Aus LinuxUser 12/2012

Neun Desktops in einer Distribution (Seite 2)

Die meist kleinen Programme, die vor allem bei den Arbeitsoberflächen KDE und Gnome zum regulären Lieferumfang gehören, stehen dank sorgfältiger Implementation der entsprechenden Bibliotheken nahezu durchgängig unter allen Desktops in den zugehörigen Programmgruppen bereit. Das eröffnet die Möglichkeit, typische KDE-Programme unter XFCE nutzen, ohne diese komplett nachzuziehen. Sie finden daher bereits ab Werk in allen Programmgruppen eine Fülle von Applikationen, trotz der auf der DVD lediglich belegten 1,6 GByte Speicherplatz.

Optisches

Die einzelnen Desktops bieten bereits eine recht ansprechende Optik. Darüber hinaus erlaubt es das Hy-Menü, durch Anklicken der Schaltfläche Options zusätzliche Hingucker wie Conky, den Cairo-Desktop oder auch transparente Fenster zu aktivieren. Zusätzlich Themes runden bei Bedarf das Erscheinungsbild nach Wunsch ab.

Im Test zeigten diese Optionen jedoch in einigen Kombinationen ernsthafte Probleme: So ist nicht jede Option auf allen Desktops sinnvoll, und einige visuelle Gimmicks stellen erhöhte Anforderungen an die Hardware. Manche Effekte erfordern eine OpenGL-Unterstützung durch die Hardware, die ältere Grafikkarten nicht bieten.

Hybryde Linux gibt in solchen Fällen einen entsprechenden Hinweis aus und schaltet in einen Fallback-Modus zurück, ohne die entsprechenden Effekte zu aktivieren. Eine Ausnahme bildet auch hier wieder Enlightenment E17: Der Desktop bietet von Haus aus bereits sehr umfangreiche visuelle Effekte, die geschickt in Software implementiert sind und keiner gesonderten Hardware-Unterstützung mehr bedürfen.

In der Praxis

Im Test auf mehreren Rechnern unterschiedlicher Hardware-Generationen zeigte die Distribution einige Schwächen, die jedoch – abgesehen von der noch etwas unvollständigen Sprachunterstützung des jungen Projektes – allesamt auf die Basis Ubuntu zurückzuführen waren. Hier schlägt insbesondere die mangelhafte Pflege der Treiber seitens der Ubuntu-Entwickler durch, die bei älteren Rechnern zu Problemen führt.

Wer beispielsweise ältere Varianten der beliebten Radeon-Grafikkarten des Herstellers ATI/AMD in seiner Hardware verbaut hat, sieht sich in vielen Fällen mit Grafikfehlern konfrontiert, die meist nur durch ein manueller Wechsel auf den VESA-Treiber behebt. Dies betrifft – ebenso wie der mittlerweile berühmt-berüchtigte Festplatten-Bug [3] – vor allem Mobilrechner.

Bei Notebooks fällt zudem nach wie vor negativ auf, dass das Anpassen der Helligkeit des Displays bei vielen Modellen nicht korrekt funktioniert: Sie müssen diese bei jedem Neustart manuell nachregeln – ebenfalls eine Folge von Fehlern in Ubuntu-Treibern. Hier besteht nach wie vor Bedarf an Korrekturen.

Fazit

Hybryde Linux Evolution v1 erweist sich als eine interessante neue Distribution, die durchaus für den Einsatz im Alltag taugt und sich optisch nicht zu verstecken braucht. Das System bietet dank der Basis Ubuntu einen riesigen Software-Fundus und eignet sich – da es auf der Long-Term-Support-Variante von Ubuntu aufsetzt – für einen Betrieb über mehrere Jahre hinweg, ohne dass ständige zeitraubende Updates für das komplette System anfallen.

Durch die nahezu nahtlose Integration von neun Desktops besteht für jeden Anwender die Möglichkeit, die neuesten Entwicklungen im Bereich der Arbeitsoberflächen anzuschauen und ohne aufwändige Installation zu entscheiden, mit welchem Desktop er arbeiten möchte. 

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