Aus LinuxUser 07/2008

20 aktuelle WLAN-Adapter im Test (Seite 2)

Wechseln Sie zum Kompilieren nach dem Entpacken der Datei rt2870-project.tar.gz ins Verzeichnis Module und führen Sie hier make aus. Haben Sie bereits den Treiber von der Ralink-Homepage installiert, müssen Sie diesen zunächst entfernen, sonst kommt es zu einem Konflikt beim Laden des passenden Kernelmoduls. Dazu führen Sie im Verzeichnis 2008_0506_RT2870_Linux_STA_v1.3.0.0 als Root den Befehl make uninstall aus. Danach installieren Sie den RT2870-Project-Treiber über make install im Verzeichnis rt2870-project. Beim Anschließen eines passenden USB-Sticks lädt der Kernel dann das Modul rt2870 (ohne sta im Modulnamen), als Interface legt der Treiber die Schnittstelle wlan0 an. Eine WPA-Verschlüsselung legen Sie analog wie bei den PCI-Karten an, den Code in Listing 1 können Sie mit kleinen Änderungen übernehmen.

Für die älteren 802.11g-Adapter mit Ralink-Chipsatz bringt der Kernel zwar alle Treiber mit, aber nicht unbedingt die Firmware. Je nach Distribution gehört diese schon zur Standardinstallation (Fedora 9, Ubuntu 8.04) oder sie müssen sie nachinstallieren. Unter OpenSuse 11 spielen Sie die Firmware aus dem NON-OSS-Repository mit folgendem Befehl ein:

zypper install ralink-firmware

Die 802.11g-Modelle mit Ralink-Chipsatz lassen sich komplett über den Netzwerkmanager einrichten.

Nur mit Ndiswrapper

Nur drei Geräte im Testfeld benötigten zwingend den Windows-Treiber, um unter Linux zu funken. Bei keinem der drei Adapter müssen Sie im Internet nach entsprechenden Treibern suchen oder über Wine irgendwelche setup.exe-Dateien ausführen, um an die passenden Treiber zu gelangen. Die benötigte INF-Datei liegt jeweils ungepackt auf der beiliegenden Treiber-CD. Für den Linksys USB300N finden Sie sie im Verzeichnis WUSB300N/Drivers. Sie installieren den Treiber über den Befehl

ndiswrapper -i XP_2K/netmw245.inf

Danach laden Sie als Root den Ndiswrapper über den Befehl modprobe ndiswrapper. Den Treiber für den Cardbus-Adapter WLI-CB-AG300N von Buffalo finden Sie im Verzeichnis Bin/Driver/CBAG300N, die Installation erfolgt über ndiswrapper -i netag3n.inf. Beim USB-Stick von AVM liegt die passende Datei fwusbn.inf im Hauptverzeichnis der Treiber-CD. Das Setup gestaltet sich analog zu den genannten zwei Karten.

In den Tests verursachte der Netag3n-Treiber des Buffalo-Adapters am meisten Schwierigkeiten. Ein Test-Notebook mit OpenSuse 10.3 stürzte beim Laden des Ndiswrapper-Moduls reproduzierbar ab, auch unter der Beta3 von OpenSuse 11 kam es ab und zu zu kompletten Hängern mit dem Marvell-Treiber. Für den Atheros-Chipsatz AR9001/AR9160 des Fritz-Sticks gibt es zwar einen binären Linux-Treiber [4]. Dieser ist jedoch für Kernel 2.6.21 kompiliert und unterstützt nur Mini-PCI-Karten, keine USB-Geräte. Der Ath5k-Treiber unterstützt den Chipsatz nicht. Der 802.11n-Stick von AVM funkt nicht nur in b-, g- und n-Netzen, sondern auch nach dem Standard 802.11a (siehe Kasten „A-Netze“).

A-Netze

Von vielen Anwendern kaum beachtet hat sich neben dem 802.11g-Standard für Funknetze mit einer Geschwindigkeit von maximal 54 MBit/s auch der Standard 802.11a durchgesetzt. Er bringt in etwa die gleichen Parameter wie 802.11g mit (ca. 2 MByte/s Datendurchsatz, ca. 35 Meter Reichweite in Gebäuden), sendet aber im 5-GHz-Band anstelle des üblichen 2,4-GHz-Bereichs. Um die gleiche Reichweite wie 802.11g-Adapter zu erzielen, benötigen 802.11a-Geräte eine höhere Sendeleistung, was jedoch auch einen höheren Stromverbrauch bedeutet.

Der Einsatz eines 802.11a-Netzes empfiehlt sich in Umgebungen mit sehr vielen Störfaktoren (Mikrowelle, Babyfon, viele WLAN-Netze). Die Geräte kosten in der Regel etwas mehr als „herkömmliche“ Adapter; bei den meisten Sticks, Routern und Karten handelt es sich aber Kombigeräte, die auch mit 801.11b- und 802.11g-Netzen zurecht kommen. Von den Testgeräten beherrschen nur zwei Cardbus-Karten von Buffalo sowie der USB-Stick von AVM den 802.11a-Modus.

Broadcom wie gehabt

Besitzen Sie eine der getesteten Cardbus-Karten mit dem Broadcom-Chipsatz 4318, müssen Sie kein eigenes Kernelmodul bauen: Der Linux-Kernel unterstützt diese Hardware schon seit längerem, die Firmware gehört aber weiterhin nicht zum Kernel. Installieren Sie das Paket bcm43xx-fwcutter. Es befindet sich bei OpenSuse auf der DVD, Ubuntu-Benutzer installieren es aus dem Universe-Repository. Anschließend rufen Sie unter OpenSuse mit Admin-Rechten den Befehl install_bcm43xx_firmware auf. Unter Ubuntu lautet der passende Befehl /usr/share/bcm43xx-fwcutter/install_bcm43xx_firmware.sh. Beide Befehle legen die extrahierten Dateien im Verzeichnis /lib/firmware ab. Nach den Befehlen rmmod bcm43xx und modprobe bcm43xx ist die Karte einsatzbereit. Die WPA-Verschlüsselung richten Sie bequem per Networkmanager oder von Hand per wpa_supplicant ein.

Ath5k für Atheros-Karten

Seit Version 2.6.25 unterstützt der Kernel einige Atheros-Karten out-of-the-box. Welche genau dazugehören, hängt von der Kernel- und der Treiberversion ab. In unseren Tests funktionierte zum Beispiel die Cardbus-Karte DWA-645 unter Fedora-Core automatisch; unter der Beta3 von OpenSuse 11 erschien im Systemlog die Meldung, dass diese Karte von Ath5k noch nicht unterstützt werde, obwohl beide Distributionen auf den Kernel 2.6.25 setzen. Um an die neuen WLAN-Treiber zu gelangen, müssen Sie aber nicht zwingend ein komplettes Kernel-Update vornehmen.

Auf der Projektseite des Linux-Wireless-Treiber-Programms [5] gibt es täglich aktualisierte Quellpakete mit Treibern für diverse Atheros-, Broadcom-, Ralink und Intel-Chipsätze. Dieses Paket passt zu allen Kerneln ab Version 2.6.21. Entpacken Sie dazu die Datei compat-wireless-2.6.tar.bz2 in einem beliebigen Verzeichnis, wechseln Sie mit cd compat-wireless-Datum in das neue Verzeichnis und führen Sie hier die Befehle make und sudo make install aus.

Bis der Ath5k-Treiber sämtliche Karten mit Atheros-Chipsatz unterstützt, sind Sie eventuell noch auf den Ndiswrapper angewiesen. In unseren Tests lieferten die zwei Cardbus-Karten WPC54GS-DE und DWA-645 mit dem Ndiswrapper einen leicht besseren Datendurchsatz – allerdings keine 300 Mbit/s, wie es die Ausgabe von iwconfig behauptet (Abbildung 2).

Abbildung 2: Laut <code>iwconfig</code> funkt die Karte mit 300 Mbit pro Sekunde, gemessen haben wir gerade mal 54 Mbit/s.
Abbildung 2: Laut iwconfig funkt die Karte mit 300 Mbit pro Sekunde, gemessen haben wir gerade mal 54 Mbit/s.

Was liegt drin?

Wer sich neues WLAN-Equipment besorgt, möchte natürlich auch die Vorteile der neuen Technologie nutzen. Unsere Tests brachten jedoch relativ ernüchternde Ergebnisse. Die meisten 802.11n-Geräte kommen nicht über die Leistung von 802.11g-Hardware hinaus. Einzig zwei Ralink-Geräte mit dem RT2860-Chipsatz schafften Übertragungsraten von knapp 5 MByte/s über SSH. Sie erreichen per WLAN somit im besten Fall den Speed eines 100-Mbit/s-Ethernet-Netzes, von 300 Mbit/s ist die Technologie – zumindest unter Linux – noch weit entfernt. Interessanterweise hat auch keine Linux-Distribution die Test-Access-Points DWL-655 von D-Link und W2R-AG300NH von Buffalo als 802.11n-Access-Point erkannt. Die Ausgabe von iwlist wlan0 scan zeigte als Höchstgeschwindigkeit jeweils 54 Mbit/s an.

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