Aus LinuxUser 03/2013

2D-Animationsprogramme im Überblick

Einfach bewegt

Mit der richtigen Software und etwas Zeichentalent haben selbst Einsteiger kein Problem, ansprechende 2D-Animationsfilme zu erstellen.

Trotz des Hypes um Filme wie Toy Story oder Shrek gibt es immer noch unzählige Anhänger von konventionellen Zeichentrickanimationen. Nicht weniger begehrt ist das Selberzeichnen. Im analogen Zeitalter musste der Künstler dafür noch für jeden Frame seinen Bleistift zücken und das Bild nochmals komplett neu malen. Daumenkinos liefen nach demselben Schema ab: Eine Sekunde Geschichte benötigte um die 30 handgezeichnete Bilder. Selbst wenn der Protagonist nur seine Hand bewegte, musste der Zeichner ihn etliche Male auf das Papier bannen, um eine fließend wirkende Animation hinzubekommen. Doch im digitalen Zeitalter klappt das natürlich auch einfacher.

KTooN

Im Jahr 2002 hatten zwei Kolumbianer die Idee, sich mit einer Open-Source-Software ihre tägliche Arbeit als Animatoren zu erleichtern: KTooN war geboren. Gesponsert von öffentlichen Einrichtungen schritt die Entwicklung bis 2006 voran. Als dann kein neuer Geldgeber in Sicht war, mussten die Initiatoren das Projekt bis 2009 auf Eis legen. Danach verwirklichten die Macher ein Redesign der Software, sodass 2010 das neue stabile Release erschien. Seitdem scheint das Projekt allerdings wieder in einem Dornröschenschlaf zu schlummern: In den letzten 3 Jahren veröffentlichten die Macher weder neue Codeteile, noch aktualisierten sie ihre Projekt-Homepage [1].

KTooN kommt in den offiziellen Paketquellen von neuen Versionen diverser Distributionen oft nicht mehr vor. Auf der Projekt-Homepage finden Sie jedoch eine Anleitung [2], mit deren Hilfe Sie die Quellcodes problemlos selbst kompilieren. Der Einstieg in das Programm gestaltet sich unter Umständen schwierig, da der beim Programmstart angezeigte Tip of the day aufgrund eines Bugs auch mal leer bleibt (Abbildung 1). Das betrifft auch die so genannten Tooltips.

Abbildung 1: Kein Anschluss unter dieser Nummer: Anstelle der Tagestipps zeigt KToon lediglich ein leeres Fenster.
Abbildung 1: Kein Anschluss unter dieser Nummer: Anstelle der Tagestipps zeigt KToon lediglich ein leeres Fenster.

Auf ihrer Homepage bieten die Entwickler eine Kurz-Anleitung sowie ein Mini-Tutorial an, welche jedoch beide augenscheinlich nicht den aktuellen Stand widerspeigeln. Von der Kurzanleitung liegen nur Fragmente in Englisch vor; der essenzielle Teil, der den Aufbau und die Komponenten des Programms beschreibt, wurde nie aus dem Spanischen übersetzt. Darüber hinaus zeigen alle Screenshots in der englischen Übersetzung spanische Masken.

Die Grundlagen der Software finden Sie zwar schon nach kurzem Herumprobieren selbst heraus; ein intuitiver und zeitsparenderer Einstieg wäre jedoch benutzerfreundlicher. Generell sollten Sie das Projekt regelmäßig speichern, da es vorkommt, dass die Software sich ohne Vorwarnung schließt.

Das Erstellen einer Animation läuft bei KTooN in mehreren kleinen Schritten ab: Ein einfaches Projekt besteht beispielsweise aus einem vom Nutzer gezeichneten Pfad, an dem sich später ein Objekt entlang bewegt. Nach dem Pfad kommt das Objekt an der Reihe, das Sie für jeden Frame neu zeichnen, um darzustellen, wie es sich im Laufe der Bewegung verändert. Dieser arbeitsintensive Schritt lässt sich nicht verhindern, da das Programm kein Tweening beherrscht. Die fertige Animation speichern Sie abschließend in verschiedenen Videoformaten ab.

KTooN enthält ein Illustrations- sowie ein Animationsmodul. Ersteres erlaubt das Zeichnen der einzelnen Frames ähnlich wie in einem Vektorgrafikprogramm, das zweite stößt den Renderprozess des vorher entworfenen Films an. Objekte, die Sie zu einem späteren Zeitpunkt wiederverwenden möchten, speichern Sie in einer separaten „Objects Library“ ab. Ein weiteres Modul importiert Fotos und hilft dabei, aus diesen einfache Stop-Motion-Filme zu generieren.

KTooN – Fazit

Obwohl von Fachleuten aus dem Genre entwickelt, kann KTooN nicht überzeugen. Das fängt bei der lückenhaften Dokumentation an, die zum Teil entweder nicht übersetzt oder nicht mehr zutreffend ist, und setzt sich beim wenig hilfreichen Hilfesystem fort. Letzteres zeigt sich ebenso fehlerbehaftet wie andere Teile des Programms.

Tupi

Ein ehemaliger Mitentwickler von KTooN startete 2010 einen Fork des Projekts, den er seitdem unter dem Namen Tupi [3] eigenständig weiterentwickelt. Entstanden aus Unzufriedenheit über den offensichtlichen Stillstand von KTooN, sollte die neue Entwicklungslinie komplett eigene Wege gehen. Das heißt: selbst wenn KTooN irgendwann wieder aufleben sollte, möchten die Entwickler von Tupi an ihrer eigenen Roadmap und den eigenen Zielen festhalten.

Zur Installation stehen für Ubuntu-Nutzer inoffizielle Pakete auf Launchpad.net [4] bereit. Alternativ übersetzen Sie den Quellcode selbst, wobei die Anleitung hierzu [5] nicht nur zufällig jener des ursprünglichen Projekts ähnelt. Auch wenn die Programmierer für Ihre Software zukünftig eine komplett eigenständige Entwicklungsrichtung vorsehen, lässt sich Tupis Abstammung von KTooN nicht leugnen.

Ob der Aufbau der Homepage, die Bedienung des Programms, oder die Bedienungsanleitung: All erscheint spätestens auf den zweiten Blick sehr vertraut. Glücklicherweise ist Tupi aber auch anzusehen, dass zwei Jahre zusätzliche Entwicklung in ihm stecken. Abgesehen von seltenen Programmabstürzen traten für KTooN typischen Fehler im Testbetrieb nicht auf.

Der offizielle Tupi-Tutorial-Kanal der Entwickler bei Youtube [6] enthält derzeit nur Anleitungen in spanischer Sprache. Dafür übersetzten die Macher das Online-Manual komplett ins Englische, Teile des Programms liegen sogar in Deutsch vor (Abbildung 2).

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