Aus LinuxUser 03/2009

Mldonkey kombiniert Filesharing-Protokolle

© sxc.hu

Sprachgewandter Esel

Musik- und Filmindustrie wettern gegen Filesharing, freie Projekte nutzen es aber ganz legal zum Verteilen von Software. Mldonkey bündelt die verschiedenen Protokolle unter einer Oberfläche.

Trotz aller negativen Presse eignet sich das Filesharing-Konzept, um Dateien jeder Art der Welt zugänglich zu machen, ohne sich dabei um Webspace oder ähnliches kümmern zu müssen. Filesharing bedeutet allgemein das Weitergeben von Dateien in einem Peer-to-peer-Netzwerk. Der Datenaustausch findet also direkt zwischen den teilnehmenden Rechnern statt, ein zentraler Server kommt nicht zum Einsatz.

Beim Filesharing kopieren Sie Daten von fremden Rechnern, wobei oft zeitgleich der lokale Rechner für andere Teilnehmer bereitstellt. Gegenüber einem zentralen Download-Server hat dies unter anderem den Vorteil, dass sich die Rechenlast auf mehrere Rechner verteilt. Außerdem erweist sich ein Peer-to-peer-Netzwerk als flexibler, da ein einzelner Rechnerausfall nicht zwangsläufig bedeutet, dass das gesamte Netzwerk lahmliegt. Die anderen Teilnehmer weichen einfach auf andere Rechner aus.

Beim Filesharing kommen verschiedene Protokolle zum Einsatz, wie zum Beispiel Edonkey2000 oder Bittorrent (mehr dazu im Kasten „Kleine Protokollkunde“). Jedes davon benötigt eigene Programme. Mehrere dieser Anwendungen parallel zu starten frisst allerdings nicht nur Speicher, sondern erschwert es auch, die vorhandene Netzwerkbandbreite des heimischen DSL-Anschlusses sinnvoll unter diesen aufzuteilen. Daher haben Entwickler einige Sammel-Applikationen programmiert, die jeweils mehrere Protokolle bedienen. Mldonkey, ein Open-Source-Projekt unter der GPL, gehört zu dieser Riege. Es liegt für Linux, MacOS und Windows vor. Derzeit unterstützt es unter anderem die Netzwerke EDonkey 2000 (ED2K), Overnet und Bittorrent.

Kleine Protokollkunde

Historisch gesehen war Napster das erste breiter bekannte Filesharing-Protokoll: Im Jahr 1999 erschien die erste Version auf der Bildfläche. Napster wuchs in der Folge sehr schnell, bis die Betreiber den Dienst 2001 wegen rechtlicher Probleme abschalteten. Im Jahr 2000 veröffentlichte die Firma Metamachine die erste Version von Edonkey2000. Das Netzwerk mit dem Esel-Logo wuchs ebenfalls schnell und avancierte im Jahr 2004 zum beliebteste Filesharing-Protokoll.

Die Teilnehmer von Edonkey2000 melden sich bei einem oder mehreren zentralen Servern an. Diese vermitteln zwischen den einzelnen Clients, etwa wenn eine Datei von einem Rechner zu einem anderen wandern soll. Diese Struktur arbeitet effizient, ist aber fehleranfällig: Fällt der zentrale Server aus, bricht die Kommunikation ab. Darüber hinaus stellen die Protokolldaten dieser Server ein gute Grundlage für juristische Feldzüge erboster Rechteinhaber dar.

Nachdem sich die Schwächen der Architektur mit zentralen Servern abzeichneten, erweiterte Metamachines das Protokoll um eine serverlose Variante, die unter dem Namen Overnet firmiert. Die dazu verwendete Logik basiert auf einem Kademlia genannten Protokoll, das für eine ebenso zuverlässige wie schnelle Suche sorgt.

Zwischenzeitlich tauchte ein weiteres Filesharing-Konzept namens „Bittorrent“ auf der Bildfläche auf. Bei diesem hat sich früh gezeigt, dass rechtlich bedenkliche Film- oder Musiktransfers nicht im Vordergrund stehen müssen: Sein Zweck bestand von Anfang an darin, große Dateien wie CD- oder DVD-Images von Linux-Distributionen zu verteilen. Das ist juristisch einwandfrei und schont den Geldbeutel der freien Distributionen. Um eine Datei per Bittorrent zu laden, benötigen Sie zunächst ein so genanntes Torrent. Diese kleinen Datei beinhaltet Informationen zu verfügbaren Servern („Tracker“ genannt) und Prüfsummen, um defekte Downloads zu vermeiden.

Mldonkey besteht aus zwei Teilen: Dem so genannten Core, der den eigentlichen Datenverkehr abwickelt, und der Benutzeroberfläche. Diese wechseln Sie nach Bedarf aus. Das erlaubt das Steuern sowohl auf der Kommandozeile (via Telnet) als auch über eine breite Auswahl an grafischen Benutzeroberflächen. Der Core läuft ressourcenschonend wie ein Daemon im Hintergrund.

Viele Distributionen bringen Mldonkey samt grafischer Oberfläche direkt mit, so etwa die aktuellen Versionen von OpenSuse (im Packman-Repository [1]), verschiedene Debian-Derivate und die Ubuntu-Varianten. OpenSuse teilt das Programm in die Pakete mldonkey, das den Programmkern enthält, und mldonkey-gui auf. Debian und Ubuntu nennen die entsprechenden Pakete mldonkey-server und mldonkey-gui. Stellt Ihre Distribution keine Pakete für Mldonkey bereit, verwenden Sie die vorkompilierten Dateien von der Website [2].

Start der Anwendung

Ubuntu konfiguriert den Core standardmäßig so, dass er bei jedem Systemstart automatisch mit hochkommt. Wer den Core lieber von Hand starten möchte, entfernt ihn unter Ubuntu aus der Service-Liste (zu erreichen über System | Administration | Services) und startet ihn über die Kommandozeile mit dem Befehl sudo /etc/init.d/mldonkey-server force-start. Bei anderen Distributionen (oder wenn Sie den Core von Hand installiert haben) genügt ein Aufruf von mlnet -daemon, um ihn in Gang zu setzen. Waren beim letzten Programmstart bereits Download-Aufträge eingestellt, setzt die Software diese ohne Datenverlust fort.

Abbildung 1: Beim Neustart setzt die Software bereits angefangene Downloads fort.
Abbildung 1: Beim Neustart setzt die Software bereits angefangene Downloads fort.

Bei Bedarf sprechen Sie den Core direkt über ein eingebautes Telnet-Interface an. Das erweist sich zum Beispiel als nützlich für das initiale Einrichten eines Passworts. Für die tägliche Arbeit eignet sich die deutlich bequemere grafische Oberfläche aber wesentlich besser. Sie starten Sie unter Ubuntu bequem über das Menü; den Eintrag passenden Eintrag finden Sie unter Anwendungen | Internet | MLDonkey. Alternativ nutzen Sie den Schnellstarter und geben dort mlgui ein.

Die Oberfläche wirkt zunächst einmal sehr übersichtlich und aufgeräumt. Allerdings existiert derzeit keine deutsche Übersetzung. Die Navigation erfolgt über die oben im Fenster angeordneten Reiter,die recht intuitiv Titel tragen. Unter Network stellen Sie ein, welche Filesharing-Protokolle Sie nutzen wollen. Im Menüpunkt Servers zeigt das Programm eine Übersicht über alle gefundenen ED2k-Server an.

Sobald Sie eine oder mehrere Dateien zum Herunterladen ausgewählt haben, findet sich der Fortschritt beim Datentransfer unter Downloads. Über das Kontextmenü nehmen Sie dort bei Bedarf weitere Einstellungen für die jeweilige Datei vor. So ändern Sie beispielsweise die Priorität der Datei oder unterbrochen den Download, um Bandbreite freizugeben.

Zu den wichtigsten Menüpunkten der Bedienoberfläche gehört der Punkt Suche. Hier geben Sie Stichworte ein und erhalten – sofern vorhanden – eine Liste passender Dateien, aus denen Sie bei Bedarf die gewünschte auswählen. Zu den wichtigsten Kriterien für die Güte des Downloads gehört die Zahl in der Spalte Availability. Hier steht die Anzahl an Dateiquellen – mehr Quellen ermöglichen natürlich einen schnelleren Download.

Sie starten das Herunterladen über einen Rechtsklick auf den Listeneintrag. In der daraufhin auftauchenden Auswahl klicken Sie auf den Eintrag Download. Über die erweiterte Suchfunktion engen Sie die Suche auf Dateien eines bestimmtes Typs oder sogar Formats ein. Speziell für die Suche nach Musik können Sie auch die in MP3-Dateien üblichen ID3-Header durchsuchen, etwa nach Künstler oder Albumtitel.

Für eine zuverlässige Kommunikation mit anderen Filesharern braucht es meist noch etwas Konfigurationsarbeit. Die entsprechenden Netzwerkeinstellungen finden Sie im Kasten „Netzwerkkonfiguration“. In dem dort erwähnten Dialog stellen Sie bei Bedarf auch die Bandbreite ein, die Sie Mldonkey maximal zugestehen. Die sollten Sie so begrenzen, dass mindestens ein Viertel der Kapazität der DSL-Leitung frei bleibt. Bei Unklarheit über die Leitungsdaten hilft der Einsatz einer Speedtest-Webseite [3].

Netzwerkkonfiguration

Dass Peer-to-peer-Filesharing wirklich vom und zum eigenen Rechner funktioniert, setzt voraus, dass Sie anderen Computern erlauben, sich vom Internet Sie auf Ihren PC zu verbinden. Verwenden Sie eine Personal Firewall oder einen Access Point, geben Sie zunächst dort die Ports, die das gewünschte Filesharing-Netz verwendet, für eingehende Verbindungen frei. Damit die Anfragen aus dem Netz auch durchkommen, konfigurieren Sie mit Hilfe der Port-Forwarding-Funktion den Router so, dass er Anfragen an diese Ports an den Zielrechner im lokalen Netz weiterreicht.

Welche Ports Sie freigeben, hängt davon ab, welche Filesharing-Netzwerke Sie nutzen möchten. Am einfachsten finden Sie die benötigten Ports im Einstellungsdialog: In der linken unteren Ecke der Mldonkey-GUI versteckt sich hinter dem Schriftzug Not connected beziehungsweise Connected ein Menü, das über den Punkt Setup zum Einstellungsdialog führt. In den links angeordneten Tabs für die einzelnen Netzwerke finden Sie alle entsprechenden Einstellungen, auch den jeweils genutzten Port. Unter [8] finden Sie eine ergänzende Liste der Ports für die von Mldonkey unterstützten Protokolle.

Aber selbst wenn Sie diesen Schritt auslassen, dürfen Sie an Filesharing-Netzwerken teilnehmen. Allerdings führt das den Gedanken des Tauschens zwischen Gleichen ad absurdum und belastet die Infrastruktur der Netzwerke übermäßig. Das ED2K-Netz etwa straft solche Benutzer mit einer so genannten Low-ID ab, mit der geringere Privilegien einhergehen.

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