Aus LinuxUser 05/2012

FTP-Clients NovaFTP und Filezilla im Vergleich (Seite 2)

Abbildung 3: Den kommerziellen Client NovaFTP gib es in zwei Varianten, wobei der Funktionsumfang der recht teuren Advanced Edition dem des populären Filezilla gleicht.
Abbildung 3: Den kommerziellen Client NovaFTP gib es in zwei Varianten, wobei der Funktionsumfang der recht teuren Advanced Edition dem des populären Filezilla gleicht.

Was die übrigen Features angeht, gibt Filezilla im Folgenden aufgrund seiner Popularität und Zuverlässigkeit den Ton an. Das Installieren von NovaFTP gelingt, wie es sich für ein kommerzielles Tool geziemt, kinderleicht (siehe Kasten „Installation“). Filezilla gelangt allerdings noch einfacher durch die Auswahl im Paketmanager auf die Festplatte.

Installation

Der Hersteller bietet das Programm NovaFTP auf der Website in einer generischen Variante als Tar-Archiv an. Alternativ stellt er ein für Debian/Ubuntu, das Sie einfach über das Paketmanagement installieren. Unter Ubuntu 10.04 „Lucid Lynx“ gelang dies problemlos. Anschließend fand sich im Menü Anwendungen | Internet ein Starter NovaFTP.

Wählen Sie das generische Paket, entpacken Sie dieses mit einem Archivmanager der Wahl oder mittels tar -xvfz novaftp_standard_1.1.2.tar.gz in einem Terminal. Wechseln Sie anschließend ins entpackte Verzeichnis novaftp_standard_1.1.2 und starten dort mittels ./setup die Installation. Etwaige von NovaFTP benötigte Qt-Libraries finden sich in dem Archiv und landen ebenfalls im Programmverzeichnis. Das Setup legt die Software selbst unter /usr/local/bin abgelegt.

Sofern Sie die Variable PATH korrekt gesetzt haben, genügt daher zum Starten die Eingabe von novaftp. Selbstverständlich steht es Ihnen frei, unter KDE SC oder Gnome einen Launcher für den Desktop anzulegen.

Neben dem erwähnten Multiplattform-Support (bei Filezilla gibt es neben Linux, Windows und Mac noch ein paar Varianten mehr), verbucht Filezilla sicherheitstechnisch Unterstützung für FTP over SSL/TLS (FTPS) und das SSH File Transfer Protocol (SFTP) auf der Habenseite, womit allerdings auch NovaFTP aufwartet (Abbildung 4).

Abbildung 4: SSL/TLS-Support gehört zum Pflichtprogramm für einen modernen FTP-Client.
Abbildung 4: SSL/TLS-Support gehört zum Pflichtprogramm für einen modernen FTP-Client.

Beide Kandidaten unterstützen das IPv6-Protokoll. Nur die Benutzeroberfläche von Filezilla steht in mehreren Sprachen bereit, NovaFTP beschränkt sich auf Englisch. Beide Programme unterstützen Tabbed Sessions. Das ermöglicht es, komfortabel mehrere FTP-Verbindungen gleichzeitig offen zu halten. Bei Filezilla in seinem klassischen Dateimanager-Outfit lassen sich die einzelnen Tabs auf Anhieb gut erkennen. NovaFTP zeigt seine Tabs dagegen am unteren Rand des Programmfensters, was beim insgesamt eher dunkel gehaltenen Benutzerinterface nicht auf Anhieb auffällt (Abbildung 5).

Abbildung 5: Nova FTP unterstützt Tabbed-Sessions, allerdings finden sich die zugehörigen Schaltfläche am unteren Bildschirmrand.
Abbildung 5: Nova FTP unterstützt Tabbed-Sessions, allerdings finden sich die zugehörigen Schaltfläche am unteren Bildschirmrand.

Zwar folgt das Filezilla-Interface prinzipiell einem klassischen Aufbau, dafür unterstützt es aber Themes. Versierte Nutzer finden sich daher in Filezilla mitunter schneller zurecht. Einsteiger hingegen spricht eher NovaFTP mit einem optisch herausragenden Design an. Darüber hinaus glänzt das Programm insgesamt mit einer sinnvollen Auswahl an Konfigurationsoptionen und gut funktionierenden Automatismen.

Nicht gefallen hat in diesem Zusammenhang die Eigenschaft von NovaFTP, den aktuellen Pfad am oberen Fensterrand, sowie die Bedienelemente etwa zum Wechsel des Verzeichnisses jeweils nur auf der gerade aktiven Seite des Dateimanagers anzuzeigen.

Wie es sich für einen zeitgemäßen FTP-Client gehört, bieten beide Kandidaten Large-File-Support für Dateien größer 4 GByte. Außerdem haben Sie mit beiden FTP-Clients die Möglichkeit, unterbrochene Downloads fortzusetzen. Filezilla bringt einen komfortablen Server-Manager mit, während NovaFTP das Verwalten von Verbindungen ausschließlich mit Hilfe von Bookmarks realisiert (Abbildung 6).

Abbildung 6: Häufig besuchte FTP-Server halten Sie in NovaFTP als Bookmarks vor.
Abbildung 6: Häufig besuchte FTP-Server halten Sie in NovaFTP als Bookmarks vor.

Das ist zwar ebenfalls recht komfortabel, Filezilla versteht aber unter Lesezeichen eine zusätzliche Ebene unterhalb des Server-Managers, sodass Sie damit favorisierte Server nicht nur in einer flachen Hierarchie organisieren können, sondern zusätzlich als strukturierten Lesezeichen-Baum. NovaFTP zeigt die vorhandenen Lesezeichen dafür optisch schick auf seiner Portal-Seite an. Übrigens legt letzteres Programm sämtliche Einstellungen, Benutzer- und Server-Daten in einer SQLite-Datenbank ab.

Beide FTP-Clients unterstützen Drag & Drop, dass heißt, Sie schieben die herunterzuladende Datei einfach mit der Maus ins Zielverzeichnis. NovaFTP zeigt den laufenden Download im komfortablen Download-Manager an – wie zu erwarten mit optisch hübschen Effekten.

Abbildung 7: Der eingebaute Download-Manager von NovaFTP sieht nicht nur optisch gut aus, sondern hilft auch beim Organisieren und Beobachten mehrerer paralleler Downloads.
Abbildung 7: Der eingebaute Download-Manager von NovaFTP sieht nicht nur optisch gut aus, sondern hilft auch beim Organisieren und Beobachten mehrerer paralleler Downloads.

Alternativ haben Sie, die Möglichkeit, die gewünschte Datei zunächst zu markieren und dann via Kontextmenü zu entscheiden, ob Sie die Datei konventionell oder via Download-Manager herunterladen möchten (DM Download).

Mit einigen weiteren sehr komfortablen Funktionen von Filezilla, wie dem automatischen Vergleich von Verzeichnissen oder der Möglichkeit, Dateien direkt auf dem entfernten FTP-Server zu editieren, vermag der kommerzielle Konkurrent dagegen nicht mitzuhalten. Filezilla ist beispielsweise auch in der Lage, auf dem Server nach Dateien zu suchen – eine Funktion, die NovaFTP ebenfalls fehlt.

Außerdem können Sie mit Filezilla ein Logging aktivieren und ein frei wählbares Log-File bestimmen. Dafür lässt sich in NovaFTP mit einem Klick auf die Schaltfläche Connection Log sehr schnell und komfortabel das Verbindungsprotokoll anzeigen; mit einem Klick auf die gleichnamige Schaltfläche auch die Host-Messages (Abbildung 8).

Abbildung 8: Nova FTP ermöglicht ein schnelles Umschalten zwischen Remote-Dateimanager und Verbindungsprotokoll beziehungsweise Host-Messages.
Abbildung 8: Nova FTP ermöglicht ein schnelles Umschalten zwischen Remote-Dateimanager und Verbindungsprotokoll beziehungsweise Host-Messages.

Bei Filezilla gefällt die Möglichkeit, per Rechtsklick im Dateimanager einen Attribut-Filter zu setzen. In NovaFTP müssen Sie die Anzeige-Attribute dagegen in den Einstellungen unter File | Preferences | Interface | Directories festlegen. Filezilla bringt außerdem einen komfortablen Datei/Verzeichnis-Filter im Menü Ansicht mit, ein Feature, bei dem NovaFTP passen muss.

Sind Sie als Administrator für einen oder mehrere FTP-Clients verantwortlich, lernen Sie vermutlich bei Filezilla die Möglichkeit schätzen, bei Bedarf die maximale Transferrate zu limitieren. Übrigens unterstützen beide FTP-Clients ein Keepalive, halten also eine einmal aufgebaute Verbindung offen.

Was den Betrieb hinter einer Firewall angeht, bieten beide FTP-Clients Support für SOCKS (v4/v5) und FTP-Proxies. Abschließend sei mit der Unterstützung eines synchronisierten Verzeichniswechsel noch auf eine der herausragenden Funktionen von Filezilla hingewiesen, die allerdings vorrangig für Poweruser bedeutsam ist.

Fazit

NovaFTP und die Referenz-Software Filezilla rangieren bei den Features deutlich über dem Durchschnitt gängiger Clients. Filezilla bietet in Summe sogar die eine oder andere Funktion mehr, dafür wartet NovaFTP mit einer ansprechenden GUI auf, die mit ihrer Farbgebung und den dezenten Effekten an ein typisches Mac-Programm erinnert, wenngleich sie auf Qt4 basiert.

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