Aus LinuxUser 05/2011

Spezial-Editoren für LaTeX im Vergleich

© Marek Uliasz, 123rf.com

Setzkästen

Mit den richtigen Werkzeugen sagen Sie der Komplexität von LaTeX den Kampf an. Unser Vergleichstest hilft bei der Auswahl.

Fast 25 Jahre haben das Satzsystem TeX und das darauf aufbauende LaTeX bereits auf dem Buckel. Ursprünglich aus dem Umfeld der Universitäten stammend, hilft LaTeX heute nicht mehr nur beim Erstellen von Diplomarbeiten und Fachbüchern: Es kommt in vielen Verlagen zum Einsatz, baut Briefe gemäß DIN-Norm, spuckt professionelle Präsentationen aus und setzt komplexe mathematische Formeln in extrem hoher Qualität.

LaTeX funktioniert allerdings etwas anders als normale Textverarbeitungen: Sie schreiben Ihren Text in eine herkömmliche Textdatei und kennzeichnen die zu formatierenden Passagen, wie etwa Kapitelüberschriften, mit speziellen Schlüsselwörtern. Daraus bastelt dann ein LaTeX-Kommandozeilenwerkzeug eine druckfertige PostScript- oder PDF-Datei.

Spartanische Verbundenheit

Um LaTeX-Dokumente zu schreiben, genügt folglich ein einfacher Texteditor. Gerade bei umfangreichen Dokumenten geht jedoch schnell die Übersicht verloren; zudem haben Sie vielleicht nicht alle LaTeX-Befehle im Kopf, und der Formelsatz gerät bei komplexeren Termen schnell zu einem kryptischen Brei.

In dieser Situation helfen spezielle LaTeX-Editoren. Sie unterscheiden sich nicht nur im Funktionsumfang, sondern auch in der Arbeitsweise. Die Bandbreite geht dabei von speziell auf LaTeX zugeschnittenen Texteditoren über Entwicklungsumgebungen mit Projektmanagement für umfangreiche Dokumente bis hin zu grafischen Editoren, die schon fast wie herkömmliche Textverarbeitungen funktionieren und die kryptischen LaTeX-Befehle vor Ihren Augen verstecken.

Da liegt es nahe, die bekanntesten Vertreter der Gattung auf den Prüfstand zu stellen und Stärken und Schwächen auszuloten. Bis auf Gummi liegen alle Programme in den Repositories der großen Distributionen, teilweise stolpern Sie allerdings über extrem veraltete Exemplare. So bringt Ubuntu 10.10 beispielsweise die LaTeXila-Version 0.2.0 mit, aktuell liegt auf dem Projektserver aber bereits die Version 2.0.6. Deshalb lohnt es sich, vor der Installation einen kurzen Blick auf die jeweilige Homepage zu werfen.

Alle Programme halten verschiedene Vorlagen bereit, aus den Sie leicht ein neues Dokument erstellen. Meist handelt es sich allerdings nur um übliche Standardkost, wie Briefe und Buchvorlagen, die aber immerhin in deutschen Formaten daher kommen. Bis auf LaTeXila prüfen alle Programme die deutsche Rechtschreibung.

Im Hintergrund werkeln dabei durchweg alte Bekannte: Bei TeXworks etwa die aus OpenOffice bekannte Hunspell-Korrektur, die meisten anderen setzen auf Ispell beziehungsweise Aspell. Einen Thesaurus oder einer Grammatikprüfung suchen Sie hingegen vergebens. Das fertige PDF-Dokument erzeugen alle Probanden mit einem einfachen Mausklick auf ein entsprechendes Symbol. Die Kommandozeile und LaTeX selbst bleibt folglich verborgen.

Einfacher Arbeiter

Das auf der Qt-Bibliothek basierende TeXworks [1] kommt als aufgebohrter Texteditor daher. Die LaTeX-Befehle und Sonderzeichen hebt er farblich hervor (Syntax-Highlighting). Per Tastenkombination verwandeln Sie Textpassagen schnell in später nicht gedruckte Kommentare oder rücken sie übersichtlich ein beziehungsweise aus. Per [Tab] ergänzt TeXworks teilweise eingetippte Befehle oder Kürzel: Ein simples se erweitert sich so schnell zum kompletten \section{}. Dabei dürfen Sie auch eigene Kürzel vorgeben. Dazu gilt es aber, umständlich eine Konfigurationsdatei per Hand anzupassen.

Das Editor-Fenster blendet in einer Leiste auf Wunsch die Gliederung des Dokuments ein, über die Sie wiederum per Mausklick schnell durch das Dokument navigieren. TeXworks lädt immer nur einzelne LaTeX-Dateien. Setzt sich ein Projekt aus mehreren Teildokumenten zusammen, haben Sie zwar die Möglichkeit, diese über spezielle, TeXworks-eigene Kommentare zu verknüpfen, was aber umständlich ausfällt.

Alle Statusmeldungen landen in einem eigenen Bereich am unteren Fensterrand. Bei der Suche nach Fehlern helfen optional eingeblendete Zeilennummern, die passende Stelle zu finden – weitere Hilfestellungen bei der Fehlersuche gibt es allerdings nicht. Das fertige PDF-Dokument erscheint in einem zweiten Fenster, das die Grundfunktionen eines einfachen PDF-Viewers bietet (Abbildung 1).

Abbildung 1: TeXworks zeigt die Vorschau in einem separaten Fenster, das dann SyncTeX mit dem originalen Code auf der linken Seite verbunden bleibt.
Abbildung 1: TeXworks zeigt die Vorschau in einem separaten Fenster, das dann SyncTeX mit dem originalen Code auf der linken Seite verbunden bleibt.

Klicken Sie mit der linken Maustaste in die Vorschau und halten dabei [Strg] gedrückt, springt der Editor dank SyncTeX an die entsprechende Stelle in der Ausgangsdatei. Beim Erzeugen des fertigen Dokuments erstellt LaTeX einige temporäre Dateien, die TeXworks über einen kleinen Assistenten wieder von der Platte putzt. Damit wäre der komplette Funktionsumfang bereits umrissen.

Blick in die Zukunft

Noch spartanischer als TeXworks und auf GTK+ basierend kommt das noch recht junge Gummi [2] daher. Vorschau und Editor sitzen hier in einem gemeinsamen Fenster. Im Gegensatz zu TeXworks übersetzt Gummi die LaTeX-Befehle schon während der Eingabe im Hintergrund (Abbildung 2). Dadurch sehen Sie zwar das Endergebnis live, bei Fehlern gerät die Arbeit jedoch ins Stocken. Mit wachsender Textlänge schluckt Gummi zudem immer mehr Rechenkraft, was wiederum den Schreibfluss hemmt.

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