Aus LinuxUser 09/2010

Shotwell ordnet digitale Fotos vollautomatisch (Seite 2)

Abbildung 4: Das Shotwell-Hauptfenster zeigt nach dem Start die Übersicht aller Bilder.
Abbildung 4: Das Shotwell-Hauptfenster zeigt nach dem Start die Übersicht aller Bilder.

Sie können die Bilder zusätzlich mit Schlagworten („Tags“) versehen und anschließend nach diesen gruppieren. Auch diese Tags erscheinen in der Sidebar unterhalb des entsprechenden Eintrags. Dies, wie viele andere Funktionen, steuern Sie bei Bedarf bequem und schnell über die Tastatur (siehe Tabelle „Tastenkombinationen“). Allerdings unterstützt das Programm derzeit noch keine hierarchischen Schlagwortstrukturen, wie das etwa F-Spot anbietet. Die Entwickler denken aber über ein entsprechendes Feature nach.

Tastenkombinationen

Tastenkürzel Funktion
[Strg]+[I] Bilder importieren
[Strg]+[Umschalt]+[E] Bilder exportieren
[Strg]+[P] Bilder drucken
[Strg]+[Umschalt]+[P] Bilder veröffentlichen (Web-Alben)
[Strg]+[B] Bild als Hintergrundbild verwenden
[Strg]+[Eingabe] Bild mit externen Programm öffnen
[Strg]+[Umschalt]+[M] Bild im Dateimanager öffnen
[Strg]+[N] Neues Ereignis definieren
[Strg]+[T] Tags hinzufügen
[Strg]+[M] Tags ändern
[Strg]+[Umschalt]+[I] Bildinformationen anzeigen
[Strg]+[Umschalt]+[X] Erweiterte Bildinformationen anzeigen
[Strg]+[F] Bild als Favorit markieren
[Strg]+[Umschalt]+[F] Nur Favoriten anzeigen
[Strg]+[H] Bild verstecken
[Strg]+[Umschalt]+[H] Versteckte Fotos anzeigen
[F2] Bild umbenennen
[F5] Diaschau
[F11] Vollbildmodus
[Entf] Bild in Papierkorb verschieben
[Strg]+[Q] Shotwell beenden

Durch einen Mausklick Sie auf den Eintrag Fotos erhalten Sie eine Übersicht aller Bilder in der Datenbank. Diese Liste ordnen Sie über den Punkt Anzeigen | Fotos sortieren nach Kriterien wie Dateiname oder Aufnahmedatum. Unter dem Eintrag Papierkorb finden Sie gelöschte Bilder und können diese gegebenenfalls wiederherstellen.

Shotwell zeigt auf Wunsch einzelne Motive an, setzt sie als Desktop-Hintergrund ein, bietet eine Funktion zum Drucken und exportiert ausgewählte Bilder als Web-Album in Portale wie Flickr, Facebook und Picasa. Die notwendigen Account-Daten für das jeweilige Portal fragt Shotwell beim Login ab.

Gruppieren

Wie schon beschrieben gruppiert Shotwell zeitlich zusammengehörige Bilder in Events. Diese „Ereignisse“ erstellt die Software automatisch und zeigt sie in der Seitenleiste an. Dabei passiert es unter Umständen, dass an einem Tag mehrere Events erscheinen, sofern eine ausreichend große zeitliche Lücke zwischen den Fotos vorhanden ist.

Wählen Sie einen größeren Zeitrahmen aus, beispielsweise einen Monat oder ein Jahr, zeigt Shotwell zu jedem Event genau ein Bild an – voreingestellt ist das erste Foto (Abbildung 5). Im Kontextmenü zum Einzelbild erlaubt der Eintrag Zum Schlüsselfoto für dieses Ereignis machen Alternativen auszuwählen.

Abbildung 5: Unterhalb der Bilder zeigt Shotwell die Anzahl der zu dem Event gehörenden Bilder an und gibt in der Statuszeile eine statistische Übersicht aus.
Abbildung 5: Unterhalb der Bilder zeigt Shotwell die Anzahl der zu dem Event gehörenden Bilder an und gibt in der Statuszeile eine statistische Übersicht aus.

Sie können Events auch selbst definieren. Dazu wählen Sie die gewünschten Bilder manuell aus und gruppieren sie mittels [Strg]+[N] zu einem neuen Ereignis. Das erscheint anschließend zusammen mit den automatisch erzeugten Events zeitlich richtig einsortiert in der Übersicht. Über das Kontextmenü vergeben Sie einen aussagekräftigen Namen für das Ereignis.

Einprägsamer als Kalenderdaten sind aber Schlagworte („Tags“), die Sie für ein Bild vergeben. Derzeit stellt Shotwell hier allerdings nur recht rudimentäre Funktionen bereit. So haben Sie die Möglichkeit, für ausgewählte Bilder über das Kontextmenü neue Tags zu vergeben sowie bestehende Schalgworte zu ändern oder zu entfernen. Shotwell erlaubt auch mehrere Tags pro Bild, doch das reicht bei weitem nicht aus, um diese Möglichkeit effektiv einzusetzen.

Insbesondere beherrscht die Software kein automatisches Ergänzen, sodass Sie Tags stets in kompletter Länge manuell eingeben müssen. Das öffnet Vertippern Tür und Tor und führt schnell zu langen Bearbeitungszeiten. Auch kennt Shotwell bisher keine Tag-Hierarchien, die aber zum sinnvollen Gruppieren von Stichwörtern unumgänglich wären. Immerhin diskutieren die Entwickler eine Funktion zum Vervollständigen der Schlagworte, die vermutlich vermutlich in die nächste Version Einzug hält.

Egänzend zum Gruppieren über Ereignisse oder Tags können Sie Bilder auch „bewerten“, wobei Shotwell jedoch nur die zwei Möglichkeiten Als Favoriten markieren und Verstecken anbietet – das reicht bei Weitem nicht aus. Andere Applikationen bieten hier ein System mit mehreren Sternen oder ähnlichen Symbolen. Bei Verstecken handelt es sich immerhin um einen interessanten neu Ansatz: Das Bild verschwindet zwar aus den Ansichten, bleibt aber in der Datenbank enthalten. Sie holen es gegebenenfalls über Anzeigen | Versteckte Fotos wieder hervor (siehe dazu auch Tabelle „Tastenkombinationen“).

Bildbearbeitung

Shotwell unterstützt beim Bearbeiten der Bilder das veränderungslose Editieren („non-destructive editing“). Die Dateien bleiben also immer in der ursprünglichen Form erhalten, alle Veränderungen speichert Shotwell lediglich in Form von Anweisungen in der Datenbank. Damit Shotwell geänderte Bilder als neue Dateien anlegt, müssen Sie diese explizit über Datei | Exportiere … speichern. Das erscheint auf den ersten Blick als cleverer Ansatz, funktioniert aber nur mit speziell dafür entwickelten Werkzeugen.

Genau darin liegt eines der Mankos der Applikation: Es gibt bisher nur ganz wenige Werkzeuge, die zudem qualitativ bei weitem nicht an das heranreichen, was beispielsweise Gimp oder Digikam leisten. Die Rotation beispielsweise funktioniert nur in Schritten von 90 Grad, und auch die Farb- und Belichtungswerkzeuge bieten nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten. Unlogisch erscheint zudem die Plazierung der Werkzeuge: Fünf finden Sie im Einzelbildmodus am unteren Rand, zwei weitere Funktionen zum horizontalen und vertikalen Spiegeln tauchen aber in der Ansicht Foto auf.

Positiv stechen das einfache Bedienkonzept und die schnelle Reaktion auf Veränderungen hervor, sodass die Arbeit flüssig von der Hand geht. Erstaunlich gut funktioniert übrigens das automatische Verbessern von Aufnahmen, was zu einem besseren Kontrast führt. Das Skalieren von Bildern dagegen gelingt nur über einen Umweg: Beim Export bietet die Software an, die gewünschte (verkleinerte) Zielgröße – und bei JPGs die Qualität – manuell festzulegen. Ein so erzeugtes Bild müssen Sie anschließend erneut importiert und damit in die Datenbank aufnehmen.

Über [Strg]+[Eingabe] übergeben Sie das aktuelle Bild an ein externes Programm wie Gimp. Hier steht Ihnen dann der volle Umfang einer Bildbearbeitung zur Verfügung. Das klappt allerdings nur für jeweils ein Bild, sodass Sie beim Bearbeiten einer Bilderserie besser auf den Batch-Modus von Gimp oder die Imagemagick-Skripte zurückgreifen. Der Einsatz eines externen Programms hebelt in den meisten Fällen allerdings das Konzept des veränderungslosen Editierens aus.

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