Aus LinuxUser 04/2009

Das CMS Xoops

© Intern,PO2889, Jürgen Acker, Photocase

Leerer Rahmen

Das schlanke Xoops bringt im Vergleich zur Konkurrenz zwar nur Grundfunktionen mit, lässt sich aber problemlos aufmöbeln.

Xoops (eXtensible Object Oriented Portal System) entstand vor mehr als acht Jahren. Das anfangs vollwertige CMS reduzierten seine Programmierer im Lauf der Zeit auf die nötigsten Funktionen, etwa die Modulverwaltung und das Kommentarsystem. Der Rest wanderte in optionale Erweiterungen. Auf diese Weise entstand ein kleines und schlankes System, das Sie schnell an Ihre speziellen Bedürfnisse anpassen.

Um Xoops (ausgesprochen „Suups“) zu installieren, genügt ein herkömmlicher Webserver mit MySQL-Datenbank und PHP5-Unterstützung. Auf ihm entpacken Sie das Basispaket – idealerweise die eingedeutschte Fassung [1]. Dann rufen Sie im Browser die Adresse Ihrer Internetseite auf und folgen den Anweisungen des dabei startenden Assistenten. Die zahlreichen Fragen klicken Sie in der Regel per Nächster Schritt weg. Lediglich die Zugangsdaten zur Datenbank sowie den Nutzernamen und das Administratorpasswort tragen Sie ein. Nach elf Schritten erwartet Sie ein fast einsatzfähiges Xoops: Auf der leeren Startseite bitten am linken Rand zwei einsame Felder um die Anmeldung (Abbildung 1).

Abbildung 1: Karge Startseite: Xoops-Anwender rüsten die meisten Funktionen über externe Module nach.
Abbildung 1: Karge Startseite: Xoops-Anwender rüsten die meisten Funktionen über externe Module nach.

Würzmischung

Dieser Minimalismus hat Methode: Im Kern bringt Xoops nur das Grundgerüst mit. Jede weitere Funktion – auch das Verwalten einfacher Internetseiten – rüsten Sie über separate Module nach. Auf der Xoops-Homepage suchen Sie sich im Katalog die gewünschten Erweiterungen von Drittanbietern zusammen [2]. Für den Einstieg genügt ein Articles oder HTML/Static-Modul, über das Sie die Homepage mit Textseiten füllen. Das heruntergeladene Archiv entpacken Sie in das Unterverzeichnis modules der Xoops-Installation und setzen die von den Modulen jeweils benötigten Schreibrechte.

Danach wechseln Sie auf die Xoops-Homepage und melden sich über das Administrator-Konto an. Xoops bietet keine speziellen Unterseiten zum Steuern des System an. Einstellungen nehmen Sie nach dem Anmelden als Administrator über Site administration vor. Dort richten Sie auch die Module ein: Sie steuern den entsprechenden Menüpunkt an, veranlassen über das passende Symbol die Installation des Moduls und bestätigen dessen Aktivierung – reichlich umständlich. Alle aktiven Module landen in der linken Menüleiste, wodurch funktionsreiche Sites schnell unübersichtlich werden.

Benutz mich

Die Benutzerverwaltung übertrifft hingegen so manch anderes CMS: Nach der Installation kennt Xoops bereits drei Benutzergruppen: Anonyme Besucher, angemeldete Benutzer und Webmaster. Bei Bedarf erstellen Sie weitere Gruppen und legen für jede detailliert fest, auf welche Module, Funktionen und Unterseiten deren Mitglieder zugreifen. Sie verstecken etwa Werbebanner vor registrierten Benutzern oder verbieten bestimmten Grüppchen das Schreiben von Kommentaren. Als Bonus reichert jeder Benutzer sein Profil um ein paar persönliche Informationen und ein Avatar-Bild an – unter anderem werten Foren- oder Blogmodule diese Informationen aus.

Über das rudimentäre Postsystem schicken Sie einzelnen Nutzern oder ganzen Nutzergruppen Nachrichten. Bei mehreren Empfängern verwenden Sie Platzhalter, die Xoops durch die jeweiligen Benutzernamen ersetzt. Als Admin fahnden Sie über verschiedenen Kriterien nach Benutzern und löschen beleidigende Äußerungen.

Bietet der Provider es an, verschlüsselt Xoops – im Gegensatz zu anderen Content Management Systemen – die Anmeldung per SSL und blockiert auf Wunsch Rechner mit einer bestimmten IP-Adresse. Unziemliche Worte oder Wortbestandteile ersetzt das System auf Wunsch gegen Sternchen: Hier zeigt sich, dass Xoops primär Communitys ansprechen will.

Die Bilderverwaltung verdient ihren Namen indes nicht: Bevor Sie ein Foto hochladen, müssen Sie mindestens eine Kategorie anlegen, in der Xoops das Bild katalogisiert. Diese setzt Limits für die maximalen Abmessungen eines Bildes, die Bildgröße und die Zugriffsrechte. Das Hochladen wickelt Xoops über ein karges Formular ab – eine ansatzweise komfortable Medienverwaltung fehlt.

Baukasten

Jedes einzelne Modul verteilt seine Inhalte in so genannten Blöcken. Ähnlich wie bei den Spalten einer Tageszeitung bestimmen Sie, welches Modul in welchem Block auf der Homepage erscheint.

Um das eigentliche Aussehen der Informationen kümmern sich Layout-Vorlagen in Form von Themes und Templates. Xoops unterscheidet zwei Konzepte: Während Templates die Modulinhalte verschönern, bestimmen Themes das allgemeine Erscheinungsbild der Seite. Um Ihrer Website einen individuellen Look zu spendieren, müssen Sie mehrere kleine Vorlagendateien erstellen: Diese bestehen aus gut gemischten HTML- und PHP-Befehlen, ein grafischer Assistent fehlt.

Fazit

Da Xoops erst durch die nachträgliche Installation von Modulen zu einem vollwertigen Content Management System aufwächst, klicken Sie sich Ihr System gezielt zusammen. Die Flexibilität erkaufen Sie sich zum Preis einer mehr oder weniger inkonsistenten Bedienung – Pech, wenn sich auch noch zwei Module beißen. Unterm Strich wirkt das System dann nicht mehr wie aus einem Guss. Vom angedachten „Review-Prozess“, bei dem die Entwickler hochwertige Module mit einem Gütesiegel ausstatten, sieht man noch nicht viel. So genannte Community Packs schaffen Abhilfe: So enthält etwa das „Commerce Pack“ alle Module für einen kommerziell ausgerichteten Auftritt.

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