Aus LinuxUser 04/2011

MoonOS 4 „Neak“ im Kurztest

Was bin ich?

MoonOS 4 imitiert durch einige interessante Anpassungen äußerlich wie innerlich Mac OS X. Bei genauem Hinsehen steckt dann aber doch Ubuntu dahinter.

Wie so viele andere Distributionen fußt auch das neue MoonOS 4 [1] auf Ubuntu 10.10. Sein Codename „Neak“ könnte sich dabei auf das bekannte Bauwerk Neak Pean der Khmer beziehen, stammt doch der MoonOS-Entwickler Chanrithy Thim aus Kambodscha. Wahrscheinlicher ist aber eine Wortschöpfung aus new und freak. MoonOS 4 liegt als 832 MByte große Imagedatei zum Herunterladen [2] bereit.

Der Live-Desktop offenbart eine recht ungewöhnliche Benutzerführung und teilt den Arbeitsbereich quasi in zwei Bereiche: Am oberen Bildschirmrand residiert das gängige Gnome-Menü, unten gemahnt ein Anwendungsstarter an das Dock aus Mac OS X. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Leiste, wölben sich deren Symbole nach oben. Noch näher an Apples Dock rückt MoonOS aber mit dem leuchtenden Punkt für laufende Anwendungen unterhalb des jeweiligen Programm-Icons. Dahinter steckt die kleine Anwendung Docky [3].

Technische Daten

Name MoonOS 4 „Neak“
Entwickler Chanrithy Thim
Basis Ubuntu 10.10
Kernel 2.6.35-24
Desktop Gnome 2.32
Architektur i686
Besonderes New MoonOS File Hierarchy System, Appshell Framework, Docky

Apple outside

Allerdings verfolgt Docky den fruchtigen Ansatz nicht konsequent. So verbirgt sich hinter dem ständig aktiven Anker-Symbol nicht etwa ein Dateimanager, sondern lediglich Dockys Einstellungsdialog. Um ein Programm in den Hintergrund zu schicken, bemühen Sie den Minus-Knopf in der Fensterleiste. Unter dem Programmsymbol im Dock bleibt dabei der leuchtende Punkt erhalten und signalisiert so Aktivität. Über Plugins binden Sie Funktionen wie eine Uhr oder Abspielknöpfe für Medienprogramme ein.

MoonOS bedient sich aber noch ein zweites Mal gehörig im Obstladen: Mit dem New MoonOS File Hierarchy System bildet die Distribution im Kern die Ordnerhierarchie des Mac-OS-Systems nach. Man darf getrost bezweifeln, dass eingefleischte Debianer daran Gefallen finden, hier den /usr-Ordner zu suchen. Neuen Benutzern gerade aus der Apfel-Welt erleichtert MoonOS damit aber durchaus den Einstieg.

Ebenfalls vom kalifornischen Stamm gefallen ist die Idee, eine Anwendung in eine einzige Datei zu packen und diese an einem zentralen Ort zu verwalten.In MoonOS heißt das ganze Appshell Framework und gilt als eher experimentell. Lediglich drei Anwendungen nutzen derzeit vorinstalliert dieses ausbaufähige Feature.

Ubuntu inside

Wollen Sie MoonOS 4 auf die Festplatte bringen, wählen Sie aus dem Gnome-typischen Menü am oberen Bildschirmrand System | Administration | Install MoonOS 4. Zwar gibt es auf dem Desktop auch einen Link zur Installationsroutine, doch der funktioniert nicht. Der Installer richtet das System Ubuntu-typisch in wenigen Schritten ein und verlangt dazu lediglich die Angabe eines Benutzernamens und Passworts. Optional erlaubt er noch das manuelle Partitionieren der Festplatte. Bei einer funktionierenden Internet-Verbindung lädt MoonOS nach dem Festlegen der Zeitzone und des Tastaturlayouts sofort die deutschen Sprachpakete nach und startet dann neu.

Sieht man von dem vorinstallierten Docky und der gewöhnungsbedürftigen Dateibaumhierachie einmal ab, unterscheidet sich MoonOS 4 nicht grundlegend vom Ubuntu-Vorbild. Die Software-Auswahl folgt dem Ubuntu-Grundsatz „Jeder Arbeit eine Anwendung“. Die Büroarbeit erledigen Sie mit OpenOffice 3.2.1, mit Firefox 3.6 surfen Sie im Internet. Evolution, Pidgin und das Social-Network-Werkzeug Gwibber sorgen für ausreichend Online-Kontakt. Der Videoplayer Totem und die Musikbox Banshee bedienen den Multimediabereich, Codecs und den Allesspieler VLC installieren Sie problemlos über die Ubuntu-Quellen nach.

Fazit

MoonOS 4 „Neak“ bietet ein schickes Layout und ein für eingefleischte Linuxanhänger gewöhnungsbedürftiges, aber interessantes Dock. Unter der Haube verändern aber nur noch die persönliche Software-Auswahl des Entwicklers und das neue File Hierarchy System das ansonsten grundsolide Ubuntu 10.10. 

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