Aus LinuxUser 03/2011

Drucker und Multifunktionsgeräte voll ausreizen

© Nataliia Bielous, 123RF

Pretty Print

Wer sich einen Drucker zulegen will, muss genau hinsehen: Gerade neue Geräte unterstützt Linux oft noch nicht. Abhilfe schafft hier Turboprint, das neben ausgezeichneten Treibern auch mit professionellen Features glänzt.

Der Einsatz eines Druckers unter Linux stellt bei den meisten eingeführten Modellen kein Problem dar. Grafische Assistenten führen durch die Installation, und nach wenigen Mausklicks ist der Drucker startklar. In den meisten Fällen benötigen Sie dazu – dank des freien Gutenprint-Projektes – noch nicht einmal eine Treiber-CD-ROM, da Gutenprint in Verbindung mit CUPS, Foomatic und Co. über 700 unterschiedliche Druckermodelle unterstützt.

Entscheiden Sie sich jedoch für ein brandneues Gerät, für das es noch keine Linux-Treiber gibt, ist guter Rat zunächst teuer. Bei Laserdruckern helfen dann zwar oft Standardtreiber weiter, die mit der der Druckersprache PCL5 oder PCL6 arbeiten; neue Multifunktionsgeräte bleiben jedoch in aller Regel außen vor. Abhilfe schafft in vielen Fällen das kommerzielle Paket Turboprint [1], das für Allrounder der Hersteller Brother, Canon, Epson und HP eigene Treiber mitbringt und daher auch neu am Markt befindliche Modelle unterstützt [2].

Turboprint im Überblick

Produkt Turboprint 2.17-2 (29.11.2010)
Hersteller Zedonet GmbH, 87660 Irsee
URL http://www.turboprint.de
Funktionen
Druckertreiber 490 für Drucker von Brother (17 Modelle/Modellreihen), Canon (180), Epson (183), HP (110)
weitere Farbmanagement, Statusmonitor, Drucker-Applet, Druckvorschau, manueller Duplex-Druck
Voraussetzungen x86- oder x86_64-Architektur, 256 MByte RAM
Versionen / Preise(1)
Turboprint 2 Pro(2) 29,95 Euro (Einzelplatz, 2 Drucker) / 49,95 Euro (Familienlizenz für 3 Rechner, 5 Drucker)
Turboprint 2 Studio(2) 59,95 Euro (Einzelplatz, 2 Drucker) / 139,95 Euro (je 3 Rechner/Drucker) / 219,95 Euro (je 5 Rechner/Drucker)
Optionen
Media-Pack 15 Euro (CD, gedrucktes Handbuch)
2 Jahre Updates(2) 6,95 Euro (Pro) / 10 Euro (Pro Familienlizenz) / 15 Euro (Studio)
Farbprofileinmessung bei Erwerb 12,50 Euro, später 14,95 Euro
Update 1.x auf 2.x(2) ab 17,95 Euro
Studio XL 79 Euro (Druckformat ab DIN A2)
(1) elektronischer Vertrieb (Download); (2) 6 Monate Updates im Kaufpreis enthalten

Turboprint und Multifunktionsdrucker

Turboprint enthält auch Treiber für viele Multifunktionsdrucker, also Geräte, die einen Scanner und ein Fax integrieren. Dabei steuert Turboprint jedoch nur die Druckerkomponente an. Für den Betrieb des integrierten Scanners oder Faxgeräts gilt es separate Software einzusetzen, wie etwa jene des freien Sane-Projekts.

Auf die Platte

Turboprint erhalten Sie in einer funktionsfähigen Demo-Version mit 30 Tagen Laufzeit [3] kostenlos, die Software steht sowohl in einer 32- als auch einer 64-Bit-Variante bereit. Der Hersteller Zedonet bietet dabei vorkompilierte Pakete im DEB- und RPM-Format sowie ein TGZ-Archiv. Nach dem Download installieren Sie unter RPM- und DEB-basierten Distributionen das entsprechende Paket bequem per Mausklick. Verwenden Sie eine andere Distribution, entpacken Sie das TGZ-Archiv nach dem Herunterladen im Terminal mit dem Befehl

$ tar -xzf turboprint-Version.tgz

und wechseln anschließend ins neu entstandene Archivverzeichnis. Dort starten Sie die Einrichtung mit dem Befehl ./setup. Der Installer legt im weiteren Verlauf zwei Starter mit den Bezeichnungen TurboPrint Control und TurboPrint Monitor auf dem Desktop an. Zwei gleichnamige Einträge finden Sie unter Gnome außerdem im Menü System | Systemverwaltung.

Schlüsselübergabe

Nach Abschluss der Einrichtung gilt es einen Druckertreiber zu installieren. Nach Ende der Testphase beziehungsweise zum Freischalten des erworbenen Produkts müssen Sie zudem einen Lizenzschlüssel erwerben und eingeben, da die Software ansonsten die Ausdrucke mit Wasserzeichen markiert. Diese Aufgaben bewältigen Sie mithilfe von TurboPrint Control, das die zentrale Verwaltungsschnittstelle des Programms darstellt.

Beim ersten Aufruf der Software wählen Sie die verwendete Sprache und geben den Lizenzschlüssel ein, den Sie von Zedonet beim Erwerb per E-Mail erhalten haben. Die Schlüsseldatei sollten Sie zuvor auf Ihre Festplatte an einen sicheren Ort kopieren, um so eventuelle spätere Freischaltungen nach einer Neuinstallation der Software zu ermöglichen. Beachten Sie bitte, dass ältere Schlüsseldateien der 1.x-Versionen nicht mit den aktuellen 2.1x-Varianten von Turboprint kooperieren. Besitzen Sie bereits eine 1.x-Version des Programms, können Sie diese via Update-Lizenz kostengünstig auf den aktuellsten Stand bringen (siehe Tabelle „Turboprint im Überblick“).

Sobald Sie die Schlüsseldatei ins Programm integriert haben, zeigt Ihnen das Kontrollzentrum Ihre Lizenzbedingungen an (Abbildung 1). Negativ stechen hier die restriktiven Konditionen für die 30 Euro teuere Variante „Pro“ ins Auge: Das Programm verwaltet lediglich zwei Drucker und bietet für Farbtintenstrahlgeräte nicht die Option, eigene Farbprofile anzulegen und einzubinden. Für viele Anwender dürfte dieser leicht reduzierte Funktionsumfang ausreichen. Wollen Sie jedoch beispielsweise einen dedizierten Fotodrucker neben einem Laser- und einem Tintenstrahlgerät betreiben, sollten Sie jedoch die „Studio“-Lizenz für 60 Euro erwerben. Sie ermöglicht optional auch Ausdrucke in Formaten jenseits von DIN A3.

Abbildung 1: Mit einem per E-Mail übermittelten Lizenzschlüssel schalten Sie Turboprint frei.
Abbildung 1: Mit einem per E-Mail übermittelten Lizenzschlüssel schalten Sie Turboprint frei.

Zum Einrichten eines Druckertreibers klicken Sie im Kontrollzentrum auf die Schaltfläche Neu. Nach Eingabe des administrativen Passworts sucht Turboprint zunächst automatisch einen an den Rechner angeschlossenen Drucker. Im Test funktionierte das für Geräte an der USB-Schnittstelle perfekt, Drucker am Parallelport machten jedoch Probleme. Die Software öffnet dann jedoch ein Fenster, in dem Sie die nötigen Grundeinstellungen mit wenigen Mausklicks manuell vornehmen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Wenn es automatisch nicht klappt, stellen Sie Ihren Drucker manuell ein.
Abbildung 2: Wenn es automatisch nicht klappt, stellen Sie Ihren Drucker manuell ein.

Turboprint und CUPS

Da die meisten Linux-Distributionen bei der Installation automatisch den CUPS-Daemon [4] für die Druckeransteuerung mit auf die Platte packen, kümmern sich nach dem Einrichten von Turboprint gleich zwei Dienste um den Ausdruck. CUPS und Turboprint kooperieren jedoch friedlich: Neben eventuell bereits vorhandenen Druckern taucht im Menü Systemverwaltung | Drucken ein neues Modell tp0 auf, ein weiterer via Turboprint definierter Drucker erscheint als tp1 und so fort.

Ein Mausklick auf den Eigenschaftsdialog des jeweiligen Geräts zeigt dann das genaue Druckermodell mit dem Verweis auf Turboprint. Die Turboprint-Drucker lassen sich dabei genauso konfigurieren wie die von CUPS direkt angesteuerten Modelle. Erweiterte Einstellmöglichkeiten jedoch stehen nur unter Turboprint in dessen Kontrollzentrum zur Verfügung. Die grundlegende Verwaltung aller im System befindlichen Drucker dagegen nehmen Sie wie bisher über das Webinterface von CUPS wahr (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Turboprint-Treiber kooperieren auch hervorragend mit CUPS.
Abbildung 3: Die Turboprint-Treiber kooperieren auch hervorragend mit CUPS.

Alles unter Kontrolle

Turboprint bietet vor allem bei Tintenstrahldruckern außerordentlich umfangreiche Kontroll- und Konfigurationsmöglichkeiten, die das TurboPrint Kontroll-Zentrum sehr übersichtlich zusammenfasst. In dessen Fenster finden Sie mittig die eingestellten Druckermodelle, während oben und unten Schaltflächenleisten die Konfiguration und Wartung der Geräte ermöglichen. In der oberen Leiste installieren (Neu), modifizieren (Ändern) oder löschen (Löschen) Sie Druckertreiber. Hinter der Schaltfläche Konfigurieren verbirgt sich eine Sammlung von Werkzeugen, die ihresgleichen sucht: Viele Drucker bekommen selbst von ihren Herstellern nicht solch detailreiche Konfigurationsmöglichkeiten mit auf den Weg (Abbildung 4).

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