Aus LinuxUser 08/2011

Drucker einrichten mit System-config-printer

© Werner_, sxc.hu

Außergewöhnlicher Druck

Wenig spektakulär im ersten Auftritt, erweist sich das kleine Tool System-config-printer als wahrer Alleskönner im Umgang mit Druckern unter Linux.

Für gewöhnlich reicht es heute unter Linux aus, den Drucker an den PC anzustöpseln, einzuschalten und eventuell noch ein paar bestätigende Mausklicks zu tätigen. Viele große Distributionen erkennen die Hardware automatisch und richten sie selbstständig ein. Mitunter schlägt das Erkennen jedoch fehl. Insbesondere erst seit kurzem auf dem Markt befindliche Modelle übersieht Linux gern, Ähnliches gilt für Netzwerkdrucker.

Ein falsch gewählter Treiber oder krude Standardeinstellungen sorgen schließlich noch für merkwürdige Druckergebnisse. In solchen Fällen hilft ein kleines Programm mit dem zungenbrecherischen Namen System-config-printer (Abbildung 1). Vermutlich kennen Sie es sogar schon: Unter den Pseudonymen Drucken oder Druckereinrichtung wartet es in den Systemeinstellungen vieler Gnome-basierter Distributionen auf seinen Einsatz. Unter Ubuntu steckt es beispielsweise hinter System | Systemverwaltung | Drucken.

Abbildung 1: Das Hauptfenster von System-config-printer unter Ubuntu gibt sich nach dem ersten Start spartanisch.
Abbildung 1: Das Hauptfenster von System-config-printer unter Ubuntu gibt sich nach dem ersten Start spartanisch.
Abbildung 2: Die an KDE angepasste Version von System-config-printer bietet im ersten Anlauf zusätzliche Optionen, die das Einrichten von Druckern erlauben.
Abbildung 2: Die an KDE angepasste Version von System-config-printer bietet im ersten Anlauf zusätzliche Optionen, die das Einrichten von Druckern erlauben.

System-config-printer entstand 2006 aus der Arbeit von Tim Waugh, der damit in Fedora Core 6 das Einrichten von Druckern vereinfachen wollte. Recht schnell übernahmen andere Distributionen das Tool, und mittlerweile liegt es in fast jedem Repository.

Obwohl System-config-printer nicht an eine bestimmte Desktop-Oberfläche gebunden ist, gibt es inzwischen eine für KDE angepasste Variante (Abbildung 2). In den Repositories firmiert sie häufig unter dem Namen system-config-printer-kde. Kubuntu installiert sie sogar standardmäßig; sie steckt dort in den Systemeinstellungen hinter der Druckereinrichtung.

Trotz der großen Beliebtheit schwören einige Distributionen auf ihr eigenes Einrichtungsprogramm. OpenSuse nutzt beispielsweise YaST. Da jedoch alle diese Werkzeuge genau wie System-config-printer lediglich eine Oberfläche für das im Hintergrund arbeitende Cups-Drucksystem bereitstellen, steht bei diesen Systemen einem Wechsel auf System-config-printer nichts entgegen. Drucker tauchen zusammen mit ihren Einstellungen in beiden Programmen auf.

Den kenn ich

Zeigt das Hauptfenster von System-config-printer gähnende Leere wie in Abbildung 1, hat Ihr System keinen Drucker gefunden. Stellen Sie in diesem Fall sicher, dass das Gerät eingeschaltet ist, und klicken Sie dann auf die große Schaltfläche Hinzufügen (alternativ rufen Sie Server | Neu | Drucker auf). Es erscheint ein Assistent (Abbildung 3), der Ihnen in mehreren Schritten hilft, einen neuen Drucker anzulegen und einzurichten.

Abbildung 3: Hier hat System-config-printer das Modell <code>Canon iP4300</code> gefunden.
Abbildung 3: Hier hat System-config-printer das Modell Canon iP4300 gefunden.

In einigen Distributionen (wie etwa Ubuntu) startet der Assistent automatisch nach dem Einstöpseln des Druckers. In der Liste auf der linken Seite finden Sie alle entdeckten Geräte. Markieren Sie dort den einzurichtenden Drucker und klicken auf Vor. System-config-printer sucht nach Treibern und stellt Ihnen anschließend drei Vorgehensweisen zur Wahl (Abbildung 4).

Abbildung 4: Als erstes sollte Sie versuchen, den Drucker in der hauseigenen Druckerdatenbank zu aufzustöbern.
Abbildung 4: Als erstes sollte Sie versuchen, den Drucker in der hauseigenen Druckerdatenbank zu aufzustöbern.

Zunächst sollten Sie prüfen, ob Ihr System bereits einen passenden Druckertreiber mitbringt. Dazu stellen Sie sicher, dass Drucker aus Datenbank auswählen aktiv ist. Wählen Sie im unteren Bereich den Hersteller, klicken Sie auf Vor, suchen aus Sie der Liste links das Modell und wählen Sie rechts den Treiber aus (Abbildung 5). Meist macht System-config-printer auf diesem Weg sinnvolle Vorschläge, die Sie nur zu übernehmen brauchen.

Abbildung 5: Für den Canon iP4300 kennt System-printer-config gleich zwei Treiber.
Abbildung 5: Für den Canon iP4300 kennt System-printer-config gleich zwei Treiber.

Die Treiber unterscheiden sich mitunter in Funktionsumfang und Qualität (siehe Kasten „Hinter den Kulissen“). Greifen Sie im Zweifel auf den mit (empfohlen) gekennzeichneten zurück. Nach einem weiteren Klick auf Vor geben Sie dem Drucker noch einen eindeutigen Namen, ergänzen eine Beschreibung und tippen optional seinen Standort ein, wie etwa Keller oder Arbeitszimmer.

Betreiben Sie mehrere Drucker in Haushalt oder Büro, helfen diese Angaben später, in den Dialogen das richtige Modell zu identifizieren. Gewöhnlich reicht es, alle Vorgaben zu übernehmen. Via Anwenden machen Sie den Drucker im System bekannt. Es empfiehlt sich, abschließend eine Testseite zu drucken. So sehen Sie direkt, ob der gewählte Treiber funktioniert.

Hinter den Kulissen

Möchte eine Anwendung ein Dokument drucken, übergibt sie die Daten an das ständig im Hintergrund laufende Common Unix Printing System, kurz Cups. Falls notwendig, verschickt dieses das Dokument an den zuständigen Server – vorzugsweise mit Hilfe des Internet Printing Protocol, kurz IPP. Haben Sie den Drucker direkt ans System angeschlossen, stellt Cups den Auftrag zunächst in eine Warteschlange. System-config-printer zaubert diesen über Drucker | Zeige Warteschlange hervor.

Sobald der Auftrag an der Reihe ist, schiebt ihn Cups in einen so genannten Filter, der das Dokument in die Sprache des Druckers wandelt. Die Filter stammen aus unterschiedlichen Quellen: Mal liefert sie der Hersteller, mal entwickeln Freiwillige sie in ihrer Freizeit, wie etwa im Rahmen des Gutenprint-Projekts [1]. Aus diesem Grund stehen mitunter verschiedene Treiber (genauer: Filter) mit verschiedenen Funktionen und Druckergebnissen unter System-config-printer zur Auswahl.

Eine Ausnahme bilden Dokumente im Postscript-Format, die an einen Postscript-fähigen Drucker gehen: Diese stellt Cups direkt zu. Folglich verursacht die Inbetriebnahme solcher Drucker unter Linux in der Regel keinerlei Probleme. Cups bringt übrigens eine eigene, nicht ganz so komfortable Benutzeroberfläche mit. Sie erreichen sie in einem Browser unter der Adresse http://Server:631.

Fremdes Gesicht

Fehlt das von Ihnen eingesetzte Druckermodell in den Listen, haben Sie die Möglichkeit, System-config-printer im Internet nach (proprietären) Linux-Treibern auf die Suche zu schicken. Dazu aktivieren Sie im Schritt Wähle Treiber die Suche nach herunterladbaren Drucker-Treibern (Abbildung 6). In das auftauchende Eingabefeld tippen Sie nun Marke und Modellbezeichnung und stoßen anschließend die Suche an.

Alle Modelle, zu denen System-config-printer einen Treiber findet, sammelt die Auswahlliste Druckermodell. Finden Sie den Drucker darin, klicken Sie auf Vor und wählen dann im nächsten Fenster auf der linken Seite einen Treiber. Gemeinerweise lügt System-config-printer hin und wieder: Es behauptet dann zwar, im Internet einen Druckertreiber gefunden zu haben, die Liste bleibt im nächsten Schritt aber leer.

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