Aus LinuxUser 03/2013

Anonymes Surfen im Internet mit Tails

© Medialinx AG

Inkognito

Eine Distribution abzuschotten, bedeutet viel Konfiguration. Die Distribution Tails nimmt Ihnen Arbeit ab und ermöglicht das sichere Surfen aus einem Live-System.

Viele Technologien zum Verschlüsseln von Daten basieren auf freien Programmen und Algorithmen. Linux-Systeme bringen solche Technologien zwar von Haus aus mit, aber das Zusammenstellen eines richtig abgesicherten Systems erfordert neben Sachkenntnis viel Zeit für die Konfiguration. Etwas einfacher und schneller geht es mit der recht jungen irische Live-Distribution Tails („The Amnesic Incognito Live System“).

Nur im Live-Modus

Das etwa 850 MByte große ISO-Image erhalten Sie im Web [1] oder bei der Media-Edition dieser Ausgabe über den beiliegenden Datenträger. Das Debian-Derivat bootet etwas gemächlich im Live-Betrieb in einen unscheinbaren Desktop auf Basis von Gnome 2.30.2; anschließend startet der Webbrowser Iceweasel. Wenn möglich, verbindet sich die Distribution sofort über des Anonymisierungsnetzwerks Tor mit dem Internet und gibt eine entsprechende Meldung auf dem Bildschirm aus (Abbildung 1).

Um den Einsatz von Tor etwas weniger abstrakt zu gestalten, haben die Entwickler von Tails zusätzlich das grafische Tool Vidalia integriert. Sie finden es im Menü Anwendungen | Internet. Zusätzlich zeigt der Systemabschnitt der oberen Gnome-Panelleiste nach dem Start des Betriebssystems das Symbol des Vidalia Control Panel an, eine stilisierte Zwiebel.

Ein Klick auf dieses Symbol öffnet ein Fenster, in dem Sie den Status des Internetzugangs sehen. Zusätzlich verschaffen Sie sich in diesem Fenster durch einen Klick auf die entsprechenden Schaltflächen einen Überblick über die Bandbreite des Zugangs sowie über den Weg der Datenpakete über die weltweit angesiedelten Tor-Knoten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Rechner mit den Tor-Knoten sind weltweit angesiedelt.
Abbildung 1: Rechner mit den Tor-Knoten sind weltweit angesiedelt.

Abgehärtet

Das Tor-Netzwerk leitet die Datenpakete durch unzählige Knotenrechner und sorgt so dafür, dass es nicht mehr möglich ist, sie zu Ihnen zurück zu verfolgen. Doch damit nicht genug: Den Webbrowser Iceweasel als zentrales Instrument zum Surfen im Internet härteten die Entwickler zusätzlich durch eine stattliche Anzahl von Addons: So sind Werbeblocker, Cookie-Manager und Tools zur Verwalten von Javascript bereits vorinstalliert.

Zusätzlich steht ein Addon zum Validieren von X.509-Zertifikaten, ein Proxy-Dienst sowie Tools zum Verschlüsseln bereit. Es fehlt allerdings ein dediziertes Programm zum Blocken von Webbugs, Tracking-Scripts und Zählpixeln [2], wobei die bereits installierten Addons diese Funktion teilweise übernehmen.

Neben dem Webbrowser gehören Mailclients sowie Instant-Messaging-Dienste zu den beliebtesten Anwendungen am Rechner. Da bei ihrem Einsatz ungebetene Lauscher meist leichtes Spiel haben, bietet Tails die Option, direkt aus dem Client oder einem Texteditor heraus Daten mithilfe von OpenPGP zu verschlüsseln und zu signieren.

Um die Instant-Messaging-Konversation zu schützen, kommt OTR zum Einsatz, das ebenfalls ein Verschlüsseln mit starker Kryptographie ermöglicht. Als Mailclient dient das eher unbekannte Claws Mail in Version 3.7.6, als Messaging-Client Pidgin 2.7.3. Letzteres ist bereits mit Plugins vorkonfiguriert, die eine sichere Kommunikation ermöglichen.

Eine weitere Besonderheit von Tails, der Editor Gobby [3], verbirgt sich im Menü Anwendungen | Internet. Der kollaborative Texteditor gestattet das simultane Arbeiten von mehreren Teilnehmern an einem Text. Selbst mehrere gleichzeitig geöffnete Sitzungen stellen das Programm vor keine Probleme. Gobby basiert auf dem Client/Server-Prinzip und erlaubt zusätzlich die Kommunikation der Bearbeiter untereinander. Gobby ist in Tails gleich in zwei Versionen vorhanden.

Um Tails nicht nur als sicheren Zugang zum Internet fit zu machen, liegt die unter Linux üblicherweise vorhandene große Anzahl an gängigen Programmen ebenfalls bei: Neben OpenOffice in Version 3.2.1 finden sich im Fundus unter anderem Gimp 2.6.10 als Bildbearbeitung, das DTP-Programm Scribus in Version 1.3.5, der Audioeditor Audacity 1.3.12 sowie zahlreiche kleinere Tools aus dem Lieferumfang des Gnome-Desktops. Daher lässt sich Tails als abgesicherten Allrounder für die täglich anfallenden Aufgaben verwenden.

Alternative Startmedien

Subnotebooks, Ultrabooks und Netbooks verfügen meist nicht über interne optische Laufwerke. Das bedeutet, dass Sie Tails auf diesen Geräten in der DVD-Version nur von einem externen Laufwerk starten können. Das Betriebssystem bietet jedoch die Möglichkeit, aus dem laufenden Betrieb von DVD einen bootfähigen USB-Stick anzulegen. Sie rufen dazu im Menü Anwendungen | Werkzeuge oder im Menü Anwendungen | Tails den Eintrag Tails USB Installer auf.

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 2 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
KAUFEN
LinuxUser 03/2013 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: