Aus LinuxUser 08/2009

Partitionen klonen und sichern mit Clonezilla

© Andreas Meyer, Fotolia.de

Jurassic Park

Clonezilla Live sichert und klont ganze Partitionen oder Festplatten. Das beliebte Live-System besticht dabei mit einer leicht bedienbaren Benutzeroberfläche.

Quittiert die einzige Festplatte des Systems mit einem metallischen Klackern den Dienst, ist das schon für sich genommen recht ärgerlich. Das dicke Ende steht aber erst noch an: Eine Ersatzplatte lässt sich zwar schnell beschaffen und einbauen, dann jedoch beginnt ein zeitraubender Installationsmarathon. Bis das gesamte System mit den persönlichen Einstellungen und lieb gewonnenen Hintergrundbildern steht, vergeht durchaus einmal ein Tag – oder auch zwei. Wer in dieser Situation eine Sicherheitskopie der gesamten Platte zur Hand hat, arbeitet nach einer Stunde wieder weiter, als wäre nichts gewesen.

Konservierungsmittel

Im gut sortierten Einzelhandel findet man zahlreiche Programme, die ein solches Komplettbackup per Knopfdruck erstellen – vorausgesetzt, man öffnet zuvor seine Brieftasche. Eine kostenlose Alternative zu proprietären Werkzeugen wie True Image, Drive Image und Norton Ghost bildet das quelloffene Clonezilla [1]. Es liest wahlweise eine Partition oder gleich die ganze Festplatte Bit für Bit aus. Die Daten landen dann entweder als Sicherungskopie in einer (recht großen) Datei, dem so genannten Image, oder aber direkt auf einem zweiten Datenträger. Auf diese Weise lässt sich eine Festplatte rasch klonen, beispielsweise wenn man auf einen neuen Computer umsteigt und dabei sein altes System mitnehmen möchte.

Clonezilla gibt es in zwei Varianten: Dem Hausgebrauch dient Clonezilla Live, das von einer CD oder einem bootfähigen USB-Stick startet und von dort aus eine Partition auf einen weiteren angeschlossenen Datenträger sichert. Auf Wunsch verschickt Clonezilla Live die Abbilder auch über das Netzwerk, etwa an einen NFS-, SSH- oder Samba-Server. Das ist besonders im Heimnetzwerk oder in Schulungsräumen nützlich, wo man so regelmäßig die Festplattenabbilder auf einem kleinen NAS ablegen kann. Die Spezialversion Clonezilla Server Edition klont über ein Netzwerk sogar die Festplatten mehrerer Rechner gleichzeitig, erfordert dafür aber auch eine spezielle Umgebung (siehe Kasten „Clonezilla SE“).

Clonezilla SE

Die Clonezilla Server Edition, kurz Clonezilla SE, ist Bestandteil eines so genannten DRBL-Servers. Die Abkürzung steht für Diskless Remote Boot in Linux, was gleichzeitig die Arbeitsweise beschreibt: Die angeschlossenen Client-Computer booten nicht von ihrer internen Festplatte, sondern über das Netzwerk. Der DRBL-Server übergibt dann das für den Betrieb notwendige Linux-System an die beteiligten Rechner. Auf diese Weise erlangt auch Clonezilla SE Zugriff auf die Datenträger der Computer und kann diese über das Netzwerk gleichzeitig klonen.

Laufwerksfutter

Um die eigene Festplatte zu sichern, wechseln Sie auf die Homepage des Clonezilla-Projekts und entscheiden sich im Download-Bereich für die letzte stabile Version. Möchten Sie Clonezilla Live von einer CD starten, greifen Sie zur ISO-Datei, die Sie anschließend auf eine CD brennen. Besitzer eines USB-Sticks laden das ZIP-Archiv herunter und stellen anschließend sicher, dass der USB-Stick eine als FAT32 formatierte Partition besitzt. Diese mounten Sie, entpacken dann auf ihr das Clonezilla-ZIP-Archiv, wechseln in einem Terminalfenster in das entstandene Unterverzeichnis utils/linux und machen den Stick dann über den Befehl bash makeboot.sh /dev/sdb1 bootfähig, wobei sbd1 für den Gerätenamen der Partition auf dem Stick steht.

Clonezilla lässt sich aus einem guten Grund nicht wie ein normales Programm aus dem laufenden Linux-System starten: Um eine Partition gefahrenfrei klonen zu können, muss sie ausgehängt sein. Andernfalls könnte Linux während der Sicherung Daten auf die Festplatte schreiben und somit das Image ruinieren. Die Systempartition selbst lässt sich jedoch nicht ohne weiteres aushängen. Folglich bleibt nur, Clonezilla von einem externen Medium zu booten. War das erfolgreich, erscheint der Bildschirm aus Abbildung 1.

Abbildung 1: Der Startbildschirm der Clonezilla Live-CD.
Abbildung 1: Der Startbildschirm der Clonezilla Live-CD.

Sofern Sie keine Taste drücken, startet automatisch Clonezilla Live. Kommt es später im laufenden Betrieb zu Grafikproblemen, sollten Sie hier zunächst zu einer geringeren Auflösung wechseln oder gar die Safe graphic settings ausprobieren. Bei anderweitigen Hardwareproblemen hilft der Failsafe mode. Schließlich kopiert der Punkt To RAM noch das komplette Clonezilla-Live-System in den Hauptspeicher. Die CD oder den USB-Stick können Sie dann aus dem Laufwerk nehmen beziehungsweise vom Rechner abziehen. Das ist besonders nützlich, wenn Sie nur noch über einen freien USB-Port verfügen, wie etwa auf Netbooks. Die Auswahl steuern Sie – wie auch im späteren Verlauf – mit den Pfeiltasten, die Eingabetaste löst die markierte Aktion aus.

Assistenz

In jedem Fall startet ein Debian Live System, das Sie erst einmal mit Textmeldungen bombardiert. Anschließend landen Sie in der Sprachauswahl aus Abbildung 2. Da Deutsch in der Auswahl fehlt, bleibt zwangsweise Englisch die erste Wahl. Bei der folgenden Frage nach der Tastaturbelegung aktivieren Sie Select keymap from full list und suchen aus der ziemlich langen Liste den Eintrag pc /qwertz / German / Standard / latin1 – no dead keys.

Abbildung 2: Clonezillas Sprachauswahl führt zwar drei asiatische Sprachvarianten auf, aber kein Deutsch.
Abbildung 2: Clonezillas Sprachauswahl führt zwar drei asiatische Sprachvarianten auf, aber kein Deutsch.

Als nächstes dürfen Sie endlich Clonezilla anwerfen oder aber auf die Kommandozeile wechseln – entscheiden Sie sich hier für den ersten Punkt. Clonezilla möchte jetzt wissen, ob es die Partition in einer Image-Datei ablegen (device-image) oder direkt auf eine andere, physikalische Festplatte übertragen (also klonen) soll (device-device). Das Backup eines vorhandenen Linux-Systems lässt sich leichter als Image-Datei archivieren, weshalb Sie hier wieder den ersten Punkt wählen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Hier fällt die Wahl zwischen einem Image oder einer Direktkopie.
Abbildung 3: Hier fällt die Wahl zwischen einem Image oder einer Direktkopie.

Lagerist

Wo Clonezilla das fertige Abbild ablegen soll, bestimmen Sie im nächsten Bildschirm. Dort haben Sie unter anderem auch die Möglichkeit, einen SSH-, Samba- oder NFS-Server zu kontaktieren (wie es dann weitergeht, verrät der Kasten „Netzwerker“). Bei einem privaten PC soll das Image in der Regel auf einer zweiten, eingebauten Festplatte oder einem USB-Laufwerk landen. In diesem Fall wählen Sie den ersten Punkt local_dev – also ein lokal angeschlossenes Gerät. Möchten Sie ein externes USB-Laufwerk oder einen Stick verwenden, stöpseln Sie das entsprechende Gerät nun ein, warten ungefähr fünf Sekunden, bis Linux es erkannt hat, und drücken dann die Eingabetaste. Clonezilla durchsucht jetzt alle Datenträger, deren es habhaft werden kann. Aus allen dabei gefundenen Partitionen wählen Sie diejenige aus, auf der gleich das Image landen soll. Achten Sie dabei peinlich genau darauf, nicht etwa die zu sichernde Partition zu erwischen.

Clonezilla hängt jetzt die gewählte Partition in das Verzeichnis /home/partition ein und spricht im weiteren Verlauf nur noch von diesem Einhängepunkt. Sie haben also keine Möglichkeit mehr, das Zielmedium zu kontrollieren, geschweige denn noch einmal zu wechseln.

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