Aus LinuxUser 04/2012

Mehrere Linux-Varianten auf einem USB-Stick installieren mit Multisystem (Seite 2)

Ein Klick auf einen der Buttons aktiviert die entsprechende Umgebung und startet darin ohne weiteres Zutun die jeweils auf dem USB-Stick befindliche und im Startmenü markierte Variante. Qemu und Virtualbox gehören zu den Paketen, die das Programm als Abhängigkeit bei der Installation auf die Platte packt. So stellen Sie sofort fest, ob Sie die Systeme auf dem USB-Stick korrekt installiert haben.

Bootmanager

Multisystem installiert und konfiguriert den Boot-Manager weitgehend automatisch. Die Software unterstützt auch Betriebssysteme, die sich nicht an gängige Standards halten. In der Regel richtet es die Boot-Optionen ohne Zutun des Anwenders ein. Um Exoten wie beispielsweise IBMs OS/2 Warp oder dessen Nachfolger eComStation von USB-Stick zu starten oder im Bedarfsfall die diversen Boot-Manager und Startdateien der unterschiedlichen Windows-Varianten zu nutzen, richtet Multisystem zusätzlich den Boot-Manager Grub4Dos ein.

Je nach vorhandenem Betriebssystem finden Sie unter Grub4Dos die gesuchten Einstellungen. Mit FreeDOS installiert Multisystem zudem automatisch eine reine DOS-Umgebung, aus der heraus Sie die Möglichkeit haben, eine DOS-Boot-CD anzulegen. Zusätzlich bietet die Software hier die Auswahl für diverse Optionen.

So findet sich neben sicheren Einstellungen für den Fall von Hardware-Inkompatibilitäten außerdem der Bootmanager Plop. Zudem haben Sie die Möglichkeit, bei Problemen beim Start des Systems Super-Grub-Disketten [2] anzulegen. Mit diesen rekonstruieren Sie bei Bedarf schnell und komfortabel fehlerhaft konfigurierte Bootloader (Abbildung 5).

Abbildung 5: Multisystem richtet Grub mit vielen Optionen ein.
Abbildung 5: Multisystem richtet Grub mit vielen Optionen ein.

Startprobleme

Erkennt das System den USB-Stick trotz eines erfolgreichen Tests in einer der beiden virtuellen Umgebungen bei weiteren Boot-Vorgängen nicht als Startmedium, so liegt dies meist an falschen BIOS-Einstellungen: Bei manchen Rechnersystemen genügt es nicht, USB-Medien in der Startreihenfolge des BIOS zu aktivieren und an die erste Stelle zu setzen. Oft gilt es obendrein die USB-BIOS-Unterstützung einzuschalten.

Ein weiteres Problem beim Booten von USB-Medien tritt insbesondere bei älteren Rechnern auf: Diese starten oftmals noch nicht von USB-Sticks oder optischen Laufwerken sowie externen Festplatten, die Sie über den USB-Bus an das System anschließen. Für solche Fälle bietet Multisystem die Option, eine Start-CD anzulegen, die der PC als erstes Medium beim Hochfahren ausliest und die anschließend den angeschlossenen USB-Stick aktiviert.

Dazu klicken Sie im Programmfenster im Reiter Boot auf den Schalter vor dem Eintrag CD zum starten von USB erstellen. Die Software fordert Sie anschließend auf, den Plop-Bootmanager aus dem Internet herunterzuladen und öffnet gleichzeitig Firefox mit der entsprechenden Website [3]. Nach dem Download des Zip-Archivs generiert Multisystem automatisch ein ISO-Image mit integriertem Bootmanager. Dieses brauchen Sie nur noch auf eine CD zu brennen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Multisystem erlaubt das Anlegen einer Boot-CD, die den Start von USB-Medien ermöglicht.
Abbildung 6: Multisystem erlaubt das Anlegen einer Boot-CD, die den Start von USB-Medien ermöglicht.

Der Plop-Bootmanager erlaubt es im Gegensatz zu Grub oder Lilo, ein Computersystem ohne BIOS-Unterstützung von USB-Medien zu starten. Dazu verweist er auf den Grub-Boot-Manager, den Multisystem auf dem USB-Stick angelegt hat. Dieser wiederum aktiviert anschließend das eigentliche Betriebssystem. Dieses Verfahren beherrscht der Plop-Bootmanager bei den gängigen USB-Standards 1.0 und 2.0.

Im Test gelang es problemlos, den von Multisystem vorbereiteten USB-Stick zur Mitarbeit auf mehreren älteren Maschinen zu bewegen, die keine direkte Möglichkeit zum Starten von USB-Medien boten. Allerdings gestaltet sich der Startvorgang bei betagten Rechnern, die lediglich die USB 1.x unterstützen, entsprechend zäh: Im Test benötigte das auf aktuellen Systemen innerhalb kürzester Zeit startbereite Puppy Linux mehr als eine Minute, bis der Desktop aufgebaut war.

Backup

Besonders interessant erscheint in Multisystem die Möglichkeit, ein komplettes Backup des USB-Sticks anzulegen oder aus einem Image heraus bei Bedarf den Flash-Stick wieder zu rekonstruieren. Im Reiter Menüs finden Sie dazu den Eintrag Backup / Wiederherstellen. Somit entfällt im Fall einer Beschädigung des Speichermediums die zeitaufwändige Neuinstallation aller Betriebssysteme (Abbildung 7).

Abbildung 7: Multisystem bietet eine einfache Funktion zum Sichern und Wiederherstellen der auf einem USB-Stick installierten Systeme.
Abbildung 7: Multisystem bietet eine einfache Funktion zum Sichern und Wiederherstellen der auf einem USB-Stick installierten Systeme.

Fazit

Multisystem ermöglicht Anwendern oder Administratoren das Erstellen eines zuverlässigen Rettungssystems auf einem USB-Stick. Die Software bringt nicht nur jede erdenkliche Linux-Distribution auf die kleinen Flash-Speicher, sondern schafft durch Zusatzprogramme das Kunststück, eigentlich nicht per USB startfähige Rechner zur Kooperation zu bewegen.

Damit entfällt das lästige Brennen und Mitschleppen von optischen Datenträgern. Obendrein eröffnet es die Möglichkeit, auf Net- oder Subnotebooks, die oft kein eingebautes DVD-Laufwerk mitbringen, neue Linux-Derivate zu testen. Ein Schwachpunkt der Software liegt in der noch nicht vollständigen deutschen Lokalisierung, was der Funktionalität jedoch dank aussagekräftiger Symbole kaum Abbruch tut. 

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