Aus LinuxUser 04/2010

Netgears Open-Source-Router im Test

© Vasiliy Yakobchuk, 123rf.com

Gute Verbindung

Linux zu nutzen, zeugt vom Wunsch nach Individualität. Die muss auch vor dem heimischen WLAN-Router nicht Halt machen: Netgear lädt mit dem WNR3500L zum Basteln ein.

Ließ sich Linksys wegen Verstößen gegen die GPL im Jahre 2004 noch gerichtlich nötigen, den Quellcode für seinen beinahe legendären Router Router WRT54GL zu veröffentlichen, stellt Netgear mit dem WNR3500L ein Gerät (Abbildung 1) zur Verfügung [1], bei dem die Mitarbeit am linuxbasierten System ausdrücklich erwünscht ist.

Abbildung 1: Der schicke Netgear WNR3500L ist ungefähr so groß wie eine Zigarrenschachtel. Die WLAN-Antennen integrierten die Entwickler ins Gehäuse, was seiner Sende- und Empfangsleistung aber keinen Abbruch tut.
Abbildung 1: Der schicke Netgear WNR3500L ist ungefähr so groß wie eine Zigarrenschachtel. Die WLAN-Antennen integrierten die Entwickler ins Gehäuse, was seiner Sende- und Empfangsleistung aber keinen Abbruch tut.

Auf der von Netgear unterstützten Webseite Myopenrouter.com [2] stehen neben der originalen Firmware samt Quellcode diverse andere Third-Party-Versionen zum Download bereit, welche die Möglichkeiten des WLAN-Routers in diverse Richtungen erweitern. Doch schon die Standard-Firmware verfügt über vielfältige Möglichkeiten, die den meisten Anwendungsfällen gerecht werden. Die Tabelle „Hardware“ gibt Auskunft über die Spezifikationen des Geräts.

Hardware

Hersteller Netgear
Modell WNR3500L
CPU Broadcom BCM4718, 453 MHz
Speicher 32 MByte SDRAM, 8 MByte Flash
Ethernet 5 x 10/100/1000 Mbit/s (4 x LAN, 1 x WAN)
USB 1 x USB 2.0
WLAN 802.11b/g/n
DSL-Modem nein
Leistungsaufnahme 3 bis 5 Watt
Straßenpreis (ca.) 75 Euro

Netzintegration

Die Integration des WLAN-Routers stellt selbst den unbedarftesten Anwender nicht vor unüberwindliche Hürden: Genügt es doch, das Netzwerkkabel des PCs in einen der vier orange gekennzeichneten LAN-Ports einzustecken, das zum Modem in den gelben Internet-Port. In der Grundeinstellung bezieht der WAN-Port automatisch vom DHCP-Server eine IP-Adresse und vergibt sie über einen eigene DHCP-Instanz wiederum ins LAN. Sofern Sie das Geräte mit einem bereits vorhandenen Router verbinden, steht Ihnen ohne weitere Konfiguration der Internetzugang zur Verfügung.

Konfiguration

Die webbasierte Konfigurationsoberfläche des Netgear-Routers erreichen Sie über die URL http://routerlogin.net (Abbildung 2). Zum Login verwenden Sie den voreingestellten Nutzernamen admin mit dem Passwort password.

Abbildung 2: Da Netgear zur Konfiguration des Router eine webbasierte Oberfläche anbietet, benötigen Sie lediglich einen Browser, jedoch keine zusätzliche Software.
Abbildung 2: Da Netgear zur Konfiguration des Router eine webbasierte Oberfläche anbietet, benötigen Sie lediglich einen Browser, jedoch keine zusätzliche Software.

Netgear liefert das Gerät mit englischer Nutzeroberfläche aus. Um die Lokalisierung anzupassen, wählen Sie aus dem Dropdownmenü neben Select Language im Kopfbereich der Seite die gewünschte Sprache aus und bestätigen mit Confirm. Danach lädt das System das Sprachpaket aus dem Netz nach und installiert es. Der Setup Assistent hilft Ihnen beim ersten rudimentären Einrichten des Routers.

Das Gerät arbeitet jedoch nicht nur als Vermittlungsstelle zwischen den Netzen, sondern auch als NAS. Zu diesem Zweck besitzt es einen USB-2.0-Anschluss, an den Sie externe Festplatten oder USB-Sticks anstecken. Der Router erkennt diese automatisch und erstellt eine Liste von Zugriffsmöglichkeiten. Zur Auswahl stehen SMB, HTTP und FTP. Für die zwei letzteren bietet die Konfiguration auch die Möglichkeit eines externen Zugriffs.

Schöne, neue Welt

Netgear nagelt Sie nicht auf das vorgegebene System fest, sondern ermöglicht die Installation so genannter Third-Party-Systeme. Für den WNR3500L stehen derzeit OpenWRT, Tomato und DD-WRT zum Download bereit. Die Kandidaten befinden sich jedoch ausnahmslos im Beta-Stadium. Eine Vergleichsmatrix im PDF-Format [3] gibt Auskunft über die Fähigkeiten und Einschränkungen der einzelnen Systeme. Da DD-WRT laut der Vergleichstabelle augenscheinlich den größten Funktionsumfang besitzt, entschlossen wir uns dafür.

Um die Software einzuspielen genügt es, im Bildschirm Router aktualisieren das DD-WRT-Image im CHK-Format anzuwählen, und danach auf Aktualisieren zu klicken (Abbildung 3).

Abbildung 3: Zum Einspielen neuer Firmware genügen in der originalen Version wenige Mausklicks.
Abbildung 3: Zum Einspielen neuer Firmware genügen in der originalen Version wenige Mausklicks.

Ein automatisch eingeleiteter Reboot richtet die neue Firmware fertig ein. Versuche, den Router wie zuvor über http://routerlogin.net zu erreichen, scheitern nun allerdings. Offensichtlich hat das System die entsprechenden DNS-Einträge der Original-Firmware nicht übernommen, weswegen der Router nur noch über seine IP-Adresse zu erreichen ist, in der Grundeinstellung 192.168.1.1. Ein erster Blick auf die neue Oberfläche zeigt, dass die Firmware keinerlei Einstellungen des Vorgängers übernimmt – entsprechend gilt es, das System komplett neu zu konfigurieren.

Speziell in den Bereichen Content-Filter, Zugriffsbeschränkungen und WLAN bietet DD-WRT einen erheblich größeren Funktionsumfang als das Original.

Geordnete Bahnen

Einen der Dreh- und Angelpunkte zur Reglementierung der Internetzugriffe erreichen Sie über den Reiter Access Restrictions. Die Oberfläche enthält verschiedene Filtermechanismen, die Sie je nach Bedarf zeitgesteuert aktivieren (Abbildung 4).

LinuxUser 04/2010 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Netgears Open-Source-Router im Test"

  E-Mail Benachrichtigung  
Neuste Älteste Beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:

es wäre schön, wenn die Links wenigstens klickbar wären.
So muss man Suchen und ich gehe mittlerweile darüber über die Schlosspostings massiv zu ignorieren.
Ja, vielleicht ist es Faulheit, aber nett wäre es trotzdem;)
Gruss