Aus LinuxUser 02/2013

E-Books erstellen und bearbeiten mit Sigil

© CSschmuck, Fotolia

Selbstverlag

Möchten Sie E-Books im freien EPUB-Format nicht nur konsumieren, sondern auch selbst erstellen, dann empfiehlt sich ein Blick auf den komfortablen und vielseitigen Editor Sigil.

Man muss sie nicht mögen, aber E-Books sind aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Normalerweise kauft man die digitalen Schmöker als fertige Produkte, die sich dann nicht mehr verändern lassen. Zwar darf man Anmerkungen anbringen und Lesezeichen setzen – aber E-Books selbst schreiben? Der freie E-Book-Editor Sigil [1] erlaubt genau das. Anfang Dezember erschien die Version 0.6.2 dieser bemerkenswerten Software.

Sigil einrichten

Nicht alle aktuellen Distributionen führen Sigil bereits in ihren Repositories. Es gibt jedoch Pakete für Arch Linux, Fedora, Gentoo, OpenSuse, Slackware und einige weitere Distributionen [7]. Unter Ubuntu und dessen Derivaten richten Sie Sigil über ein PPA ein [8]. Daneben gibt es auch Installationsdateien für Mac OS X und 32/64-Bit-Windows. Zum Übersetzen des Quellcodes benötigen Sie Cmake, als Abhängigkeiten setzt Sigil Qt4 sowie Support für XML, SVG und WebKit voraus.

Das EPUB-Format

Neben proprietären Formaten für E-Books, wie beispielsweise Amazon sie nutzt, ist das als offener Standard veröffentlichte [2] EPUB („Electronic Publication“) weit verbreitet. Es basiert im Wesentlichen auf einer Reihe weiterer offener Standards und nutzt einen ZIP-Container für die formatierten Inhalte (Abbildung 1). Die Struktur der Inhalte bilden XML, XHTML und CSS-Sheets ab. Von diesen Standards lässt EPUB nur Teile zu, was die Gestaltung zwar einschränkt, aber auch vereinfacht.

Texte dürfen dabei UTF-8- oder UTF-16-codiert vorliegen, die Auszeichnungen erfolgen mit XHTML-Tags und um die Formatierungsdetails kümmern sich CSS-Sheets. Die Quelltexte lassen sich der besseren Übersichtlichkeit halber auf mehrere Eingabedateien verteilen (die normalerweise alle die Endung .xhtml erhalten) und dann zu einem E-Book zusammenbinden.

Neben dem eigentlichen Inhalt des Dokuments gehören diverse Metadaten zu einem E-Book. Eine genaue Beschreibung der Struktur eines E-Books liefert das Open Packaging Format OPF. Es schreibt beispielsweise vor, dass Metadaten in einer Datei mit der Erweiterung .opf liegen müssen. In dieser Datei listet ein sogenanntes Manifest (ein Abschnitt dieser XML-Datei) alle zum E-Book gehörenden Dateien auf.

Ein minimales Inhaltsverzeichnis findet sich unter spine, toc verweist auf eine ausführlichere Version in einer externen Datei. Die Datei mit dem ausführlichen Inhaltsverzeichnis trägt normalerweise den Namen toc.ncx. Die Endung .ncx kennzeichnet eine „Navigationsdatei“ im XML-Format. Aus ihr heraus lassen sich Abschnitte und Unterabschnitte im E-Book direkt anspringen.

Die weiteren Metadaten des E-Books lagern im Verzeichnis META-INF/. Das Verzeichnis OEBPS enthält den eigentlichen Inhalt des E-Books, also formatierte Texte, Bilder und die zur Formatierung genutzten Vorlagen.

Sigil

Der EPUB-Editor Sigil gibt sich schlicht: Ohne ein geladenes Dokument startet Sigil mit einem großem Fenster zur Eingabe von Text, Code und Bildern. Sie können nun direkt mit den Eingaben für ein neues Dokument beginnen. Sigil erinnert hierbei an eine Kreuzung aus Textverarbeitung und HTML-Editor. Wenn Sie den Mauszeiger über einem Schalter in den beiden gut bestückten Werkzeugleisten stehen lassen, erhalten sie eine Kurzhilfe zur jeweiligen Funktion.

Für das Eingeben und Bearbeiten bestehender EPUB-Dokumente bietet Ihnen Sigil zwei unterschiedliche Modi an: Voreingestellt aktiviert das Programm analog zur klassischen Textbearbeitung einen WYSIWYG-Modus. Für komplexere Aufgaben oder zur Fehlerbehebung können Sie aber auch in die Quelltextansicht wechseln (Abbildung 1). Hier finden Sie alle (XHTML-)Tags im Dokument und können sie gezielter als in der WYSIWYG-Darstellung auswählen.

Abbildung 1: Die Quelltextansicht von Sigil erlaubt exakte Manipulationen am EPUB-Dokument vorzunehmen.
Abbildung 1: Die Quelltextansicht von Sigil erlaubt exakte Manipulationen am EPUB-Dokument vorzunehmen.

Neben der direkten Eingabe von Texten erlaubt Sigil auch, HTML- oder Klartextdateien (.TXT) sowie EPUB-Container in ein bestehendes EPUB-Dokument zu importieren. In der Praxis bedeutet das, dass Sie den Editor von Sigil nicht unbedingt nutzen müssen, aber können. Die anderen Komponenten des Programms stehen Ihnen aber immer noch zur Verfügung.

Schreiben mit Sigil

Natürlich können Sie den Editor von Sigil zum Schreiben Ihrer E-Books verwenden. Dagegen spricht allerdings zweierlei: Zum einen müssen Sie sich an eine neue Software gewöhnen. Das spielt gerade beim Schreiben von Texten eine relativ große Rolle, denn das Schreibprogramm soll den Fluss der Gedanken ja möglichst nicht hemmen. Zum anderen verführt die WYSIWYG-Fähigkeit von Sigil zu einem ausufernden Markup. Ein inflationärer Einsatz von Formatierungen erschwert dem Leser nicht nur das Aufnehmen des Texts, sondern verringert auch die Signalwirkung einer Auszeichnung.

Daher erstellen Sie den Text besser mit dem gewohnten Schreibwerkzeug, etwa mit LibreOffice. Anschließend kommt Sigil dann als Formatierungswerkzeug für die Auszeichnungen sowie für die Layout- und Syntax-Kontrolle zum Einsatz. In dieser Phase können Sie auch Hyperlinks als Verweise für Ihr Dokument setzen. Falls Sie Libre- oder OpenOffice verwenden, steht Ihnen mit Writer2epub [3] sogar ein Plugin für das direkte Konvertieren nach EPUB zur Verfügung. Aber auch hier sollten Sie mit Sigil die Ergebnisse kontrollieren und gegebenenfalls korrigieren. Formatierungen lassen sich erhalten, wenn Sie zum Speichern HTML oder besser gleich EPUB verwenden.

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