Aus LinuxUser 07/2012

Fünf RAW-Konverter in der Übersicht

© Aerosvit, sxc.hu

Rohe Ware

RAW-Daten, die digitalen Negative, enthalten wertvolle Informationen. Mit dem richtigen Konverter holen Sie das Optimale aus diesen Dateien heraus.

Fotografen, die mit hochwertigen Kameras aus dem Bridge- oder SLR-Bereich arbeiten, stehen immer vor der Qual der Wahl: Sollen sie die Fotos als JPGs speichern oder doch lieber im RAW-Format, das zwar eine bessere Qualität liefert, aber dafür immer einiges an Nacharbeit verlangt.

Möchten Sie die Fotos später stark nachbearbeiten, lohnt der Griff zu den RAW-Daten, da hier der Datenverlust innerhalb des Workflows am geringsten ausfällt. Ganz nebenbei beseitigen Sie auf diesem Weg gleich noch Fehler spurlos, die in einer hektischen Foto-Situation manchmal auftreten (falscher Weißabgleich, leichte Unter- oder Überbelichtung oder Ähnliches).

Vor- und Nachteile

Der Vorteil des RAW-Formats: Die Daten kommen weitgehend unbearbeitet aus der Kamera, wodurch sich ein deutlich größerer Spielraum für das nachfolgende Bearbeiten ergibt. Korrekturen in der Belichtung erledigen Sie zumeist problemlos über eine Blende oder mehr, ohne dass die Qualität leidet. Anpassungen bei der Farbe, für den Weißabgleich oder eine bestimmte Lichtstimmung gelingen ebenfalls ohne Einbußen bei der Qualität.

Der Nachteil liegt darin, dass das Nachbearbeiten zwingend notwendig ist. Bilder aus RAW-Dateien wirken in den Standard-Einstellungen der Konverter oft flau und sogar unscharf. Sie müssen also Farbe, Schärfe und Belichtung korrigieren. Zudem brauchen RAW-Dateien sehr viel Speicherplatz.

Demgegenüber liefert die Kamera im JPEG-Format ein fertiges Foto. Es benötigt – selbst bei großzügigen Einstellungen in Bezug auf die Qualität – deutlich weniger Speicherplatz. Allerdings gibt der Kamerahersteller die meisten Parameter vor, etwa Schärfe, Farbanmutung und Weißabgleich. Später besteht kaum die Möglichkeit, Fehler beim Fotografieren auszugleichen, denn beim Umwandeln in das JPEG-Format reduziert die Software die Informationen in der Datei bereits erheblich.

RAW-Dateien verarbeiten

Für Windows und Mac OS X bieten die Kamerahersteller in der Regel geeignete Programme, um die RAW-Dateien aus der Kamera zumindest rudimentär zu bearbeiten und in ein gängiges Format umzuwandeln. Doch selbst auf diesen beiden Plattformen setzen die meisten Fotografen auf spezialisierte Software wie etwa Adobe Lightroom, Capture One, Corel AfterShot Pro [1] oder DxO Optics Pro, weil ihnen die Möglichkeiten der Original-Software nicht ausreichen.

In sofern besteht kaum ein Unterschied zu Linux. Zur Grundausstattung jeder Distribution gehört das Paket dcraw, ein Kommandozeilenprogramm, das RAW-Dateien liest und diverse Einstellungen bietet. Es ermöglicht das komfortable Verarbeiten von Bildern im Batch-Verfahren. In einigen Programmen kommt Dcraw als Plugin zum Einsatz, um RAW-Daten zu importieren, etwa bei Gimp.

Fotografen stehen in der Regel mit der Kommandozeile auf Kriegsfuß. Sie wollen sich nicht mit Linux, sondern den Fotos beschäftigen. Daher gibt es eine Reihe weiterer Programme zum Bearbeiten von RAW-Bildern, die mit einer grafischen Oberfläche aufwarten. Diese teilen sich in zwei Gruppen: Die eine beschäftigt sich nur mit dem Entwickeln der Dateien und der Umwandeln in ein geeignetes Format. Dazu gehören beispielsweise Ufraw oder Rawstudio.

Die andere Gruppe bietet gleichzeitig Funktionen, die beim Verwalten der Bilder helfen. Manche bringen zusätzliche Möglichkeiten zum Bearbeiten der Bilddateien mit und erinnern in dieser Hinsicht stark an Adobe Lightroom oder Apple Aperture. In diese Gruppe fällt zum Beispiel Darktable.

Nicht einsatzbereit

Ein Programm, das schon vom Namen her den Eindruck macht, es sei für die RAW-Konvertierung der passende Partner, fiel schon zu Beginn aus dem Testfeld, da ein Vergleich mit den anderen Programmen nicht relevant erschien: Darkroom [2] möchte ein einfacher RAW-Konverter sein, doch es schwächelt an vielen Stellen.

Zunächst einmal erfolgt das Berechnen der Vorschau unerträglich langsam. Selbst die kleinste Änderung an einem beliebigen Wert verursacht mehrere Sekunden Verzögerung für das Rendern eines neuen Bilds. Zudem funktionieren nicht alle Regler korrekt: So gelang es im Test nicht, einen korrekten Weißabgleich vorzunehmen – das gehört aber eigentlich zu den einfachsten und wichtigsten Aufgaben. Zusätzlich scheint die Entwicklung der Software inzwischen eingestellt zu sein, so dass hier kaum Besserung in Sicht ist.

Dcraw und Ufraw

Nur die wenigsten Anwender arbeiten direkt oder ausschließlich mit Dcraw, da man die Ergebnisse erst nach dem Umwandeln sieht. Mit Ufraw existiert jedoch eine grafische Bedienoberfläche für das Kommandozeilen-Tool. Sie finden Ufraw in den Repositories aller gängigen Distributionen, außerdem fungiert es in Plugin-Form als RAW-Dialog in Gimp.

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1 Kommentar auf "Fünf RAW-Konverter in der Übersicht"

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Auf Seite 7, der eigentliche Vergleich:
Ich sehe da im aktuellen Firefox eine auf 2,5 Konverter beschnittene Vergleichstabelle.
Möchte man alles sehen, so muss man die Druckansicht wählern. Dazu ist es aber nicht vollständig. Es fehlen Photivo und digiKam.
Ein detaillierterer Eigenschaftvergleich würde ich mir auch wünschen.
Wichtig ist auch die Angabe der Software-Version, bei Rawtherapee hat sich wohl einiges getan….(CIECAM02-Modell, Hotpixel,, Graustufenfilter und ~Konvertierung, Tonmapping, …)

Und jetzt, 2 Jahre später, kam noch LightZone dazu 😉