Aus LinuxUser 02/2011

Satelliten verfolgen mit Gpredict (Seite 2)

Abbildung 2: Zur Auswahl stehen 1200 wahlweise gruppierte Satelliten.
Abbildung 2: Zur Auswahl stehen 1200 wahlweise gruppierte Satelliten.

Als sehr hilfreich bei der Suche erweist sich die Möglichkeit, die Auswahlliste nur für eine bestimmten Kategorie anzeigen zu lassen, etwa Space & Earth Science (Weltraum- und Erderkundung) oder Geostationary. Es gibt aber auch Kategorien (Groups) wie etwa Latest Launches, also die zuletzt gestarteten Satelliten.

Jedes neue angelegte Modul findet seinen Platz in einem eigenen Reiter. Die zugeordneten Satelliten erscheinen in der Weltkarte mit ihrer jeweiligen Ausleuchtzone. Positionieren Sie den Mauszeiger über einem Satelliten, erscheint (zumindest bei Versionen nach Gpredict 0.9) eine kleine Info mit den aktuellen Koordinaten und der verbleibenden Zeit in Minuten bis zum nächsten Aufgang (AOS) über dem Horizont des Beobachtungsortes. Ist der Satellit gerade über dem Beobachtungsort zu sehen, gibt Gpredict stattdessen die Anzahl der Minuten bis zum Untergang (LOS). Um für einen Satelliten dessen Bahnkurve (Ground track) zu sehen, aktivieren sie die Funktion über das Kontextmenü mittels rechter Maustaste.

Bahndaten

Mit dem Menüpunkt Future passes erhalten Sie eine Tabelle mit den in den nächsten drei Tagen stattfindenden Passagen. Die rechte Spalte Vis („Visibility“) zeigt an, ob Sie die Passage auch beobachten können (V). Ein E („eclipsed“) weist darauf hin, dass der Satellit vermutlich verfinstert ist: Ein Satellit lässt sich dann am besten als Lichtpunkt erkennen, wenn die Sonne ihn noch bescheint, während am Beobachterstandort bereits Nacht oder zumindest fortgeschrittene Dämmerung herrscht.

Um diese Spalte zu aktivieren, setzen Sie unter Edit | Preferences in der Hauptgruppe Predict des Reiters Multiple Passes das Häkchen bei Visibility during pass. Diese Einstellung hat Gpredict übrigens dem bereits erwähnten Heavens Above voraus, das nur sichtbare Passagen liefert. Das kann (unter anderem) auch ein Grund sein, wenn sich die Angaben der beiden Anwendungen zu Satellitendurchläufen unterscheiden.

Der Doppelklick auf eine Zeile der Satellitenliste zeigt dann eine detaillierte Aufstellung mit Informationen über die Passage (Abbildung 3), wobei der erste Reiter eine Tabelle mit Daten einzelner Positionen auf der Bahn am Himmel enthält. Dazu zählen unter anderem Datum und Uhrzeit sowie die Koordinaten in Form von Azimut (Az) und Elevation (El). Die Gradangaben in der Spalte El zeigen, wie hoch sich der Satellit zu einem bestimmten Zeitpunkt über dem lokalen Horizont befindet (größter positiver Wert). Je nach maximaler Elevation und Höhe der Umlaufbahn zieht der jeweilige Satellit schneller oder langsamer über den Himmel.

Abbildung 3: Die Passage-Details für den Infrarot-Teleskop-Satelliten WISE ("Wide-field Infrared Survey Explorer") am 7. Dezember 2010 morgens.
Abbildung 3: Die Passage-Details für den Infrarot-Teleskop-Satelliten WISE („Wide-field Infrared Survey Explorer“) am 7. Dezember 2010 morgens.

Anschauliches

Zur grafischen Veranschaulichung bietet der zweite Reiter ein sogenanntes Polardiagramm (Abbildung 4), das in der Voreinstellung auch im Hauptfenster unten links erscheint. Es zeigt den lokalen Himmel ohne Sterne und Sternbilder, lediglich mit den Himmelsrichtungen. Die Orientierung der Karte passen Sie je nach Beobachtungsrichtung an. Dazu setzen Sie in Edit | Preferences in der Hauptgruppe General des Reiters Polar View den Radiobutton bei N/W/S/E.

Der dritte Reiter Az/El enthält ein sogenanntes Sichtbarkeitsdiagramm, das die Sichtbarkeit des gewählten Satelliten recht einfach erkennen lässt. Die Tabelle (des ersten Reiters) lässt sich auch ausdrucken und speichern.

Abbildung 4: Das Polardiagramm zeigt die Flugbahn (Passage) der Internationalen Raumstation ISS am Himmel über Stuttgart frühmorgens am 13. Dezember 2010.
Abbildung 4: Das Polardiagramm zeigt die Flugbahn (Passage) der Internationalen Raumstation ISS am Himmel über Stuttgart frühmorgens am 13. Dezember 2010.

Jedes Modul besitzt auf der rechten Seite einen kleinen Pfeilknopf, der ein Popup-Menü mit zehn Einträgen aufklappt. Als besonders interessanter Menüpunkt fällt hier Sky at a Glance auf, der ein Sichtbarkeitsdiagramm der im Modul zugeordneten Satelliten auf einer Zeitachse darstellt (Abbildung 5). Mit dessen Hilfe erkennen Sie schnell, welcher Satellit wie oft innerhalb eines in den Voreinstellungen konfigurierten Zeitraums (Vorgabe: 8 Stunden) sichtbar ist.

Abbildung 5: Äußerst nützlich: Das Sichtbarkeitsdiagramm der gewählten Satelliten.
Abbildung 5: Äußerst nützlich: Das Sichtbarkeitsdiagramm der gewählten Satelliten.

Gpredict beschränkt sich aber nicht auf den aktuellen Tag oder Vorhersagetabellen, sondern bietet auch die Möglichkeit, Zeitabläufe zu beschleunigen und auch die Zeit rückwärts laufen zu lassen. Dies ermöglicht der Time Controller aus dem selben Popup-Menü.

Ferngesteuert

Zu guter Letzt darf noch ein wichtiges Feature von Gpredict nicht unerwähnt bleiben: die Radio- und Antennensteuerung mittels der Hamlib-Bibliotheken. Diese ermöglichen eine Bedienung von Amateurfunkanlagen vom PC aus und steuern bei Bedarf spezielle Antennenrotierer an, die Gpredict auf diesem Weg einem ausgewählten Satelliten nachführt. Mangels entsprechender Hardware konnte der Autor dieses Features allerdings nicht testen. Allgemeine Informationen zu diesem als Computer Aided Tuning bezeichneten Verfahren finden Sie bei Wikipedia [5], alle Details liefert ein ausführliches Hamlib-Tutorial im Gpredict-Handbuch ([6], auch auf der Heft-DVD).

Fazit

Gpredict präsentiert sich als rundum gelungene Tracking-Software zur Vorhersage von Satellitenpassagen und nebenbei als Fernsteuerung für Amateurfunkanlagen. Die Programmoberfläche lässt sich einfach bedienen und bietet alle wichtigen Funktionen. Das gut strukturierte 64-seitige PDF-Handbuch (in Englisch) und fast durchgängig gut gepflegte Tooltips helfen dabei, mit dem Programm gut zurechtzukommen. 

Glossar

LEO

Low Earth Orbit. Niedrige Erdumlaufbahn zwischen 200 und 1200 Kilometern Höhe.

GEO

Geostationary Earth Orbit. In einer Höhe von knapp 36?000 Kilometer über dem Äquator entspricht die Winkelgeschwindigkeit einer Erdumkreisung pro Tag. Ein dort platzierter Satellit befindet sich stets über der gleichen Stelle der Erdoberfläche.

Footprint

Der Bereich auf der Erdoberfläche, von dem aus der Satellit zu sehen ist.

QTH-Locator

Auch QRA- oder Maidenhead-Locator [7]. Definiert den Standort anhand von Feldern eines geodätischen Netzes. Ende der 1950er-Jahre von Funkamateuren entwickelt und mehrfach modifiziert, dient er der einfacheren Berechnung von Entfernung und Richtung zwischen Funkteilnehmern. Der QTH-Locator für Stuttgart lautet beispielsweise JN48OQ.

TLE

Two Line Elements. Gebräuchliches Format, das Satellitenbahnelemente als Ziffernblöcke in zwei Zeilen darstellt.

AOS

Acquisition of Signal. Die Erfassung des Satellitensignals.

LOS

Loss of Signal. Der Verlust des Satellitensignals.

Azimut

Der an den Himmelsrichtungen orientierte horizontale Winkel am Horizont.

Elevation

Der Höhenwinkel über dem lokalen Horizont.

Hamlib

Die HAM-Funkanlagen-Bibliotheken ermöglichen es, Steuerungsprogramme für Amateurfunkausrüstung wie Sender/Empfänger oder Antennenrotierer zu schreiben. „Ham“ ist ein angelsächsischer Jargonausdruck für Funkamateure.

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