Aus LinuxUser 10/2009

Android-Smartphones mit Linux synchronisieren (Seite 2)

Bis dahin können Sie versuchen, die Synchronisierung von Akonadi [5] (der Datenbank hinter Kontact und KOrganizer) mit Google Kalender und Google Kontakte selbst zu kompilieren. Im Kasten „Libgcal und Googledata für Akonadi kompilieren“ finden Sie weitere Informationen.

Libgcal und Googledata für Akonadi kompilieren

Die Installation dieser Module benötigt eine sehr aktuelle Version von KDE 4, wie sie beispielsweise Kubuntu „Jaunty Jackalope“ 9.04 beinhaltet. Andere Distributionen bringen oft die benötigen Abhängigkeiten nicht mit. Zuerst müssen Sie die benötigen Bibliotheken und Kompilierwerkzeuge installieren:

$ sudo apt-get install akonadi-kde libcurl4-openssl-dev libxml2-dev ca-certificates autoconf libtool git-core cmake kdelibs5-dev kdepimlibs5-dev subversion

Danach laden Sie die aktuelle Entwicklerversion von Libgcal herunter und kompilieren diese Bibliothek. Den Quellcode dafür holen Sie aus der Versionsverwaltung des Projekts:

$ git clone git://repo.or.cz/libgcal.git
$ cd libgcal
$ autoreconf -i -f
$ mkdir build && cd build
$ ../configure && make && sudo make install

Anschließend müssen Sie das Plugin Googledata für Akonadi kompilieren:

$ svn co svn://anonsvn.kde.org/home/kde/trunk/extragear/pim/googledata/
$ cd googledata
$ mkdir build && cd build
$ cmake -DCMAKE_INSTALL_PREFIX=/usr -DCMAKE_BUILD_TYPE=debugfull ..
$ make && sudo make install

Nun starten Sie den Akonadi-Server unter Systemeinstellungen | Erweitert | Akonadi-Einrichtung | Einrichtung des Akonadi-Servers neu. Danach sollten Sie wie in Abbildung 4 gezeigt unter Einrichtung der Akonadi-Ressourcen die neuen Google-Ressourcen hinzufügen. Abschließend richten Sie in KOrganizer noch einen neuen Kalender mit dem Typ Akonadi-Ressource ein – die Quelle nennt sich akonadi_gcal_ressource_0. Für die Google-Kontakte in Kontact ist das Vorgehen identisch. Allerdings erwies sich Kontact im Test danach als instabil und stürzte oft ab.

Abbildung 4: Akonadi kann ebenfalls mit Google synchronisieren.
Abbildung 4: Akonadi kann ebenfalls mit Google synchronisieren.

Aufgabenverwaltung

Android bringt von Haus aus kein Programm mit, um Aufgabenlisten zu verwalten. Dafür empfiehlt sich das quelloffene Programm Astrid [6], das Sie über den Market installieren. Zusammen mit dem kostenlosen Internetdienst Remember The Milk [7] verwalten Sie dann ihre Aufgaben am Android-Handy, im Internet und mit diversen Programmen wie beispielsweise Tasque [8].

Datenaustausch

Der Transfer von Daten vom Android-Handy auf den Linux-PC klappt problemlos. Sobald Sie das USB-Kabel an das Handy und den Rechner anstecken, fungiert das Gerät als Wechseldatenträger. So laden Sie mit dem Handy erstellte Fotos oder Videos bequem auf Ihren PC und andersherum Musik komfortabel und schnell auf das Handy.

Für den Betrieb mit WLAN lassen sich Android-Handys mit einem FTP- oder SSH-Server aufrüsten. Einen FTP-Server wie etwa SwiFTP [9] installieren Sie über den Market mit wenigen Klicks, ein SSH-Server bräuchte jedoch ein „gehacktes“ Android, das über einen Root-Zugriff verfügt. Seit dem ersten Update von Samsung kann man sich auf dem Galaxy Root-Rechte verschaffen. Anleitungen dafür kursieren in den einschlägigen Foren – bei solchen Manipulationen am System ist aber immer Vorsicht geboten.

Einziger Wermutstropfen in Sachen Datentransfer ist das Kapitel Bluetooth: Bislang wurde das Obex-Push-Protokoll, das Dateitransfers via Bluetooth ermöglicht, noch nicht für Android umgesetzt. Erst Android 2.0 soll die Bluetooth-Fähigkeiten des Androiden weiter ausbauen. „Donut“, der permanente Entwicklungszweig von Android, soll die entsprechenden Fähigkeiten im Spätsommer 2009 erhalten – bis dahin müssen Sie also auf Datentransfers via Bluetooth verzichten.

GPS-Tracks aufzeichnen

Android Handys wie das Samsung Galaxy verfügen über die Möglichkeit, GPS-Signale zu empfangen und so die Position des Geräts exakt zu bestimmen. Das ermöglicht beispielsweise, eine Karte mit der aktuellen Position anzuzeigen. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Anwendungen im Market, die das Galaxy zu einem vollwertigen GPS-Empfänger machen.

Als Beispiel sei hier MyTracks [10] genannt. Das Programm speichert fortlaufend die aktuelle Position und Geschwindigkeit. Die Daten stellt das Handy in der Karte dar, auf Wunsch laden Sie diese dann zu Google Maps hoch oder exportieren sie als GPX-Datei. In Anwendungen wie GPX Viewer [11] betrachten Sie die GPS-Tracks dann auf Ihrem Desktop. Wer lieber mit Openstreetmap arbeitet, der findet mit dem DroidCollector [12] im Market auch eine Anwendung, die direkt mit OSM kooperiert.

Fazit

Die Kinderkrankheiten einmal außer Acht gelassen, stellen Android-Handys im Allgemeinen und das Samsung Galaxy im Speziellen eine gute Alternative zu den etablierten Smartphones mit proprietären Betriebssystemen dar. Auch ohne Betriebsystem aus Redmond oder Cupertino bietet Android eine einfache Synchronisation mit dem (Linux-) Desktop und einfachen Datenaustausch per Datenkabel oder WLAN.

Glossar

IMAP

Im Gegensatz zu POP verbleiben bei IMAP die E-Mails auf dem Server. Desweiteren lassen sich auch ausgehende E-Mails auf dem Server speichern. So greifen Sie von allen Geräten aus auf einen identischen Datenbestand zu.

GPX

GPS Exchange Format. Ein offenes und lizenzfreies Datenformat zur Speicherung von Geodaten (GPS-Daten). Es erleichtert den Austausch von Geodaten zwischen verschiedenen Programmen und wird von zahlreichen Anwendungen unterstützt.

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