Aus LinuxUser 03/2011

Das Common Unix Printing System

© Alex White, 123RF

Knopf-Druck

Das Drucken einer einfachen DIN-A4-Seite erfordert mehr Aufwand, als man glaubt. Moderne Drucksysteme wie CUPS ersparen den Umgang mit komplizierten Kommandozeilentools und unübersichtlichen Steuerungsdateien.

Noch vor wenigen Jahren war Drucken für Linux-Anwender ein mühsamer Vorgang. Dienste wie LPD waren nicht nur umständlich zu installieren, sondern auch in der Bedienung alles andere als komfortabel. Mit CUPS [1] steht mittlerweile ein modernes Drucksystem zur Verfügung, das nicht nur eine Vielzahl von Geräten unterstützt, sondern sich dazu auch noch sehr einfach bedienen lässt. Kryptische Konsolenbefehle und unübersichtliche Konfigurationsdateien gehören der Vergangenheit an, denn CUPS bietet sowohl ein leicht zu benutzendes Webinterface, als auch zahlreiche grafische Tools, welche die Druckerverwaltung transparent machen. Als Anwender bekommen Sie davon zunächst gar nichts mit, denn das System integriert sich nahtlos in Gnome, KDE und andere Desktops.

So verwundert es nicht, dass die meisten Distributionen CUPS standardmäßig mitliefern. Je nach Distribution empfiehlt es sich jedoch, vor Inbetriebnahme noch zusätzliche Treiberpakete zu installieren. Unser Testsystem besteht aus einem Netbook mit der aktuellen Version von Xubuntu 10.10, auf dem wir mittels sudo apt-get install foomatic-filters-ppds foomatic-db cupsys-driver-gutenprint noch weitere Pakete einspielen. Als Drucker selbst dient ein schon etwas betagterer HP Laserjet 2300, der dank eingebauter Netzwerkkarte für alle PCs erreichbar ist. Weiterhin steht ein neuerer HP Officejet Pro 8500 zur Verfügung, den wir direkt per USB anbinden.

Druckerinstallation

Um die Funktionsweise von CUPS kennenzulernen, installieren Sie in einem ersten Schritt Ihre angeschlossenen Drucker in Gnome über System | Systemverwaltung | Drucken (Abbildung 1). Der Menüpunkt Server | Neu | Drucker öffnet einen Assistenten, der Sie Schritt für Schritt durch die Einrichtung des Geräts begleitet. Für einen HP-Netzwerkdrucker geben Sie beispielsweise unter Netzwerkdrucker | Netzwerkdrucker finden die IP-Adresse oder den Hostnamen ein, klicken auf Suchen – und der Assistent erkennt korrekt die JetDirect genannte Schnittstelle auf Port 9100. Bestätigen Sie dieses Ergebnis durch einen Klick auf Vor, werden automatisch die passenden Gerätetreiber gesucht.

Abbildung 1: Die Druckerverwaltung fungiert als grafische Schnittstelle zu CUPS.
Abbildung 1: Die Druckerverwaltung fungiert als grafische Schnittstelle zu CUPS.

Bei unserem Testgerät versagt die Erkennung jedoch, sodass wir die Treiberdatei manuell suchen müssen. Doch auch das gestaltet sich einfach: Über Drucker aus Datenbank auswählen finden Sie schnell das richtige Modell. Wählen Sie den als empfohlen markierten Treiber und bestätigen Sie mit Vor (Abbildung 2). Im letzten Fenster geben Sie dem Drucker einen Namen, eine Bezeichnung und füllen bei Bedarf den Standort aus. Diese Angaben zeigt CUPS später unter anderem in der Weboberfläche an, sie sollten idealerweise ohne Sonderzeichen sein. Über Anwenden richten Sie den Drucker schlussendlich ein. Drucken Sie nun eine Testseite – sofern alles korrekt funktioniert, halten Sie als Trophäe gleich eine A4-Seite mit großem Ubuntu-Logo samt Testmuster in den Händen.

Abbildung 2: Bereits im Auslieferungszustand hat CUPS zahlreiche Treiber mit an Bord.
Abbildung 2: Bereits im Auslieferungszustand hat CUPS zahlreiche Treiber mit an Bord.

Den Patzer bei der Erkennung des Laserjet macht CUPS bei unserem Officejet schnell wieder wett: Keine fünf Sekunden, nachdem wir das All-in-one-Gerät per USB angeschlossen haben, startet die automatische Druckererkennung (Abbildung 3) und installiert ohne weitere Rückfrage den korrekte Treiber innerhalb von einer Minute. Mit einem versuchsweise angesteckten A3-Drucker gelingt das Kunststück ebenfalls. Klappt das bei Ihrem Modell nicht, benutzen Sie wie oben beschrieben den Assistenten, in dem Sie die per USB erkannten Geräte allesamt in der linken Fensterhälfte finden.

Abbildung 3: Die automatische Erkennung am USB-Anschluss funktioniert im Test tadellos.
Abbildung 3: Die automatische Erkennung am USB-Anschluss funktioniert im Test tadellos.

Auf unserem Testsystem sind nun zwei Drucker funktionsfähig installiert. Die nahezu selbsterklärende Verwaltung der Geräte erfolgt ebenfalls über System | Systemverwaltung | Drucken. Mit einem Rechtsklick auf den Druckernamen und Eigenschaften öffnen Sie die Druckerkonfiguration (Abbildung 4), in der Sie verschiedene Wartungsaufgaben vornehmen, den Drucker umbenennen, Start- und Endseiten einstellen, das Seitenformat und die Qualitätsstufe anpassen sowie die Freigabe-Einstellungen konfigurieren. Die möglichen Optionen hängen nicht zuletzt von Drucker und Treiber ab.

Abbildung 4: Am bequemsten gelingt die grafische Konfiguration.
Abbildung 4: Am bequemsten gelingt die grafische Konfiguration.

Einer für alle

Bis hierhin gab sich alles noch recht unspektakulär. Interessant wird es erst mit der Tatsache, dass die gezeigte Druckerverwaltung nicht etwa ein eigenes Drucksystem von Gnome oder KDE ansteuert, sondern lediglich als Schnittstelle zu CUPS funktioniert. Daher speichert das System sämtliche Einstellungen zentral, wo sie unabhängig vom Anwendungsprogramm und der Desktopumgebung zur Verfügung stehen. Anders gesagt: Drucker, die Sie unter Gnome einrichten, stehen ebenso unter KDE oder XFCE zur Verfügung und umgekehrt – egal ob Sie mit Inkscape, Scribus, Gimp oder LibreOffice arbeiten.

Wer darf CUPS konfigurieren?

Weitergehende Administrationsaufgaben in CUPS darf standardmäßig nur der erste angelegte Benutzer vornehmen, der Mitglied der Gruppe lpadmin ist. Soll beispielsweise auch der Benutzer hansmuster administrativen Zugriff bekommen, fügen Sie ihn mit sudo adduser hansmuster lpadmin dieser Gruppe hinzu.

Dabei hält CUPS neben grafischen Tools auch diverse Kommandozeilenprogramme bereit. Eines davon hört auf den Namen cupsctl und dient der Konfiguration des Drucksystems. Probieren Sie es aus: Mit

$ sudo cupsctl --no-debug-logging --remote-admin --no-remote-any --remote-printers --share-printers --user-cancel-any

in der Konsole, gefolgt von einem sudo restart cups, aktivieren Sie die Freigaben im lokalen Netzwerk, stellen das allzu umfangreiche Debug-Log aus und erlauben Benutzern, jeden Druckjob selbst abzubrechen. So eingestellt, arbeitet CUPS bereits als vollständiger Printserver und spielt jetzt seine Stärken so richtig aus.

Firewall für den Netzwerkdruck öffnen

CUPS bietet seine Dienste mittels IPP auf Port 631 (TCP und UDP) an. Wenn Sie Ihre Drucker im Netzwerk freigeben, schalten Sie den Port erst in Ihrer Firewall frei. Unter Ubuntu bewerkstelligen Sie dies beispielsweise mit dem Befehl

$ sudo ufw allow from 192.168.0.0/16 to any port 631

Achten Sie dabei darauf, die Freigabe nur für das lokale Netzwerk anzulegen, denn sonst kann theoretisch jedermann aus dem Internet auf ihren Printserver zugreifen und Papier verbrauchen, oder bei Faxdruckern gar auf Ihre Kosten Telefonverbindungen aufbauen.

Vermutlich ist Ihnen schon aufgefallen, dass CUPS jeden Drucker standardmäßig so einrichtet, dass er im Netzwerk zur Verfügung steht und von jedem Benutzer angesteuert werden darf. Für einen Test starten Sie auf einem beliebigen anderen Linux-PC die Druckerverwaltung, und ohne weiteres Zutun erscheinen die beiden freigegebenen Drucker unter System | Systemverwaltung | Drucken. Fahren Sie mit der Maus über ein Drucker-Icon, informiert ein Flyout darüber, dass es sich um einen automatisch gefundenen Netzwerkdrucker handelt (Abbildung 5).

Abbildung 5: Nach kurzer Konfiguration sind die Drucker auf allen Clients verfügbar.
Abbildung 5: Nach kurzer Konfiguration sind die Drucker auf allen Clients verfügbar.

Doch nicht nur die Druckerverwaltung, auch alle Anwendungsprogramme können schon auf den Drucker zugreifen. So listet LibreOffice die erkannten Drucker ebenso auf wie Gimp (Abbildung 6). Das Schöne daran: Ist der Printserver einmal nicht erreichbar, tauchen auch die freigegebenen Drucker nicht auf. Geht der Drucker wieder online, sorgt CUPS dafür, dass er binnen Sekunden auch im Netz zur Verfügung steht – Sie sehen also quasi live, welche Geräte sich nutzen lassen.

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