Aus LinuxUser 07/2010

Gelöschte Daten und Laufwerke rekonstruieren (Seite 2)

Dabei stach ins Auge, dass das Programm Grafikformate wie GIF, JPEG, PNG sowie BMP und auch Textformate wesentlich besser und vollständiger wiederherstellt als Binärfiles. Bei manchen Dateien, die Photorec nicht vollständig sichern konnte, ließ sich aufgrund des Dateinamens und der Fragmente der ursprüngliche Inhalt erraten. Textdateien stellte das Programm in der Regel komplett wieder her, ebenso wie die gängigen Dateiformate für Bilder und Fotos (Abbildung 3).

Abbildung 3: Einfache Textdateien rekonstruiert Photorec bis aufs i-Tüpfelchen genau.
Abbildung 3: Einfache Textdateien rekonstruiert Photorec bis aufs i-Tüpfelchen genau.

Partitionen rekonstruieren

Haben Sie versehentlich eine komplette Partition gelöscht und durch eine andere ersetzt, so hilft Ihnen das kleine Tool Testdisk weiter, das gemeinsam mit Photorec im gleichnamigen Paket für alle gängigen Linux-Distributionen bereit steht. Auch hier sollten Sie der Bequemlichkeit halber einen Starter in einem Anwendungsmenü anlegen. Wie Photorec benötigt Testdisk Root-Rechte, um zu funktionieren. Beide Programme bieten die gleiche Oberfläche, so dass der Einsatz kein aufwendiges Einarbeiten erfordert.

Testdisk erkundigt sich zunächst danach, ob Sie eine Log-Datei anlegen möchten. Wegen der Komplexität beim Wiederherstellen einer Partition und zum Lokalisieren eventueller Fehler sollten Sie dem Programm erlauben, die Arbeitsschritte aufzuzeichnen. Testdisk legt dazu eine Datei namens testdisk.log in Ihrem Home-Verzeichnis an. Danach wählen Sie das zu reparierende physikalische Laufwerk und anschließend – wie bei Photorec – den zu erwartenden Partitionstyp aus.

Testdisk stellt hier als vorgegebenen Standard None | Non partitioned media ein, was jedoch nur zu Analysezwecken sinnvoll ist: Findet das Programm nämlich beim nachfolgenden Überprüfen des Laufwerks eine oder mehrere Partitionen, die Sie rekonstruieren möchten, so teilt es lapidar mit, dass wegen der Auswahl None | Non partitioned media keine Schreibrechte bestünden und es daher keine Laufwerke wiederherstelle. In aller Regel sollten Sie daher bei Einsatz des Tools am heimischen PC die Option Intel/PC partition wählen.

Testdisk analysiert als erstes die physikalischen Strukturen auf dem Datenträger. Dies dauert je nach Größe des Laufwerkes und Komplexität der Struktur unter Umständen eine gewissen Zeit, führt jedoch oftmals zu erstaunlichen Ergebnissen: So fördert Testdisk insbesondere bei älteren Massenspeichern oft längst vergessene ehemalige Partitionen wieder zutage. Nach der Analyse markieren Sie die zu rekonstruierende Partition und fahren durch Drücken von [Eingabe] fort. Testdisk stellt dann das Laufwerk wieder her (Abbildung 4).

Abbildung 4: Auch Testdisk fördert längst verschollene Schätze zutage.
Abbildung 4: Auch Testdisk fördert längst verschollene Schätze zutage.

Nach Abschluss der Analyse fordert Testdisk Sie auf, das System neu zu starten. Dies ist natürlich nur dann notwendig, wenn Testdisk ein bootfähiges Medium modifiziert hat. Bei Wechselmedien wie USB-Sticks oder externen Festplatten – also reinen Speichermedien ohne Startfähigkeit – genügt es, das Medium aus- und erneut einzuhängen, um die neue Partitionstabelle einzulesen und auf die rekonstruierte Partition zuzugreifen.

Sollten während des Wiederherstellungslaufs durch Testdisk unerwartet Probleme auftreten, so können Sie diese mithilfe der aussagekräftigen Log-Datei analysieren und die vorgefundenen Fehler beheben. Auch im Erfolgsfall offenbart jedoch ein Blick in die Log-Datei interessante Details zu Ihrem Datenträger (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die geleistete Arbeit können Sie in der Log-Datei nachvollziehen.
Abbildung 5: Die geleistete Arbeit können Sie in der Log-Datei nachvollziehen.

Ergebnisse

Testdisk kam für diesen Artikel auf verschiedenen Wechselmedien zum Einsatz, wobei wir unterschiedliche FAT-, NTFS- und Ext2-Partitionen angelegt und gelöscht haben. Selbst bei mehrfachem Neupartitionieren eines Datenträgers mit verschiedenen Dateisystemen gelang es, alte Partitionen aus dem Dornröschenschlaf zu holen und die Daten meist vollständig zu rekonstruieren – inklusive der kompletten Rechte.

Das Wiederherstellen gelang nur dann nicht, wenn auf einem neu angelegten Dateisystem in einer neuen Partition die frischen Daten alte Dateien überschrieben. Üblicherweise legen Sie jedoch im täglichen Einsatz auf einem Wechselmedium nicht permanent neue Partitionen mit unterschiedlichen Dateisystemen an, sodass Testdisk in der Regel keine Probleme haben dürfte, eine versehentlich gelöschte Partition wieder zu aktivieren.

Fazit

Mit Photorec und Testdisk stehen Ihnen unter Linux zwei umfangreiche und leistungsfähige Tools zur Verfügung, um einem vermeintlichen Daten-GAU mit versehentlich gelöschten Datenträgern den Schrecken zu nehmen. Da beide Programme universell angelegt sind und eine Vielzahl von Dateiformaten und -systemen unterstützen, beschränkt sich ihr Einsatz nicht auf Linux. Auch die Eigenheiten anderer Datei- und Betriebssysteme beherrschen die beiden Tools in vielen Fällen, was die Software für den Einsatz auf einer Live-CD prädestiniert.

Das Bedienkonzept gestaltet sich einfach. Zwar verfügen weder Photorec noch Testdisk über eine grafische Oberfläche, trotzdem müssen Sie sich keine umständlichen Tastenkombinationen merken: Sie wählen alle Optionen über die Pfeiltasten an und aktivieren sie dann mittels [Eingabe]. Insbesondere, wenn Sie viel mit Wechseldatenträgern arbeiten und dabei große Mengen an individuellen Daten verwalten (wie etwa Fotosammlungen), sollten Sie die beiden Tools fest den Programmfundus Ihres PCs integrieren. 

Infos

[1] Testdisk bei Rpmseek: http://www.rpmseek.com

[2] Von Photorec erkannte Formate: http://www.cgsecurity.org/wiki/Wiederherstellbare_Dateiformate_unter_Photorec

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