Aus LinuxUser 03/2013

Virtuelle Desktops im Webbrowser mit Phpvirtualbox (Seite 2)

Die Performance liegt auf ähnlichem Niveau wie beim Anzeigen der virtuellen Desktops im nativen Virtual-Machine-Manager von Virtualbox unter KDE/Qt. Ähnliche Performance bietet lediglich KVM/Virt-Manager beim Verwenden des Spice-Protokolls, das auch im Tool Gnome Boxes [2] zum Einsatz kommt.

Startklar

Phpvirtualbox ist der grafischen Oberfläche von Virtualbox exakt nachempfunden und lässt sich dank Ajax-Funktionalität mit wenigen Ausnahmen ebenso bedienen wie die native GUI. Beim Herunterladen der als Zip-Archiv bereit stehenden PHP-Software gilt es allerdings darauf zu achten, dass Sie die richtige Version auswählen [3].

Für alle aktuellen Versionen von Virtualbox ab 4.2 aufwärts wählen Sie die Version 4.2-4 von Phpvirtualbox. Da es sich um PHP-Code handelt, beschränkt sich die Installation darauf, das heruntergeladene Zip-Archiv mit Ark oder einem Archivmanager der Wahl ins Documentroot des Webservers auf dem Server zu entpacken.

Wer lieber zur Kommandozeile greift, verwendet die Befehle aus Listing 1. Mit diesen entpacken Sie die Software zuerst im Home-Verzeichnis und verschieben anschließend das entpackte Verzeichnis mit Root-Rechten ins Verzeichnis phpvirtualbox/ im Documentroot des Webservers.

Listing 1

$ unzip -q phpvirtualbox-4.2.2.zip
$ sudo mv ~/phpvirtualbox-4.2-4/ /var/www/phpvirtualbox

Der Betrieb von Phpvirtualbox setzt einen Webserver mit PHP-Unterstützung voraus. Bei Fedora, Red Hat und deren Derivaten installieren Sie dazu das Paket httpd; bei Ubuntu und OpenSuse apache2. Für den automatischen Start des Webservers sorgt bei Ubuntu sudo update-rc.d apache2 defaults, Fedora-Nutzer verwenden systemctl enable httpd.service, OpenSuse-Nutzer chkconfig -a apache2.

Das PHP-Modul für den Apache Webserver lagert bei auf Fedora basierenden Distributionen im Paket php. Ubuntu- und OpenSuse-Anwender installieren zusätzlich das Paket libapache2-mod-php5, gefolgt von einem Neustart des Apachen mit service apache2 restart. Fedora-Anwender und Nutzer anderer Systemd-basierter Distributionen verwenden dazu systemctl restart httpd.service. Haben Sie den Apache-Webserver und das PHP-Modul installiert, aktivieren Sie mit a2endmod php5 das Modul. Ubuntu-Nutzer stellen lediglich ein sudo voran.

TIPP

Mit sudo apache2 -t -D DUMP_MODULES oder httpd -t D DUMP_MODULES bei Red Hat und Fedora stellen Sie leicht fest, ob Apache bereits mit PHP-Unterstützung läuft.

Konfiguration

Bevor Sie Phpvirtualbox zum ersten Mal im Browser aufrufen, gilt es zwei Konfigurationsdateien zu bearbeiten. Eine betrifft das Virtualbox-Modul Vboxwebsrv, die andere Phpvirtualbox selbst. So entnimmt Virtualbox in den Standard-Einstellung der Konfiguration-Datei /etc /default/virtualbox mit dem Eintrag VBOXWEB_USER=User, unter welchen Benutzerkonto mitsamt dem zugehörigen Kontext die Software läuft. Per Default ist das der Nutzer vbox, den Virtualbox bei der Installation anlegt. Der sollte übrigens auch zwingend der Gruppe vboxusers angehören (Abbildung 2), damit Virtualbox ohne Einschränkungen seinen Dienst tut und beispielsweise Zugriff auf USB-Geräte bietet.

Abbildung 2: Phpvirtualbox muss das Benutzerkonto kennen, unter dem Virtualbox läuft.
Abbildung 2: Phpvirtualbox muss das Benutzerkonto kennen, unter dem Virtualbox läuft.

Mit dem Default-Nutzer vbox und der Default-Gruppe vboxusers sollte es keine Probleme geben. Beim Einsatz von Virtualbox auf einem Server empfiehlt es sich jedoch, für den Virtualbox-Betrieb einen Nutzer ohne eigene Login-Shell vorzusehen, den Sie mit den Werkzeugen der Distribution anlegen und der Gruppe vboxusers hinzufügen. Via Kommandozeile erledigt das der folgende Befehl:

# useradd -G vboxusers -s /bin/false User

Das empfiehlt sich deshalb, weil Sie in der Konfiguration von Phpvirtualbox (/var/www/phpvirtualbox/config.php) auf den gleichen Benutzer verweisen müssen. Dessen Passwort steht in der Datei aber im Klartext (Listing 2).

Listing 2

var $username = 'vbox';
var $password = 'pass';
var $location = 'http://localhost:18083/';

Damit sollte ein erster Zugriff auf das Interface von Phpvirtualbox möglich sein, sofern Virtualbox auf dem Server im Webserver-Modus läuft. Dazu starten Sie wie oben erwähnt Vboxwebsrv. Sie finden alle wichtigen Binaries des kompletten Virtualbox-Paketes unter /usr/lib/virtualbox. Für einen ersten Test oder gelegentlichen Gebrauch rufen Sie den Server /usr/lib/virtualbox/vboxwebsrv einfach direkt auf.

Da /usr/lib/virtualbox zusätzlich via Symlink in /usr/bin liegt, brauchen Sie den absoluten Pfad nicht anzugeben. Eleganter klappt es allerdings, indem Sie das mitgelieferte Init-Skript für Vboxwebsrv verwenden, das Virtualbox beim Installieren unter /etc/init.d/vboxweb-service anlegt. Sie rufen damit Vboxwebsrv komfortabel mit den Optionen start, stop oder restart auf.

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