Aus LinuxUser 04/2010

Seagate-NAS mit Pogoplug-Support

© Scott Maxwell, 123rf.com

Pogo-Tänzer

Um Daten von einem beliebigen Ort aus auf den eigenen PC zu speichern, braucht man einen SSH- oder FTP-Zugang – oder Seagates Mini-NAS Dockstar.

Von vorne sieht der Dockstar von Seagate wie eine ganz gewöhnliche Docking-Station aus. Das Dock eignet sich in erster Linie für die 2,5-Zoll-Festplatten der Serie Free Agent Go: Sie passen perfekt in die Cradle. Da es sich aber beim USB-Anschluss um einen gewöhnlichen Mini-USB-Port handelt, lassen sich zum Beispiel auch ein MP3-Player oder andere Festplatten damit nutzen (Abbildung 1). Einen weiteren USB-Anschluss im klassischen Breitformat bringt das Dock auf der rechten Seite mit. Auch er eignet sich für den Anschluss von USB-Festplatten.

Abbildung 1: Kompakter NAS-Server für externe Festplatten: Der Seagate Dockstar stellt bis zu vier USB-Harddisks ins Netz.
Abbildung 1: Kompakter NAS-Server für externe Festplatten: Der Seagate Dockstar stellt bis zu vier USB-Harddisks ins Netz.

Erst ein Blick auf die Gehäuserückseite offenbart die wahre Natur des Dockstar: Ein Gigabit-Ethernet-Anschluss sorgt für eine schnelle Netzwerkanbindung, zwei weitere USB-Anschlüsse runden das Angebot ab. Rund 100 Euro kostet das kleine Netzwerk-Storage-Gerät (NAS) bei Seagate.

Kleiner Server

Beim Dockstar handelt es sich um einen NAS-Server im Kleinstformat, der allerdings die Festplatten nicht wie seine klassischen Vettern im Innern verbirgt, sondern über insgesamt vier USB-Ports anspricht. Das sorgt zwar nicht für ein besonders leistungsfähiges Gerät, immerhin aber für ein sehr kompaktes.

Im Innern des Dockstar arbeitet ein Kirkwood-Chipsatz von Marvell mit einem maximal 1,2 GHz schnellen, als Sheeva CPU Core bezeichneten ARM-Prozessor und 256 KByte L2-Cache [1]. Als Arbeitsspeicher stehen 1 GByte DDR2-RAM von Nanya [2] zur Verfügung (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Oberseite des Mini-Mainboards mit dem Marvell-Prozessor (hellblau markiert), 1 GByte DDR2-RAM (grün markiert), drei USB-Anschlüssen und dem Ethernet-Anschluss (unten rechts). Das Kabel in der Mitte führt zum Mini-USB-Anschluss auf der Oberseite des Dockstar. Über dem einzelnen USB-Anschluss hier links auf dem Bild befindet sich der Reset-Knopf.
Abbildung 2: Die Oberseite des Mini-Mainboards mit dem Marvell-Prozessor (hellblau markiert), 1 GByte DDR2-RAM (grün markiert), drei USB-Anschlüssen und dem Ethernet-Anschluss (unten rechts). Das Kabel in der Mitte führt zum Mini-USB-Anschluss auf der Oberseite des Dockstar. Über dem einzelnen USB-Anschluss hier links auf dem Bild befindet sich der Reset-Knopf.

Für das Betriebssystem kommt ein 256 MByte großer NAND-Flashspeicher zum Einsatz (Abbildung 3), als Netzwerkschnittstelle dient ein Gigabit-Ethernet-Transceiver des Typs Marvell Alaska 88E1116R [3]. Die übrigen Bauteile des quadratischen, rund 7 Zentimeter Kantenlänge messenden Mainboards lassen sich nur schwer oder gar nicht identifizieren.

Abbildung 3: Auf der Unterseite des Mainboards verbirgt sich der Gigabit-Ethernet-Controller (hellblau markiert) und der 256 MByte große NAND-Speicher.
Abbildung 3: Auf der Unterseite des Mainboards verbirgt sich der Gigabit-Ethernet-Controller (hellblau markiert) und der 256 MByte große NAND-Speicher.

Schließt man die Seagate-Dockingstation ans Stromnetz an, blinkt die LED an der Gerätevorderseite orangefarben, das System bootet. Sobald es eine IP-Adresse erhalten und den Zugang zum WWW gefunden hat, leuchtet die LED permanent hellgrün.

Aktivierung notwendig

Der kleine NAS-Server bezieht seine IP-Adresse automatisch per DHCP, da das Gerät auf Broadcast-Pings nicht reagiert, lohnt sich deshalb ein Blick in die Log-Dateien des DHCP-Servers unter /var/lib/dhcp3. Laut Nmap stehen in der Werkseinstellung die TCP-Ports 22, 23, 80 und 3333 offen.

Damit wären Logins via SSH oder Telnet generell möglich, allerdings müsste man dazu ein gültiges Benutzer/Passwort-Paar kennen. Die entsprechenden Informationen hält Seagate jedoch unter Verschluss, sodass Modder mit dem Dockstar zurzeit nicht allzuviel anzufangen wissen. Eine erste Beschreibung zur Installation eigener Software tauchte immerhin kurz vor Drucklegung dieser Ausgabe im Web auf (siehe Kasten „Dockstar-Modding“). Allerdings eignet sich das dort beschriebene Verfahren bislang nur für sehr erfahrene Bastler.

Dockstar-Modding

Falls Sie der Verlust der Garantie für das Gerät und die Gefahr, das System möglicherweise in einen unbenutzbaren Zustand zu versetzen, nicht schrecken, können Sie den Dockstar auch in einen vollwertigen Linux-Server umbauen. Das erspart gleichzeitig die lästige Aktivierung der Pogoplug-Software. Eine ausführliche Anleitung dazu bietet seit kurzem Alexander Holler auf der Webseite http://ahsoftware.de/dockstar/ an. Hier findet sich auch das gesuchte Root-Passwort: Es lautet stxadmin, wie auch ein Test in unserem Hardware-Labor bestätigte.

Die von Alexander Holler beschriebenen Umbauarbeiten umfassen das Backup der Original-Firmware, das Einrichten von Gentoo Linux, das Einspielen eines aktuellen Kernels 3.6.32 samt Patches sowie die Installation eines neuen Bootloaders. Um letzteren zu nutzen, ist es derzeit notwendig, das Gerätegehäuse zu öffnen und ein Kabel für eine serielle Konsole via USB anschließen. Laut den Anmerkungen am Schluss der Seite befindet sich aber schon eine alternative Bootmöglichkeit in Arbeit, die rein softwaremäßig funktioniert und das Öffnen des Dockstars erspart.

Auch eine Weboberfläche versucht man über Port 80 vergeblich zu öffnen: Der Browser zeigt nur eine leere Seite oder eine Fehlermeldung an. Um auf die Dateien der per USB angeschlossenen Speichermedien zuzugreifen, bleibt daher nichts anderes übrig, als den Dockstar so zu aktivieren, wie es die dem Gerät beiliegende Anleitung beschreibt. Als Basis dazu dient der Online-Dienst Pogoplug [4], bei dem Sie nun zwangsläufig einen Account anlegen müssen (Abbildung 4) – was zumindest ohne Preisgabe allzu vieler persönlicher Daten klappt.

Abbildung 4: Um auf die Docking-Station zuzugreifen zu können, müssen Sie den Dockstar erst im Internet aktivieren.
Abbildung 4: Um auf die Docking-Station zuzugreifen zu können, müssen Sie den Dockstar erst im Internet aktivieren.

Pogoplug stellt auch die Verwaltungsoberfläche bereit, über die Sie einzelne Festplatten oder Partitionen via Samba im lokalen Netz freigeben. Für den nötigen Datendurchsatz sorgt dabei die Gigabit-Ethernet-Schnittstelle – Dateien aus dem internen Netz landen ohne Umweg übers Internet auf den USB-Platten. In unseren Tests mit einer 2,5-Zoll-Platte des Typs Free Agent Go von Seagate erzielten wir hier Schreibgeschwindigkeiten von 15 bis 18 MByte/s.

Pogoplug-Dienst

Die Zusammenarbeit mit Pogoplug macht zahlreiche Funktionen für den Dockstar verfügbar (Abbildung 5). Der Dienst erstellt nicht nur Vorschauen von Bildern und Videos, sondern konvertiert sogar komplette Filme, sodass sich die Streifen im Browser betrachten lassen. So müssen Sie beispielsweise im Urlaub nicht mehr Ihre Filmesammlung auf einer externen Festplatte mitschleppen, sondern hängen die Disk an den Dockstar und weisen Pogoplug an, die Filme zu konvertieren. Danach genießen Sie das Abendprogramm einfach im Browser an. In der Grundeinstellung erstellt der Pogoplug-Dienst eine 10 Sekunden lange Vorschau von Videos.

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2 Kommentare auf "Seagate-NAS mit Pogoplug-Support"

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Danke für diesen sachlichen, informativen und kritischen Bericht. Insbesondere auch für das „Über den Tellerrand Hinausschauen“ in Bezug auf das Modding des Dockstar. Da waren viele andere Berichte im deutschsprachigen Internet viel oberflächlicher gehalten.

Grundsätzlich finde ich es schade, daß ein so kompaktes und nützliches (und eigentlich vielseitig einsetzbares) System durch die eigenwillige Zwangsbündelung mit den Pogoplug-Dienst in seiner Nutzbarkeit deutlich beschnitten wird.
Gerade die Tatsache, daß ein bereits vollständig bezahltes Gerät (die Hard- und Softwarekosten dürften mit dem Kaufpreis gedeckt sein) im Nachhinein Zusatzausgaben erfordert, nur um es sinnentsprechend weiterzubenutzen, ist für mich ein Unding.

Informativer Bericht, jedoch hat der Dockstar nicht 1 GByte, sondern 128 MByte Arbeitsspeicher und der Kernel ist Version 2.6.22 (nicht 3.6.32).

Um das Gerät als Linux Gadget nach eigenen Wünschen zu betreiben, gibt es mittlerweile zahlreiche Tipps (in Deutsch z.B. unter http://www.sheevaplug.de), ein vollständiges Debian Linux mit riesiger Softwareauswahl steht u.a. zur Verfügung.

Interessant ist es allerdings nur für fortgeschrittene Linuxuser oder Einsteiger mit Lernbereitschaft. 😉