Aus LinuxUser 02/2011

Musiksammlungen verwalten mit Beets

© FotoClip Collection

Ton-Leiter

Viele Musikliebhaber hören Songs am liebsten direkt aus der MP3-Sammlung. Dabei bringt Beets Ordnung ins Chaos der Lieder und Alben.

Musikliebhaber, die ihre Musik vorwiegend auf der Festplatte vorhalten, kennen das Problem: Schnell geht die Übersicht über die Sammlung verloren, das Finden einzelner Tracks artet zum Geduldsspiel aus. Abhilfe schafft das kommandozeilenorientierte Programm Beets [1]: Es indiziert rekursiv ganze Verzeichnisbäume, schreibt die Treffer in eine Datenbank und sortiert die Audiodateien an anderer Stelle in einer übersichtlichen Ordnerstruktur. Als Dreingabe korrigiert oder ergänzt es dabei noch fehlerhafte oder fehlende ID3-Tags.

Installation

Bei Beets handelt es sich um ein Python-Programm, das Sie beispielsweise unter Ubuntu direkt über Pip [2] einrichten, den Python Package Installer. Als Grundlage für Pip und Beets benötigen Sie vorab noch die Bibliotheken python-dev, python-setuptools und python-pip. Das Installieren der Musikverwaltung übernimmt im Anschluss der Befehl sudo pip install beets.

Nutzen Sie eine Distribution, für die Pip nicht zur Verfügung steht, laden Sie den Beets-Tarball von der Projektseite herunter [3], entpacken ihn und richten das Programm mit dem Kommando sudo python setup.py install im System ein. Der Installer lädt dabei automatisch einige weitere benötigte Bibliotheken, etwa python-musicbrainz2 aus dem Internet nach.

Am Anfang war die Datenbank

Bevor Sie richtig loslegen, gilt es Beets zu konfigurieren. Dazu legen Sie, falls nicht vorhanden, die Konfigurationsdatei .beetsconfig in Ihrem Heimatverzeichnis an. Darin legen Sie fest, welche Pfade das Programm zukünftig verwendet. Im Beispiel aus Listing 1 verwendet das Programm das Verzeichnis ~/Musikdatenbank/beets.blb zum Speichern der Datenbank und ~/Musik für die Audiodateien selbst.

Listing 1

[beets]
directory: ~/Musik
library: ~/Musikdatenbank/beets.blb

Beachten Sie, dass Beets ähnlich wie iTunes sämtliche von ihm verwalteten Stücke in das gewählte Musikverzeichnis kopiert, sodass die Dateien anschließend doppelt auf der Festplatte liegen. In der Konfigurationsdatei geben Sie daher nicht die Quelle ihrer bestehenden Sammlung, sondern das Ziel für die Beets-Bibliothek an. Das hat auch einen guten Grund, denn wenn beim Import der Dateien etwas schief geht, bleiben die Originale unangetastet. Möchten Sie lieber Platz sparen, ergänzen Sie die Konfigurationsdatei um die Anweisung import_copy: no. In diesem Fall belässt Beets die Dateien am ursprünglichen Platz.

Der erste Import

Nach Abschluss der Vorarbeiten beginnen Sie mit dem Import der ersten Lieder. Der Aufruf beet import -A ~/Desktop/alben/pink_floyd_pulse/ (beachten Sie, dass der Befehl beet ohne abschließendes s heißt) liest das im angegebenen Verzeichnis enthaltene Album in die Datenbank ein und kopiert die Lieder in das in der Konfigurationsdatei festgelegte Musikverzeichnis.

Da Beets die Verzeichnisse rekursiv abarbeitet, können Sie auch einfach das übergeordnete Verzeichnis benennen, um alle darin enthaltenen Musikdateien zu indizieren. Ein beet import -A ~/Desktop/alben/ lädt so nicht nur das Pink-Floyd-Meisterwerk in die Datenbank, sondern berücksichtigt auch die Beatles-Sammlung und die Diskografie des London Symphony Orchestra im zweiten und dritten Unterordner.

Der im Beispiel verwendete Schalter -A sorgt dafür, dass bestehende Metadaten (MP3-Tags wie Titel oder Album) bestehen bleiben. Soll Beets stattdessen automatisch versuchen, die passenden ID3-Tags über das Internet zu ermitteln, dann lassen Sie den Parameter einfach weg und rufen nur beet import ~/Desktop/alben/ auf. Im Test funktionierte das allerdings nur sehr bedingt: Im Fall der losen Beatles-Sammlung schlug das so genannte Autotagging ganz fehl, da kein korrektes Album zugeordnet war. Bei Pink Floyds „Pulse“ zeigte Beets zahlreiche Alternativvorschläge – auf die einfache Idee, dass es sich bei den Aufnahme um CD 1 und CD 2 handelte, kam es jedoch nicht, obwohl diese Angaben sogar in den Metadaten der Audiodateien standen. Immerhin lädt Beets zusätzlich zu den Tags auch die jeweiligen CD-Cover herunter, sofern vorhanden,.

Zwar kopiert das Programm bei einem erneuten Import der Musiksammlung die bereits eingefügten Lieder nicht noch einmal, legt sie aber ein zweites Mal in der Datenbank an.

Wer sucht, …

Einen ersten Überblick über das vorhandene Material liefert die Statistikfunktion, die Sie mit beet stats abrufen (Abbildung 1). Die im Test verwendete Zusammenstellung sorgt immerhin schon für fast zehn Stunden Musikgenuss in 124 Liedern aus 93 verschiedenen Alben.

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1 Kommentar auf "Musiksammlungen verwalten mit Beets"

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Eigentlich habe ich gedacht mit beets kann ich id3 Tags auslesen, aber das scheint gar nicht zu gehen.
Oben hat es geheissen ich kann Metadaten auslesen, aber das ist glaube ich ein bischen positiv ausgedrückt, oder liege ich da falsch?
Gruss