Aus LinuxUser 06/2008

Strom sparen durch Hardware-Optimierung (Seite 2)

Achten Sie darauf, keine CD- oder DVD-Medien in den Laufwerken zu lassen, wenn Sie diese nicht benötigen. Beim Booten des Rechners greifen einige Programme auf diese Laufwerke zu und versuchen Informationen zum eingelegten Datenträger zu erhalten. Auch KDE liest zum Beispiel beim Login ein Inhaltsverzeichnis der optischen Datenträger ein. Die meisten DVD-Laufwerke benötigen zum Hochfahren gut 20 Watt, im laufenden Betrieb je nach Geschwindigkeit bis zu 30 Watt.

Netzteil

Die meisten aktuellen Netzteile bieten Spitzenleistungen von 500 Watt und darüber. Nicht alle Netzteile setzen jedoch den Strom gleich effizient in Leistung um: Gerade die günstigen Netzteile haben in der Regel einen sehr schlechten Wirkungsgrad. Informieren Sie sich deshalb vor dem Kauf eines neuen Netzteils über dessen Wirkungsgrad.

Einige Prozessoren, wie etwa die C7-Serie von VIA, benötigen unbedingt spezielle Netzteile, um nicht unnötig viel Strom zu verbrauchen [2]. Liegt die Leistung Ihres Rechners unter 100 Watt, kaufen Sie am besten ein PicoPSU-Netzteil. Sie erschlagen damit gleich zwei Fliegen auf einen Streich: Ihr Rechner verbraucht weniger Strom, unabhängig welche Hardware darin steckt; und da das Netzteil klein und lüfterlos ist, macht der Rechner weniger Lärm.

Die PicoPSU [3] gibt es in verschiedenen Ausführungen. LinuxUser hat für diese Ausgabe fünf verschiedene Varianten von Cartft.com [4] getestet. Für einen normalen Desktop-PC sind Sie mit der PicoPSU 120 WI 25 am besten beraten (Abbildung 3)). Sie passt in jeden Rechner mit 20- oder 24-Pin-Netzstecker. Selbst bei unserem Stromsparrechner mit einer auf 850 MHz getakteten Intel-Celeron-CPU lassen sich mit dem Mini-Netzteil nochmals bis zu 14 Watt sparen (siehe Tabelle „Netzteil auswechseln“).

Welche Variante der PicoPSU Sie einsetzen, spielt dabei keine Rolle, das Sparpotenzial fällt bei allen getesteten Varianten gleich hoch aus. Je nach Netzteil lohnt sich der Wechsel auch für Benutzer, die den Computer nur selten einschalten: Ein Netzteil benötigte in den Tests auch im ausgeschalteten Zustand 7 Watt, bei der PicoPSU liegt der Verbrauch in diesem Zustand dagegen unter 1 Watt.

Abbildung 3: Die PicoPSU ist kaum größer als eine Streichholzschachtel. Strom spart sie durch den sehr hohen Wirkungsgrad.
Abbildung 3: Die PicoPSU ist kaum größer als eine Streichholzschachtel. Strom spart sie durch den sehr hohen Wirkungsgrad.

Netzteil auswechseln

  CPU Normales Netzteil PicoPSU 120 WI 25
Rechner1 AMD Duron, 700 MHz 75 Watt 60 Watt
Rechner2 AMD Athlon XP 2800+, 1,7 GHz 90 Watt 80 Watt
Rechner3 Intel Celeron Coppermine, 850 MHz 40 Watt 27 Watt

Kleinkram

Festplattenkühler, wie man sie etwa in Racks findet, und Gehäuselüfter machen nicht nur oft unnötig Lärm, sondern sie steuern auch 1 bis 2 Watt zum Stromverbrauch bei. In normal gelüfteten Räumen mit einer Temperatur zwischen 20 und 23 Grad benötigen die meisten Rechner keine zusätzlichen Lüfter außer der CPU-Kühlung.

Falls Sie beim Arbeiten oft Musik hören, dann sollten Sie anstelle von Amarok oder Rhythmbox ogg123 oder mpg123 für das Playback nutzen: Die Kommandozeilentools beanspruchen die CPU weniger und benötigen nur 1 bis 2 Watt für das Playback, die grafischen Tools mindestens 5 Watt.

ACPI-Einstellungen

Nutzen Sie Sie Ihren Rechner nicht ständig, sollte er auch nicht immer mit voller Leistung arbeiten. Nutzen Sie also die vom BIOS angebotenen Stromsparmechanismen: In erster Linie sind das die ACPI-Zustände S1 (Power on Suspend, POS) und S3 (Suspend to Ram, STR) sowie das Speedstepping (falls der Prozessor dies unterstützt).

Auf das Speedstepping sollten Sie beim Kauf eines neuen Rechners unbedingt achten, da zum Beispiel die meisten Pentium-4-Prozessoren mangels dieses Features immer unter Volllast arbeiten und so unnötig Wärme produzieren und Strom verbrauchen. Bei den meisten CPUs ohne Speedstepping-Support können Sie immerhin im BIOS die Frequenz heruntersetzen. So lohnt es sich zum Beispiel, eine 2,4-GHz-CPU nur mit 2 oder 1,8 GHz zu betreiben.

Welche Powermanagement-Funktionen Ihr Rechner unterstützt, hängt von den BIOS-Einstellungen und meistens auch von der benutzten Distribution ab. Aktivieren Sie dazu die ACPI-Funktionen und setzen Sie die Einstellung Plug’n’play OS (oder ähnlich) auf YES. Müssen Sie zwischen S1 und S3 wählen, dann sollten Sie zunächst S3 ausprobieren, da der Rechner in diesem Zustand fast keinen Strom mehr braucht (unter 10 Watt), aber trotzdem in ein paar Sekunden wieder voll aufwacht. Im Standby-Modus (S1) schaltet der Rechner nur die Grafikkarte aus und fährt die Festplatte herunter. Das Aufwachen dauert keine Sekunde, und je nach Hardware sparen Sie 15 bis 30 Watt.

Auch hier stellten wir bei den Tests Merkwürdigkeiten fest: So funktionierte das Standby auf einem Testrechner unter OpenSuse 10.3 nur über den Befehl echo standby > /sys/power/state, das Powersave-Applet tat schlicht nichts. Zudem verbrauchte der Rechner nach dem Resume permanent 125 Watt statt der sonst konsumierten 90 bis 100 Watt.

Fazit

Mit wenigen Änderungen an der Hardware lassen sich auch bei Desktop-Rechnern schnell 20 Watt an Leistung sparen. Das so jährlich ersparte Geld reicht zwar bestenfalls für eine Pizza, aber wie sagt das Sprichwort: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert.“

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