Aus LinuxUser 02/2012

Musik, Videos, Bilder im LAN streamen (Seite 2)

Der Multimediaplayer Totem beispielsweise lässt sich über ein Framework namens Coherence mit UPnP-Fähigkeiten ausstatten, wozu Sie die Pakete python-coherence und totem-plugins-extra installieren. Dann rufen Sie in Totem den Menüpunkt Bearbeiten | Plugins auf, setzen dort ein Häkchen bei Coherence DLNA/UPnP-Client (Abbildung 4) und starten den Player neu. Wählen Sie nun in Totem aus dem Aufklappmenü ganz rechts den Eintrag Coherence DLNA/UPnP-Client, sollten die UPnP-Freigaben im rechten Bereich erscheinen.

Während Totem im Test Audio- und Video-Dateien abspielte, weigerte es sich, Bilder anzuzeigen. Unter Ubuntu 11.10 funktionierte die Zusammenarbeit mit Coherence nicht, unter Ubuntu 11.04 hingegen schon. Hier spielte Totem im Test die Audio-Dateien von Rygel nach dem Aufrufen zwar recht zügig ab, beim Öffnen einer großen Liste gab der Player jedoch seinen Geist auf. Zudem hängte sich die Software auch gelegentlich beim Abspielen von Musikstücken auf und zeigt Bilder nicht an.

Abbildung 4: Das Coherence-Plug-in verwandelt Totem in einen UPnP-Player – zumindest unter Ubuntu 11.04. Unter 11.10 fand der Player die Erweiterung zum Testzeitpunkt nicht.
Abbildung 4: Das Coherence-Plug-in verwandelt Totem in einen UPnP-Player – zumindest unter Ubuntu 11.04. Unter 11.10 fand der Player die Erweiterung zum Testzeitpunkt nicht.

Auch das Mediacenter XBMC zeigte Bilder nicht an – und das gilt für beide von uns getesteten Versionen unter Ubuntu 11.04 und 11.10, die wir aus einem PPA installierten. Das Abspielen von Musik klappte mit XBMC nur eingeschränkt. Unter Ubuntu 11.04 brauchte das Mediacenter rund eine Minute, bevor sie das nächste Musikstück abspielte, während der Wartezeit fror XBMC komplett ein. Auch unter Ubuntu 11.10 pausierte die Software beim Abspielen von Musikstücken deutlich zu lange (Abbildung 5).

Abbildung 5: XBMC aus dem PPA legte beim Abspielen von Musikstücken über UPnP jeweils eine sehr lange Kaffeepause ein.
Abbildung 5: XBMC aus dem PPA legte beim Abspielen von Musikstücken über UPnP jeweils eine sehr lange Kaffeepause ein.

Zudem spielte XBMC unter Ubuntu 11.04 zwar MPEG4-Formate brav ab, jedoch keine Filme mit der Endung .mov. Das liegt wohl daran, dass Rygel als Ausgabeformate zurzeit nur MP3, MPEG TS und PCM unterstützt. Die XBMC-Version von Ubuntu 11.10 stürzte beim Versuch, Videos abzuspielen, komplett ab. Grund war hier aber vermutlich der fehlende 3D-Treiber für die verbaute ATI-Karte. Sowohl im Fall von Totem als auch von XBMC besteht also Verbesserungspotenzial, obwohl die letztgenannte Software sicher besser mit Rygel kooperiert.

Auch VLC kann offiziell UPnP-Streams abspielen. Mit Rygel als Server funktionierte die in Ubuntu 11.10 integrierte Version aber eher schlecht als recht und zeigte die UPnP-Ressourcen nicht an.

Ein auf Java basierender UPnP-Player namens Eezupnp machte hingegen eine gute Figur, spielte jedoch nur Musik ab. Sie entpacken das Softwarearchiv von der Webseite [7], wechseln in den neuen Unterordner und rufen dann die Anwendung im Terminal mittels des Kommandos ./CP auf. Der Player zeigt links die erkannten Ressourcen an, die Sie markieren und rechts in eine Wiedergabeliste schieben (Abbildung 6). Ungewöhnlich erscheint die Fähigkeit von Eezupnp, die Titel auf Wunsch auch lokal zu speichern: Das konterkariert den Sinn von UPnP, kann aber interessant werden, wenn es sich um Freigaben auf fremden Rechnern handelt.

Abbildung 6: Eezupnp funktionierte im Zusammenspiel mit allen Servern sehr gut, spielt allerdings nur Musik ab.
Abbildung 6: Eezupnp funktionierte im Zusammenspiel mit allen Servern sehr gut, spielt allerdings nur Musik ab.

Ushare: Server

Ushare [8] richtet sich über das Verzeichnis /etc/init.d/ als eigener Dienst ein, den Sie mit administrativen Rechten starten müssen (Listing 1, Zeile 1). Geben Sie dabei allerdings keine Verzeichnisse zum Teilen an, erscheint nach dem Start nur die lapidare Meldung No shares available…. In diesem Fall stoppen Sie den Dienst wieder (Listing 1, Zeile 2) und rekonfigurieren ihn über ein Textinterface (Listing 1, Zeile 2).

Listing 1

$ sudo service ushare start
$ sudo service ushare stop
$ sudo dpkg-reconfigure ushare

Dabei geben Sie zunächst den Namen für die Freigabe ein (Abbildung 7). Im der nächsten Maske wählen Sie eine Netzwerkkarte aus, über die der Dienst läuft. Abschließend geben Sie – getrennt durch Kommata – noch die Verzeichnisse an, die Ushare verteilen soll.

Abbildung 7: Ushare lässt sich über eine textbasierte Benutzerschnittstelle einrichten. Neben der Netzwerkkarte, welche die Daten verteilt, geben Sie auch die freizugebenden Verzeichnisse an.
Abbildung 7: Ushare lässt sich über eine textbasierte Benutzerschnittstelle einrichten. Neben der Netzwerkkarte, welche die Daten verteilt, geben Sie auch die freizugebenden Verzeichnisse an.

Ushare: Clients

Beim Zusammenspiel von Ushare mit den bereits im Wechselspiel mit Rygel getesteten Clients zeigt sich, wie unterschiedlich die Fähigkeiten von UPnP-Servern ausfallen können.

Der VLC-Client beispielsweise funktionierte unter Ubuntu 11.04 und 11.10 zusammen mit Ushare plötzlich nahezu tadellos – lediglich Bilder zeigte er nicht an, aber das können auch die anderen Clients nicht. Seine UPnP-Fähigkeiten versteckt VLC allerdings etwas verschämt. Um sie zu aktivieren, drücken Sie nach dem Start der Anwendung [L], um die Wiedergabeliste aufzurufen, wählen links Lokales Netzwerk und darunter Universal Plug&Play. Rechts erscheinen dann die Freigaben von Ushare (Abbildung 8).

Abbildung 8: Ästhetisch hat die VLC-Standardoberfläche nichts zu bieten, spielt aber die von Ushare angebotenen Audio- und Videodateien ohne zu meckern ab.
Abbildung 8: Ästhetisch hat die VLC-Standardoberfläche nichts zu bieten, spielt aber die von Ushare angebotenen Audio- und Videodateien ohne zu meckern ab.

Auch bei XBMC ließen sich Änderungen beobachten: Die Version unter Ubuntu 11.10 stürzte weiterhin ab (was an den proprietären Treibern lag), zeigte nach wie vor keine Bilder an, spielte nun aber Musik ohne auffällige Pausen ab. Auch die MOV-Datei, die Rygel offenbar nicht ausliefern konnte, tauchte nun problemlos im XBMC von 11.04 auf. Zudem spielte XBMC hier die Dateien von Ushare mit einer deutlich geringeren Verzögerung ab, die bei 10 bis 15 Sekunden pro Song lag.

Die Totem-Version unter Ubuntu 11.10 erkannte das Coherence-Plugin nicht, und so blieb der Player hier außen vor. Unter Ubuntu 11.04 dagegen spielte Totem Musikstücke fast ohne Hänger ab und schien sich generell mit Ushare bestens zu verstehen. So erkannte es die MOV-Datei und gab sie wieder, auch MPEG-4-Dateien liefen problemlos.

Die sonst vorbildliche Android-App UPnPlay patzte hier beim Abspielen der Videos: Sie erkannte ein Flash-Video gar nicht und versuchte zwei andere Videos mit dem Audioplayer abzuspielen. Das gelang zwar, ist aber nicht Sinn der Sache. Lediglich eine MOV-Datei erkannte UPnPlay als Video, spielte sie aber nicht ab. Bilder und Musik verarbeitete die Android-App im Zusammenspiel mit Ushare hingegen korrekt.

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