Aus LinuxUser 04/2010

Acht Powerline-Adapter im Test

© P.Gudella, 123rf.com

LAN aus der Dose

Powerline verspricht eine einfache Netzwerkanbindung auch dort, wo Kabel oder Funk nicht hinreichen – und das mit satten 200 Mbit/s. Wir haben nachgesehen, wie gut das Netzwerk aus der Steckdose mit Linux funktioniert.

Zwei Rechner sind heute schnell vernetzt. Ein billiger Switch aus dem Baumarkt, zwei Netzwerkkabel – schon steht die Verbindung. Gilt es zwei Netzwerkgeräte miteinander zu verbinden, die nicht in einem Raum stehen, fällt schon etwas mehr Aufwand an. Oft lassen sich die System über ein drahtloses Netzwerk (WLAN) verknüpfen. Doch gelegentlich verderben gut armierte Wände oder Decken, die anders als die Schächte der Kölner U-Bahn nur so vor Stahl im Beton strotzen, den kabellosen Surf-Spaß. Nun bleiben noch zwei Wege offen: Entweder verlegt man ganz altmodisch ein paar formschöne Netzwerkkabel durch die Wohnung, oder setzt auf die im vergleichsweise noch junge Powerline-Technik.

Um nachzusehen, was heute mit Powerline möglich ist, haben wir uns von sechs Anbietern deren aktuelle Starterkits zuschicken lassen. Hinzu kommen noch zwei weitere Kandidaten, die aber mehr oder weniger außerhalb der Wertung laufen. Doch zu allererst: Was verbirgt sich hinter Powerline?

Vernetzung mal anders

Powerline (manchmal auch PowerLAN genannt) nutzt zur IP-basierten Vernetzung das normale Wechselstromnetz im Haushalt, in das die Daten über spezielle Adapter eingespeist werden. Theoretisch wäre es so möglich, ganze Mehrfamilienhäuser mit nur einem Internetanschluss zu versorgen. Jeder, der einen passenden Adapter nutzt, könnte dann darauf zugreifen. Doch die Praxis sieht wie so oft anders aus: Übergangswiderstände zwischen den Stromkreisen und auch die Stromleitungen an sich dämpfen die Signale stark, bis hin zur Unbenutzbarkeit. Zudem erzeugen die Netzteile elektrischer Verbraucher starke Störungen, die das Signal zudem schwächen.

Andererseits erscheint es auch nur bedingt wünschenswert, sich mit sämtlichen Nachbarn in einem Netzwerk wiederzufinden. Damit wirklich kein Unbefugter das Signal nutzen kann, setzen die Hersteller in ihren Adaptern Verschlüsselung ein. Nur Adapter, die über das gleiche Passwort verfügen, können so miteinander kommunizieren. Zwar versprechen viele Hersteller, ohnehin sei schon in der Nachbarswohnung das – dann zu schwache – Signal nicht mehr nutzbar. Im Rahmen dieses Test machten wir einmal die Stichprobe und besuchten mit einem wahllos gegriffenen Powerline-Adapter unsere Nachbarn.

Und siehe da: Kaum hatten wir den Adapter in der Steckdose, signalisierten uns dessen LEDs, dass die Verbindung bereits hergestellt sei. Zwar fiel die Qualität des Links deutlich schwächer aus als in den eigenen vier Wänden, doch konnten wir stabil bei noch ausreichender Geschwindigkeit Daten zwischen beiden Wohnungen austauschen. Also Vorsicht: Powerline sollte immer nur verschlüsselt zum Einsatz kommen. Es gilt der gleiche Grundsatz wie bei WLANs: Wer das Netz bereitstellt, muss auch für dessen Schutz sorgen [1] – auch wenn sich die Gerichte diesbezüglich (noch) nicht immer einig sind.

Das Testfeld

Nun aber zu unseren Testkandidaten (Abbildung 1). Die Kontrahenten stammen von den Herstellern Allnet, Belkin, Devolo, Linksys, Netgear und Zyxel. Alle ließen uns Starterkits bestehend aus je zwei Adaptern zukommen. Sämtliche Geräte arbeiten nach der derzeit aktuellen 200-Mbit/s-Technik und unterstützen den Standard Homeplug AV (Tabelle „Technische Daten“). Zusätzlich nahmen wir noch einen speziellen Adapter von Zyxel unter die Lupe. Einen Blick in die Zukunft der Powerline-Technik konnten wir dank des HD-Starterkits von Belkin wagen: Es soll ein Netzwerk in Gigabit-Geschwindigkeit ermöglichen.

Abbildung 1: Die Testkandidaten präsentieren sich ganz unterschiedlich in ihrer Verpackung.
Abbildung 1: Die Testkandidaten präsentieren sich ganz unterschiedlich in ihrer Verpackung.

Technische Daten

Hersteller Allnet Belkin Belkin Devolo Linksys Linksys Netgear Netgear Zyxel Zyxel
Modell 168205 F5D4074de F5D4076de 200 Avplus PLS300 (im Kit) PLE300 (im Kit) XAV1004 (im Kit) XAV101 (im Kit) PLA-407 PLA-491
Übertragungsleistung(1) 200 Mbit/s 200 Mbit/s 1000 Mbit/s 200 Mbit/s 200 Mbit/s 200 Mbit/s 200 Mbit/s 200 Mbit/s 200 Mbit/s 200 Mbit/s
Ethernet-Ports 1 x 10/100 1 x 10/100 1 x 10/100/1000 1 x 10/100 4 x 10/100 1 x 10/100 4 x 10/100 1 x 10/100 1 x 10/100 4 x 10/100
Verschlüsselung 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES
Homeplug-AV-kompatibel ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja
Software Mac-Burner, Setup Firmware-Updater Setup, Firmware-Updater (nur Win) Dienstprogramm Dienstprogramm Firmware-Updater Setup Setup
Plattform Windows Windows Linux, Mac, Windows Windows Windows   Mac, Windows Mac, Windows Mac, Windows Mac, Windows
Benutzerhandbuch auf CD ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja
gedruckte Kurzanleitung nein ja ja ja ja ja ja ja ja ja
Netzwerkkabel im Lieferumfang ja (2x) ja (2x) ja (2x) ja (2x) ja ja ja ja ja (2x) ja
Straßenpreis (Euro)(2) 2er-Kit ab 59 Euro 2er-Kit ab 50 Euro 2er-Kit ab 93 Euro 2er-Kit ab 104 Euro Kit PLS300+PLE300 ab 110 Euro Kit PLS300+PLE300 ab 110 Euro Kit XAV1004+XAV101 ab 80 Euro Kit XAV1004+XAV101 ab 80 Euro 2er-Kit ab 98 Euro ab 93 Euro
Website http://www.allnet.de http://www.belkin.de http://www.belkin.de http://www.devolo.de http://www.linksys.de http://www.linksys.de http://www.netgear.de http://www.netgear.de http://www.zyxel.de http://www.zyxel.de
Transferrate (MByte/s)
Lesen 5,6 5,1 15,4 5,4 5,6 5,6 5,6 5,6 5,6 6,1
Schreiben 6,2 5,3 23,9 5,9 6,4 6,4 6,4 6,4 5,9 7,1
Leistungsaufnahme (Watt)
Leerlauf 6 6 6 9 4 4 4 4 2 4
Volllast 64 57 9 106 6 11 25 69 87 20
(1) Herstellerangabe (2) = Online-Preisvergleich, Stand Ende Februar 2010

Keine Überraschungen

Beim Auspacken der Testgeräte bietet sich uns in nahezu jeder Schachtel das gleiche Bild: Der oder die Adapter obenauf, dazu je ein Netzwerkkabel pro Adapter und – um das ganze abzurunden – eine CD und ein paar kleine Zettelchen. Bei letzteren handelt es sich wahlweise um die Schnellstartanleitung, die Konformitätserklärung oder gar ein Hinweis auf die GPL. Letzteren fanden wir jedoch nur bei einem Hersteller. Zwei weitere versteckten den Hinweis darauf, dass sie freie Software nutzen, auf der CD oder erst auf der Website. Die verbleibenden zwei Anbieter verwenden entweder tatsächlich keine Open-Source-Bestandteile oder haben nur „vergessen“, es bekannt zu geben. Was sich in keiner Verpackung fand, war eine vollständige Bedienungsanleitung_ Diese gab es bei allen Herstellern nur von CD oder wahlweise aus dem Internet.

Warum wir das fehlende Handbuch so explizit erwähnen? Ganz einfach: In sechs von acht Schnellstartanleitung findet sich kein Hinweis darauf, wie man die Adapter verschlüsselt in Betrieb nimmt. Nur Netgear und Zyxel (beim PLA-491) weisen darauf hin, wie schnell die sichere Verbindung steht. Hier hätten wir etwas mehr Information erwartet. Bei so mancher CD versteckte sich das Handbuch zudem tief in der Verzeichnisstruktur und war auf dem Linux-PC nicht schnell zu finden. Per Autostart auf dem Windows-PC wäre das zwar schneller gegangen, aber nicht jedermann hat so etwas zur Hand.

Glücklicherweise waren wir bei der Inbetriebnahme dann doch nicht ausschließlich auf die nicht gedruckten Informationen angewiesen. Alle Adapter lassen sich nämlich nahezu gleich bedienen. Allen gemein ist auch ihr technisches Grunddesign: Je Adapter gibt es drei LEDs – je eine für den Netzwerk-, den Powerline- und den Betriebsstatus. Hinzu kommt ein Knopf, der meist als Encrypt oder ähnlich bezeichnet ist.

Schwarz und Weiß

Beim optischen Design und bei der Ausstattung hingegen gehen die Hersteller ganz unterschiedliche Wege. Das Pärchen Allnet 168205 (Abbildung 2) und der Netgear-Adapter XAV101 (Abbildung 3) sind ganz schlicht weiß gehalten und bringen einen einzelnen Netzwerkanschluss mit. Der zweite Netgear-Adapter XAV1004 (Abbildung  4) hat derer gleich vier und dient – wie auch einer der beiden Powerline-Adapter von Linksys (PLS300 und PLE300, Abbildung 4 und**5) – auch als Switch.

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