Aus LinuxUser 07/2012

Cloud-Speicher auf eigenen Servern bereitstellen mit OwnCloud (Seite 4)

In kleinen Organisationen, deren Mitglieder jeweils mehreren Arbeitsgruppen angehören und von der Funktion regen Gebrauch machen, geraten die Kalender daher relativ unübersichtlich, denn offenbar erlaubt es die Software nicht, derart geteilte Termine auszublenden.

Geht es darum, einen Kalender zu teilen, verhält sich OwnCloud etwas verwirrend: Hier sehen Teilnehmer lediglich alle Termine, dürfen selbst aber keine Einträge in fremde Kalender vornehmen. Auch eine eigene, selbst gewählte Farbe lässt sich den fremden Kalendern nicht zuweisen.

Im Web-Frontend selbst gibt es insgesamt wenig an den PIM-Funktionen auszusetzen (Abbildung 10). Jedoch wären die Cloud-Daten ohne Synchronisation zu anderen Anwendungen und Geräten witzlos – und gerade da hapert es noch.

Abbildung 10: Schön und praktisch präsentiert sich die Kalender-Anwendung in OwnCloud.
Abbildung 10: Schön und praktisch präsentiert sich die Kalender-Anwendung in OwnCloud.

Theoretisch müsste der Abgleich ganz unproblematisch erfolgen: Unter Einstellungen | Persönlich finden Sie die URLs für die Synchronisation (Listing 1). Diese geben Sie in der PIM-Suite des eigenen Vertrauens ein, also in Evolution, Kontact (Abbildung 11) oder den entsprechenden Addons in Thunderbird wie Lightning und Sogo-Connector. Danach sollten eigentlich sowohl die Termine als auch die Kontakte auf allen Geräten auf dem gleichen Stand sein.

Listing 1

http://Server/owncloud/remote.php/caldav/
http://Server/owncloud/remote.php/carddav/
Abbildung 11: Das Einrichten der Online-Ressourcen ist meist ein Kinderspiel, der Abgleich der Daten klappt – zumindest zum Teil.
Abbildung 11: Das Einrichten der Online-Ressourcen ist meist ein Kinderspiel, der Abgleich der Daten klappt – zumindest zum Teil.

Was in der Theorie recht einfach klingt, bringt in der Praxis einige Probleme mit sich (Abbildung 12). Zum Beispiel hat OwnCloud die Autoren dieses Textes in eine böse Falle gelockt: Der Login hängt nämlich nicht von der Schreibweise ab – es spielt also keine Rolle, ob Sie den Benutzernamen groß oder klein schreiben. Beim Sync aber ist das ganz und gar nicht egal, und so scheiterten beim Abgleichen unzählige Versuche.

Abbildung 12: Durch Eigenwilligkeiten erschwert OwnCloud den Abgleich von Kontaktdaten.
Abbildung 12: Durch Eigenwilligkeiten erschwert OwnCloud den Abgleich von Kontaktdaten.

Letztendlich klappte es aber doch, zumindest zum Teil. Im Test glichen Evolution 3.2.3 unter OpenSuse 12.1 und Kontact 4.7.4 unter Linux Mint 12 Termine zuverlässig ab. Bei den Kontakten gestaltet sich die Arbeit etwas schwieriger: Der Abgleich wollte im Test nur unter der KDE-PIM-Suite Kontact gelingen – weder Evolution noch das auf der Apple-Plattform verbreitete Adressbuch ließen sich zur Zusammenarbeit überreden.

Ton aus den Wolken

Ein ganz ähnliches Bild liefert der Musik-Streamer ab. Integriert haben die Entwickler Ampache, das dafür sorgt, dass die in der Cloud gespeicherten Musikstücke über passende Clients immer und überall bereitstehen.

Unter Linux empfehlen sich dazu die Programme Banshee, Rhythmbox und Amarok. Alle drei bieten über ein entsprechendes Plugin fürs Streaming die entsprechenden Möglichkeiten. Allerdings macht hier wieder die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis dem Spaß ein Ende: Weder Banshee 2.2.1 (unter OpenSuse 11.3) noch Rhythmbox 2.90.1 (Mint 12) wollten sich mit OwnCloud verbinden (Abbildung 13). Dabei war es egal, ob es die eigene Cloud war, die die Musik liefern sollte, oder die Testinstallation unter http://demo.owncloud.org.

Abbildung 13: Banshee lässt sich nicht zur Zusammenarbeit mit OwnCloud überreden.
Abbildung 13: Banshee lässt sich nicht zur Zusammenarbeit mit OwnCloud überreden.

Amarok 2.4.3 unter Mint 12 war dagegen in Sekunden bereit, um die Musik abzuspielen (Abbildung 14): Plugin aktiviert, URL und Zugangsdaten eingegeben, schon ging es los. Positiv fiel auf, dass das Amarok-Ampache-Plugin gleich mehrere Quellen akzeptiert.

Abbildung 14: Anders als Banshee versteht sich Amarok auf Anhieb mit der OwnCloud.
Abbildung 14: Anders als Banshee versteht sich Amarok auf Anhieb mit der OwnCloud.

Ein kurzer Test auf einem Android-Handy verlief ebenfalls zwiespältig. Mit der App Just Player nebst Plugin Ampache Provider war der Musikgenuss nach nur ein paar Klicks möglich (Abbildung 15). Amdroid dagegen ließ sich weder zur Zusammenarbeit mit dem Testsystem noch mit der Demo-Installation der Entwickler überzeugen.

Abbildung 15: Die Ampache-Einrichtung unter Just Player klappt auf Anhieb.
Abbildung 15: Die Ampache-Einrichtung unter Just Player klappt auf Anhieb.

Der integrierte Player tut zu guter Letzt, wie ihm geheißen: Aus den hochgeladenen Dateien wählt er all jene aus, die Ton enthalten, und ordnet sie nach Interpret sortiert an. Einzelne Songs oder gesammelte Werke eines Interpreten fügen Sie über die kleine dreieckige Schaltfläche mit dem kleinen Plus-Zeichen hinter der Playliste hinzu.

Ein Klick auf den Interpreten packt dessen Songs in die Liste und wirft alle bereits darin befindlichen wieder raus. Je nach Browser stehen Ihnen nur die Schaltfläche zum Abspielen, Pausieren sowie Vor- und Zurückspringen bereit oder die Möglichkeit, in der Zeitleiste innerhalb des Songs zu springen.

Auffällig war, dass die Software nicht alle Musikdateien gleich gut einliest. Ein Stück mit gut einer Stunde Länge zeigte der Player nicht an. Ein anderes Stück spielte zwar im Browser, aber nicht über die Clients. Selbst unter den verschiedenen Browsern gab es Unterschiede, je nach Betriebssystem/Browser-Kombination funktionierte die Wiedergabe oder nicht.

So spielten Firefox und Opera unter Linux die Stücke brav ab, in Firefox 12 unter Mac OS X 10.6.8 war der Cloud jedoch kein Ton zu entlocken. Zudem stockte die Wiedergabe beim Wechsel in eine andere Funktion von OwnCloud immer wieder kurz, spielte nach dem Wechsel dann aber anstandslos weiter.

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