Aus LinuxUser 10/2012

Calligra: KDE-Office aus einem Guss (Seite 4)

Dass in Kexi die Kommunikation mit externen Datenbanken so reibungslos klappt, liegt an der starken Modularisierung des Programms, das sich eher als Datenbank-Abstraktionslayer versteht denn als in sich geschlossenes DBMS. Die Hauptlast der Anbindung an externe Datenbanken trägt der jeweilige Datenbank-Treiber. Derzeit eignet sich Kexi – auch aufgrund der ebenfalls zu verzeichnenden Instabilitäten – eher für kleinere Projekte und kann im Funktionsumfang nicht mit LibreOffice Base mithalten, wenn auch das eine oder andere Detail gefällt.

Bleibt noch ein Blick auf die nützlichen, aber wenig spektakulären Neuerungen in Kexi 2.5: [F11] schaltet in einen Vollbildmodus, und der Formular-Editor besitzteine Reihe neuer Formularelemente wie Schieberegler, Fortschrittsbalken oder Felder zum Auswählen eines Datums (Abbildung 10).

Abbildung 10: Die neuen Schieberegler im Formular-Editor von Kexi.
Abbildung 10: Die neuen Schieberegler im Formular-Editor von Kexi.

Fazit

Calligra positioniert sich bewusst als leichtgewichtige Office-Alternative für den praktischen Alltagseinsatz und versteht sich schon von daher eher als Komplement denn als Konkurrent zu LibreOffice. Das aktuelle Calligra 2.5 lässt sich als Gesamt-Paket momentan allerdings noch nicht empfehlen, was größtenteils am Schwächeln der Kernkomponente Words liegt. Keine Calligra-Komponente verschonte uns im Test gänzlich von Abstürzen, jedoch nahm deren Häufigkeit bei Words ein Ausmaß an, das uns veranlasst, Ihnen das Programm nicht für den Alltag zu empfehlen.

Das über fast alle Komponenten hinweg einheitliche Bedienerkonzept und die oft verblüffend intuitiven Workarounds sowie die übersichtliche Menüstruktur gefallen dagegen gut. Die Qualität der einzelnen Module bewegt sich allerdings auf sehr unterschiedlichen Niveau: Während Words deutlich schwächelt, überzeugen der Bildbearbeiter Krita, die Tabellenkalkulation Sheets und das Präsentationsprogramm Stage auf ganzer Linie. Der Flowcharter Flow lockt mit seiner großen Auswahl an Schablonen, die das Zeichnen von Flussdiagrammen schnell von der Hand gehen lässt.

Wer wie das Calligra-Projekt anpeilt, „die beste auf offenen Standards aufsetzende Office-Suite“ anzubieten, muss sich nicht nur im Büroalltag bewähren, sondern auch mit dem einem oder anderen Alleinstellungsmerkmal oder Bonbon locken. Hier könnte sich die Unterstützung mobiler Geräte als prominentes Alleinstellungsmerkmal Calligras erweisen: Es gibt bereits Versionen der Suite für Android (Calligra Mobile) und Plasma Active (Calligra Active). 

Glossar

D-Bus

Ein standardisiertes Framework für die Interprozesskommunikation in grafischen Benutzeroberflächen. Über D-Bus können verschiedenste Programme miteinander kommunizieren.

KParts

Das Komponenten-Framework von KDE. Eine einzelne Komponente heißt KPart. Mit KParts lassen sich sich Funktionen eines als KPart implementierten Programms in die Oberfläche eines anderen Programms einbetten.

Flake

Eine Bibliothek, die beliebige Inhalte als Vektorformen (Quadrat, Kreis, …) verschiedenen KDE-Anwendungen zur Verfügung stellt.

Infos

[1] Calligra-Projekt: http://www.calligra-suite.org/

[2] Calligra-2.5-PPA für Kubuntu: http://ppa.launchpad.net/kubuntu-ppa/backports/ubuntu

[3] Kexi und Glom im Vergleichstest: Frank Hofmann, „Halb-Fliegengewichte“, LU 04/2012, S. 50, http://www.linux-community.de/25405

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