Aus LinuxUser 05/2013

Android-Geräte unter Linux als Grafiktablett verwenden

© Sergey Nivens, 123RF

Freihand

Brauchen Sie nur gelegentlich ein Grafiktablett, müssen Sie sich nicht extra eines kaufen: Mit der passenden App nutzen Sie stattdessen ein Smartphone oder Tablet mit Android als solches.

Grafiktabletts eignen sich für alle kreativen Köpfe als probates Mittel, direkt auf dem PC zu zeichnen. Ohne die Skizzen erst mit einem Stift auf Papier zu erstellen und anschließend zu digitalisieren erscheinen sie Strich für Strich im Zeichenprogramm. Solche Hardware besitzt allerdings nicht jeder Privatmann. Jedoch haben immer mehr Anwender neben einem PC auch ein Android-Tablet zu Hause.

Inzwischen bieten einige Hersteller, etwa Samsung, diese auch mit einem Eingabestift aus, der zusätzlich verschiedene Druckstärken unterstützt. Bei diesen guten Voraussetzungen liegt der Gedanken nahe, das Gerät zu einem Grafiktablett umzufunktionieren. Diese Überlegung motivierte den Entwickler Richard Hirner, der die Idee auch gleich in funktionierende freie Software umsetzte.

Installation

Um GfxTablet auf dem PC zu nutzen, benötigen Sie zwei Bestandteile: Zum einen müssen Sie die kostenlose Android-App GfxTablet [1] aus dem Google Play Store auf dem Smartphone oder Tablet installieren, was mindestens Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ voraussetzt. In der App fertigen sie Ihre Skizzen an. Zum anderen gilt es auf dem PC einen passenden Treiber einzurichten, der die Eingabedaten des Android-Geräts empfängt und an das gewünschte Grafikprogramm übermittelt.

Den finden Sie auf der Webseite des GfxTablet-Projekts [2], zusammen mit allen notwendigen Informationen und Downloads, um direkt loszulegen. Als erstes sollten Sie prüfen, ob alle erforderlichen Voraussetzungen vorliegen. So setzt die Software auf dem PC ein aktuelles Linux-System mit dem Kernel-Modul uinput voraus. Aktuelle Distributionen, wie etwa Ubuntu 12.10 oder Fedora 18, bringen es aber in der Regel bereits mit.

Der Eingabetreiber [3] für Linux liegt bereits als Binärdatei networktablet vor. Sie laden diese herunter und gewähren Sie ihr Ausführrechte, entweder auf der Kommandozeile mittels chmod a+x networktablet oder über einen Dateimanager. Danach führen Sie die Datei mit Root-Rechten im Terminal aus. Hat alles funktioniert, dann listet das Kommando xinput list alle erkannten Eingabegeräte auf, unter anderem auch ein sogenanntes Network Tablet (Abbildung 1). Damit ist die Einrichtung auf der PC-Seite abgeschlossen.

Abbildung 1: Hat das Einrichten des Eingabetreiber funktioniert, dann zeigt das Befehlszeilenkommando <code>xinput list</code> den Eintrag <code>Network Tablet</code> an.
Abbildung 1: Hat das Einrichten des Eingabetreiber funktioniert, dann zeigt das Befehlszeilenkommando xinput list den Eintrag Network Tablet an.

Um eine Verbindung zwischen dem Desktop-Rechner und dem Smartphone respektive Tablet (wir gehen im Folgenden von Letzterem aus) herzustellen, müssen sich die Geräte im selben Netzwerk befinden. Melden sich beide über den selben Router am WLAN an, ist das normalerweise ohnehin der Fall.

Es empfiehlt sich, zuerst die Eingabetreiber zu installieren und erst dann die App auf dem Tablet zu öffnen, um die notwendigen Einstellungen vorzunehmen: Nun skaliert die App die Geräte-Auflösung direkt auf die des Desktop-Bildschirms.

In Gimp verwenden

Nach der Installation öffnen Sie die App und wechseln als erstes in den Menüpunkt Settings | Networking | Network host. Dort geben Sie die IP-Adresse des Desktop-Rechners ein, auf dem Sie den Eingabetreiber installiert haben. Am einfachsten ermitteln Sie die IP-Adresse lokal mit dem Befehl ifconfig oder in der allgemeinen Übersicht aller angemeldeten Netzwerkgeräte an ihrem Router.

Sofern Sie ein Tablet mit Eingabestift besitzen, sollten Sie im Abschnitt Drawing die Option Sense stylus only aktivieren. Das unterbindet ungewollte Zeichnungen durch die Handflächen, da die App dann nur auf Eingaben durch den Eingabestift reagiert.

Nach dem Herstellen der Verbindung mit dem PC klicken Sie oben links in der App auf das Icon Settings, um den Einstellungsmodus zu verlassen. Jetzt können Sie das Tablet als Eingabegerät für verschiedene Linux-Programme nutzen. In Grafikprogrammen wie etwa Gimp müssen Sie dazu lediglich die entsprechenden Einstellungen treffen. Zu diesem Zweck stellen Sie in Gimp über das Menü Bearbeiten | Eingabegeräte den Eingabe-Modus auf Bildschirm (Abbildung 2).

Abbildung 2: Verwenden Sie das Tablet als Eingabegerät in Gimp, müssen sie den Eingabe-<code>Modus</code> auf <code>Bildschirm</code> umstellen.
Abbildung 2: Verwenden Sie das Tablet als Eingabegerät in Gimp, müssen sie den Eingabe-Modus auf Bildschirm umstellen.

Nun können Sie direkt mit dem Zeichnen beginnen. Im Test funktionierte das Übertragen der Bildsignale ohne merkbare Verzögerung. Der Eingabestift ermöglicht, je nach Auslegung des Tablets bis zu 10?000 unterschiedliche Druckempfindlichkeitsstufen zu verwenden, so etwa auf den beliebten Galaxy-Note-Geräten. Prinzipiell klappt aber auch die Eingabe per Finger problemlos. Allerdings ist dieser Weg weniger komfortabel und eignet sich für professionelle Ansprüche nicht.

Möchten Sie sich vorab ein genaueres Bild von den Fähigkeiten von GfxTablet machen, dann sehen Sie sich das YouTube-Video der Entwickler an, das alle Funktionen eingängig präsentiert [4].

Fazit

Zwar kann GfxTablet kein hochwertiges, professionell eingesetztes Grafiktablett der renommierten Hersteller ersetzen, doch bietet das Programm eine hilfreiche und gut funktionierende Alternative. Da sowohl die App als auch die Eingabetreiber als Open-Source-Software unter der MIT-Lizenz stehen, könnten die Abwendung in absehbarer Zeit neben Linux auch noch andere Betriebssysteme unterstützen. 

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