Aus LinuxUser 08/2010

Alltagstaugliche Mini-Distribution

© Arinas74, sxc.hu

Rasend schnell

Schlank, schnell und trotzdem voll einsatzbereit – mit Slitaz verwandeln Sie einen museumsreifen PC in eine robuste Arbeitsmaschine.

README

Ob als rasantes Live-CD-System zur Datenrettung oder als Frischzellenkur für alte PCs – das Live-System Slitaz überrascht mit äußerst sparsamen Platzbedarf alltagstauglicher Ausstattung.

Der alte PC im Keller hat Hardware im Gehäuse, die längst nicht mehr mit aktuellen Mainstream-Betriebssystemen harmoniert. Das Gerät, für das einstmals fast ein Monatsgehalt über den Ladentisch ging, einfach entsorgen? Nicht nötig, denn mit der kleinen, aber feinen Linux-Distribution Slitaz hauchen Sie der alten Hardware neues Leben ein. Gegen das wieselflinke Linux-System wirken selbst schlanke Linux-Derivate wie Puppy Linux schwerfällig und übergewichtig.

Technisches

Slitaz [1] kommt als gerade einmal rund 30 MByte großes ISO-Image. Das System wartet mit einem recht aktuellen Linux-Kernel 2.6.30.6, X.org 7.4 und mit Busybox auf, das sich im Embedded-Segment großer Beliebtheit erfreut. Damit Sie sich nicht ins 20. Jahrhundert zurückversetzt fühlen, ergänzt Slitaz diese Ausstattung mit dem schlanken Windowmanager Openbox und – darauf aufbauend – mit LXDE als ausgereiftem kleinen Desktop.

Da die Entwickler das System direkt aus den Quellen kompilieren und nicht auf eine bereits bestehende Distribution aufsetzen, verfügt Slitaz über ein eigenes Paketmanagementsystem. Die Softwareauswahl sowohl für den Live-Betrieb als auch die Repositories wurden konsequent von ressourcenfressenden Applikationen befreit.

Los geht’s

Die Live-Variante von Slitaz bietet die Möglichkeit an, Daten und Einstellungen auf externen Medien wie USB-Sticks abzulegen. Alternativ installieren Sie das System auf die Festplatte. Für dieses Unterfangen benötigen Sie mindestens 500 MByte freien Speicher auf dem Ziellaufwerk. Sofern der Rechner über 128 MByte RAM und eine Pentium-CPU verfügt, lädt Slitaz das gesamte System von der Live-CD in den Arbeitsspeicher.

Beim Booten fragt ein Skript zunächst die Sprach- und Tastatureinstellungen ab, denn der Linux-Winzling spricht bereits ab Werk Deutsch, Englisch, Französisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch. Dann bootet das System mit geringer Verzögerung in die grafische Oberfläche LXDE. Der Desktop begrüßt den Anwender in dunklen Farben und mit lediglich drei Icons auf der Oberfläche. Hinzu kommt eine Panelleiste am unteren Bildschirmrand.

Erscheinen Ihnen die dunklen Farben zu depressiv oder möchten Sie den Hintergrund modifizieren, nehmen Sie mithilfe eines Rechtsklicks in die Arbeitsoberfläche einige grundlegende Einstellungen vor. Das Kontextmenü verzweigt im Eintrag Openbox | ObConf in den Konfigurationsmanager von Openbox, der in übersichtlicher Form entsprechende Modifikationen gestattet.

Ein besonderes optisches Schmankerl hält Slitaz im Menü Desktop Effects bereit: Durch einen Linksklick auf einen der Einträge Activate composite, Activate shadows oder Activate shadows/fade werten Sie den Desktop zum echten Hingucker auf – und das selbst dann, wenn das System über keine moderne Grafikkarte mit 3D- und Composite-Fähigkeiten verfügt. Im Test zeigte ein älteres System mit integrierter Intel-Grafikkarte ohne spürbare Geschwindigkeitseinbußen problemlos moderne und elegante Schatten- und Transparenzeffekte an.

Exotische Software

Detailliertere Einstellmöglichkeiten – und die im Softwarefundus der Live-CD befindlichen Programme – finden Sie nach einem Klick auf das rote Slitaz-Icon ganz links in der Panelleiste am unteren Displayrand. Hier steht eine stattliche Softwareauswahl aus verschiedenen Untergruppen bereit.

Dabei fallen sofort einige ungewöhnliche Anwendungen ins Auge: So präsentiert zum Beispiel das Menü Internet den als Netznavigator bezeichneten Webbrowser Midori. Zu Unrecht kaum bekannt, handelt es sich bei Midori um einen ähnlich rasanten Browser wie Dillo, der jedoch deutlich mehr Standardfunktionen mitbringt. So kennt Midori unter anderem Tabbed Browsing, Erweiterungen, Lesezeichen und auch eine Chronik. Versehentlich geschlossene Tabs holen Sie per Mausklick zurück. Durch unterschiedliche Sicherheitseinstellungen steuern Sie den Umgang mit Cookies und Proxy-Servern entsprechend Ihren Bedürfnissen.

Neben Midori offeriert Slitaz im Bereich der Netzwerkdienste und -applikationen einige aus dem Gnome-Fundus entliehene Programme sowie diverse Kommunikationssoftware für die Teilnahme an Social Networks. Mit Osmo liegt ein kleiner, aber für den täglichen Gebrauch bestens geeigneter Personal Information Manager bei, und mit Burnbox ein intuitiv zu bedienendes CD- und DVD-Brennprogramm. Beim Dateimanager setzen die Entwickler auf PCMan in Version 0.5.2, der eine ähnliche Oberfläche wie Nautilus oder Thunar bietet, jedoch beide in Sachen Tempo abhängt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Trotz geringem Umfang bringt die Distribution Slitaz eine Menge Software mit.
Abbildung 1: Trotz geringem Umfang bringt die Distribution Slitaz eine Menge Software mit.

Während die vorgegebene Auswahl an multimedialen Programmen zwar die Grundbedürfnisse befriedigt, jedoch aufwendige Arbeiten wie Videoschnitt oder Audio-Encoding nur in sehr engen Grenzen zulässt, zeigt sich Slitaz im Bereich der Systemtools gut ausgestattet: So finden Sie hier nicht nur die üblichen Programme wie einen Partitionseditor, den Paketmanager und Werkzeuge zur Prozessverwaltung, sondern auch Software, mit der Sie eine modifizierte Live-CD zusammenstellen oder ein USB-Stick mit Slitaz bootfähig einrichten.

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1 Kommentar auf "Alltagstaugliche Mini-Distribution"

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1) Leider ist oftmals die Bootfähigkeit bei den USB-Sticks nicht auf den Verpackungen angeben. Unter den USB-Sticks, die zugleich USB 1.0, 1.1 und 2.0 unterstützen (ab Win 98SE oder auch Mac OS/Linux angeben), befinden sich die meisten bootfähigen USB-Sticks. 2) Besonders praktisch sind USB-Sticks, die so klein sind, dass diese nur wenig überstehen (z.B. Intenso micro line). Beim Einpacken des Netbooks muss daher der Stick nicht unbedingt abgezogen werden. Der Nachteil, ist allerdings, dass der Stick die Abwärme (vor allem bei hohen Datenraten) nicht so gut weg bringt. Verstärkt wird das noch, wenn sich der USB-Anschluss an einer warmen Seite… Mehr »