d/. Diese Verzeichnisse sollen der weiteren Priorisierung von Paketen und Paketgruppen dienen sowie zusätzliche Schlüsselring-Dateien aufnehmen, wie die GPG-Schlüssel zum Verifizieren von Backports.

Diese Konstruktion ermöglicht den Maintainern von Software, durch eigene Konfigurationsdateien sicherzustellen, dass vor oder nach der Installation der Programme durch Apt oder Aptitude zusätzliche Vorgänge ablaufen. Alle Programme, die auf Apt aufbauen, nutzen die Dateien unter /etc/apt/ und verwenden ein identisches Dateiformat, das an Run-parts [4] erinnert. Dateien in diesen Verzeichnissen müssen bestimmten Namenskonventionen folgen. So ignoriert Apt Dateien in /etc/apt/sources.list.d/, denen die Endung .list fehlt.

Zusätzlich legen einige Programme (insbesondere Aptitude) Konfigurationsdateien an weiteren Stellen ab. So speichert Aptitude unter /usr/share/aptitude/aptitude-defaults seine eigenen systemweiten Voreinstellungen, die Apt ignoriert [5].

Ändern Sie Einstellungen in der Curses-basierten Oberfläche von Aptitude, so landen diese Parameter in der Datei .aptitude/config in Ihrem Home-Verzeichnis und gelten nur für Sie. Um die Änderungen systemweit einzustellen, übertragen Sie die Inhalte als Benutzer root von .aptitude/config nach /etc/apt/apt.conf oder in eine neue Datei im Verzeichnis /etc/apt/apt.conf.d/.

Nach einer Standardinstallation von CD oder DVD existieren in /etc/apt/apt.conf.d/ vier Dateien, deren Namen mit einer zweistelligen Ziffernfolge beginnen (siehe Tabelle „Dateien zur Apt-Konfiguration“). Apt arbeitet diese in aufsteigender Reihenfolge durch [6], wobei die Ziffern am Anfang des Namens zum Sortieren dienen. Der Rest des Dateinamens lässt sich frei wählen, entspricht aber in der Regel dem Namen des Pakets, aus dem die Datei stammt.

Dateien zur Apt-Konfiguration

Datei Angelegt von Funktion
00trustcdrom Installation Liste vertrauenswürdiger Quellen
01autoremove Paket apt Liste der Pakete, mit Auskunft, ob das System diese automatisch entfernen darf
50unattended-upgrades Paket unattended-upgrades Liste der Pakete, die das System eigenständig aktualisieren darf
70debconf Paket debconf Informationen über die Aktionen vor und nach der Installation eines Pakets mit DPKG, die verwendete Version (Debian-Release), die Größe des Paket-Cache sowie die Reaktionszeit einer Paketquelle

Apt ignoriert Dateien, deren Namen auf .disabled oder eine Tilde (~) enden. Bei Letzteren handelt es sich um Backup-Dateien von Editoren. Ändert Dpkg Konfigurationsdateien, so legt es ebenfalls Kopien an, die das Verhalten von Apt jedoch nicht beeinflussen.

Mit welcher Konfiguration Apt und Aptitude tatsächlich agieren, erfahren Sie mit Hilfe des Programms apt-config aus dem Apt-Paket. Rufen Sie es mit der Option dump auf, dann erhalten Sie eine vollständige Übersicht aller gesetzten Werte (Abbildung 1). Möchten Sie die Konfiguration ergänzen, fügen Sie am besten ein passendes Fragment im Verzeichnis /etc/apt/apt.conf.d/ hinzu.

Abbildung 1: Mithilfe des Kommandos <code>apt-config</code> sehen Sie die aktuellen Voreinstellungen im Überblick.
Abbildung 1: Mithilfe des Kommandos apt-config sehen Sie die aktuellen Voreinstellungen im Überblick.

Auf Einzelplatzsystemen können Sie in aller Regel auf das Anpassen der Apt-Konfiguration verzichten. Interessant wird es, wenn Sie trotz Vorliegens aktuellerer Pakete einen bestehenden Software-Stand beibehalten wollen oder bestimmte Pakete von der Installation ausschließen möchten. Ähnliches gilt für die automatische Installation empfohlener Pakete oder den Fall, dass der Netzzugang nur über einen Proxy-Server funktioniert [7],[8],[9].

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