Aus LinuxUser 04/2010

News: Aktuelles

Neues rund um Linux

9. Augsburger Linux-Infotag 2010

Gemeinsam laden der LUG Augsburg e.V. und die Hochschule Augsburg dieses Jahr zum mittlerweile 9. Augsburger Linux-Infotag ein (http://www.luga.de/Aktionen/LIT-2010/). Mit regelmäßig mehr als 300 Besuchern zählt die Veranstaltung in der Fuggerstadt mittlerweile zu den größten Linux-Events im Süddeutschen Raum. Sie findet dieses Jahr am 27. März von 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr in der Räumen des Fachbereichs Informatik (Friedberger Str. 2a, Zufahrt Schülestraße) statt.

Der Eintritt bleibt wie gewohnt kostenfrei, drei parallele Vortragsreihen bieten eine breite Übersicht über die Möglichkeiten von Linux und freier Software. Dabei reicht die Themenpalette von Basisinformationen zu freier Software über typische Alltagsanwendungen wie Musik für Unterwegs bis hin zu praktischen Lösungen für den Verschlüsselung und den sicheren Betrieb des heimischen PC oder Programmiersprachen. Eine Keynote zum Thema „Freies Wissen“ von Martin Haase, der sich als Vorstandsmitglied des Chaos-Computer-Clubs für IT-Grundrechte und Informationsfreiheit einsetzt, leitet die Veranstaltung ein.

Auch dieses Jahr gibt es neben dem Vortragsprogramm einige Stände, an denen sich Communities und Projekte präsentieren. Aufgrund der großen Nachfrage in den letzten beiden Jahren findet wieder ein Einsteiger-Workshop statt, bei dem die Gäste Linux unter Anleitung selbst erkunden dürfen. In den Hörsälen und in der Aula schafft ein unverschlüsseltes WLAN die Anbindung ans Internet. Auch an das leibliche Wohl haben die Veranstalter gedacht: Während der Mittagspause werden belegte Brötchen verkauft.

Der Augsburger Linux-Infotag bietet in entspannter Atmosphäre Informationen und Anregungen rund um Linux und freie Software. (Bild: LUG Augsburg e.V.)
Der Augsburger Linux-Infotag bietet in entspannter Atmosphäre Informationen und Anregungen rund um Linux und freie Software. (Bild: LUG Augsburg e.V.)

Linux ist 1 Milliarde Euro wert

Für eine Konferenz der Europäischen Kommission zum Thema Forschung und Entwicklung im Firmenumfeld (http://iri.jrc.ec.europa.eu/concord-2010/) haben zwei Wissenschaftler der spanischen Universität Oviedo den Linux-Kernel unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Hätte die europäische Union den Kernel entwickeln lassen müssen, hätte dies mehr als eine Milliarde Euro gekostet und knapp 1000 Programmierer rund 14 Jahre lang beschäftigt. Allein im Jahr 2008 wären dabei für die Entwicklung der Kernel-Versionen 2.6.25 bis 2.6.30 Kosten von mehr als 228 Millionen Euro angefallen. Ein Papier mit dem Titel „Commons-based innovation: The Linux kernel case“ fasst die Ergebnisse zusammen und findet sich unter http://iri.jrc.ec.europa.eu/concord-2010/posters/Garcia-Garcia.ppt.

Die Folgerungen aus der Studie bündeln die Forscher in drei Empfehlungen an die EU: Erstens schaffe communitybasierte Software-Entwicklung außerordentliche Werte und müsse daher ein weitaus höheres Maß an öffentlicher Anerkennung genießen als bisher, insbesondere um Entscheidungsträgern den Schritt zu freier Software schmackhafter zu machen. Zweitens eröffne solche Software der europäischen Telekommunikationsindustrie wichtige Geschäftsmöglichkeiten, weswegen Partnerschaften zwischen Großunternehmen, Anbietern aus dem FLOSS-Umfeld und der Community gefördert werden sollten. Schließlich müsse die EU für ein gesetzliches und regulatorisches Umfeld sorgen, das Unternehmensbeiträge zu freier Software als immaterielle Vermögenswerte berücksichtige oder das alternativ Beiträge zu FLOSS steuerlich mit Schenkungen für soziale Zwecke gleichsetze.

Archos bringt Web-Tablets mit Android

Als Hybrid zwischen Notebook und Smartphone will Archos seine zwei neuen, auf Android als Betriebssystem aufsetzenden Home-Tablets Archos 7 und Archos 8 verstanden wissen. Die Ziffer im Namen gibt die Bildschirmdiagonale in Zoll an. Die Touchscreen-Systeme sollen in den heimischen vier Wänden für den komfortablen Zugriff aufs Internet sowie auf Multimedia-Inhalte sorgen, daneben lassen sie sich auch als digitaler Bilderrahmen einsetzen. Beide Flachmänner basieren auf einem mit 600 MHz getakteten ARM-Prozessor.

Per WLAN integrieren sich die Archos-Home-Tablets ins LAN, ein USB-Port ermöglicht die Datenübertragung vom PC, der Digitalkamera oder anderen Geräten. Via Webbrowser greift der Anwender auf Netzinhalte und E-Mails zu, im Videoplayer lassen sich Youtube-Inhalte betrachten. Ein MP3-Player bietet unter anderem Zugriff auf kostenlose Musik-Streaming-Services wie Deezer. Dabei machen die eingebauten Lautsprecher die Home-Tablets zum Radio-Ersatz. Eine Akkuladung soll für 7 Stunden Videos oder 44 Stunden Musik ausreichen.

Archos will das Gerät im 7-Zoll-Format ab April zum Preis von 149 Euro mit 2 GByte Speicher beziehungsweise 179 Euro mit 8 GByte Speicher ausliefern. Das Archos 8 Home Tablet soll es einen Monat später mit 4 GByte Speicher zum Preis von ebenfalls 149 Euro geben. Wie Archos auf der CeBIT 2010 ankündigte, sollen im Sommer weitere Tablets mit Displaygrößen zwischen 3 und 10 Zoll folgen, die auf ARM-Cortex-CPUs mit bis zu 1 GHz Taktrate basieren.

Für Web, Mail und Multimedia: Die Home-Tablets Archos 7 und Archos 8.
Für Web, Mail und Multimedia: Die Home-Tablets Archos 7 und Archos 8.

Gnumeric 1.10 mit vielen Verbesserungen

Die schlanke Tabellenkalkulation Gnumeric (http://live.gnome.org/Gnumeric), die zusammen mit AbiWord, Evince und Evolution das Gnome-Office bildet, zählt zu den Mauerblümchen der freien Software – ganz zu Unrecht, wie jeder weiß, der sie schon einmal benutzt hat. Jetzt ist Gnumeric in der Version 1.10 erschienen, die als größten Fortschritt die bisherige Begrenzung der Zeilenanzahl auf 65?536 und der Spalten auf 256 aufhebt. Daneben verbesserten die Entwickler die Fähigkeiten Gnumerics zum Erstellen von Diagrammen und polierten die ODF-Unterstützung auf. Daneben bietet die Tabellenkalkulation jetzt eine ganze Reihe neuer Funktionen aus den Bereichen Mathematik, Statistik, Kalender und Logik. Eine Zusammenfassung der Neuerungen lesen Sie im Release-Announcement (http://tinyurl.com/lu1004-gnumeric).

Gnumeric 1.10 kommt auch mit sehr großen Tabellen zurecht und bietet eine ganze Reiehe neuer Funktionen.
Gnumeric 1.10 kommt auch mit sehr großen Tabellen zurecht und bietet eine ganze Reiehe neuer Funktionen.

OpenSolaris hui, Gnome pfui

Die Übernahme von Sun durch Oracle betrifft nicht nur die freie Datenbank MySQL. Das bekam Anfang Februar auch das Gnome-Accessibility-Team (A11y) zu spüren: Dessen Leiter Willie Walker und die am Screenreader Orca arbeitende Joanmarie Diggs, beides Mitglieder des durch den Merger überflüssigen Accessibility Program Office von Sun, setzte Oracle auf die Straße. Damit ist die Zukunft des Gnome-A11y-Teams jetzt fraglich (http://blog.grain-of-salt.com/index.php?itemid=394). Besser traf es die OpenSolaris-Community: Oracle versicherte nach einer langen Zitterpartie Ende Februar, das Unix-Betriebssystem weiter aktiv zu entwickeln und als Open Source zugänglich zu machen (http://tinyurl.com/lu1004-oracle).

Kurz notiert

Der 9. Linux-Installationstag der LUG Hanau (http://www.hulug.de) findet am 17. April 2010 ab 10 Uhr in der Ludwig-Geissler-Schule in Hanau statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung liefert das Wiki der LUG.

In einem Video auf seinem Blog „Embedded Bits“ (http://www.embedded-bits.co.uk/?p=213) zeigt der Entwickler Andrew Murray, wie er ein funktionsfähiges Linux-System auf ARM-Basis in 0,89 Sekunden bootet.

Ende Februar hat das Gnome-Release-Team einen ersten Zeitplan für das kommende Gnome 3.0 bekannt gegeben. Danach soll die generalüberholte Version des GNU-Desktops ab dem 29. September 2010 auf den Servern liegen (http://live.gnome.org/TwoPointThirtyone).

Als wichtigste Neuerungen bringt der Kernel 2.6.33 den Nouveau-Treiber für Nvidia-Grafikkarten sowie die Netzwerkspeicherlösung DRBD mit (http://lkml.org/lkml/2010/2/24/301). Daneben gibt es diverse Änderungen am Grafik-Stack sowie Detailverbesserungen bei Treibern.

Der Münchner Schulungsanbieter Open Source School gewährt Auszubildenden und Studenten jetzt gegen Vorlage eines Ausbildungsnachweises einen Rabatt von 50 Prozent auf die Kurspreise (http://www.opensourceschool.de/studierende).

Der bekannte Abmahnanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth hat sich Ende Februar in München erschossen (http://tinyurl.com/lu1004-gravenreuth). Als mögliche Ursachen für den Freitod gelten Finanzprobleme, eine anstehende Haftstrafe, der Verdacht auf Krebs und schwere Beziehungsprobleme.

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