Aus LinuxUser 06/2008

Innovativer Linux-Shop des Millin-Verlags

Linux im Shop

Wer freie Software „kauft“, erwirbt in der Regel nicht das Programm, sondern eine damit verbundene Dienstleistung. So verhält es sich auch mit dem Online-Shop des Millin-Verlages.

LinuxUser testete in Ausgabe 01/2008 [1] eine spezielle Version von OpenSuse 10.3 aus dem Millin-Verlag, die auf der Verpackung unter anderem eine persönliche Installationsquelle mit Updates verspricht. Zum Testzeitpunkt gab es diese Quelle noch nicht – in der Zwischenzeit hat der Millin-Verlag den Shop fertiggestellt [2].

Die Theorie hinter dem Vorkon-Shop ist einfach: Sie richten für den Paketmanager eine zusätzliche Installationsquelle ein (Abbildung 1), und sämtliche Software, die Sie im Shop kaufen (Abbildung 2), steht anschließend automatisch über diese Installationsquelle bereit (Abbildung 3). Doch in der Praxis funktioniert nicht alles so reibungslos.

Abbildung 1: Das persönliche Internetverzeichnis fügen Sie ganz normal als Installationsquelle hinzu.
Abbildung 1: Das persönliche Internetverzeichnis fügen Sie ganz normal als Installationsquelle hinzu.
Abbildung 2: Nach dem Kauf von LinDVD im Vorkon-Shop …
Abbildung 2: Nach dem Kauf von LinDVD im Vorkon-Shop …
Abbildung 3: … steht die Software später in YaST zur Installation bereit.
Abbildung 3: … steht die Software später in YaST zur Installation bereit.

Persönlicher Schlüssel

In der Vorkon-10.3-Box mit OpenSuse 10.3 finden Sie auf dem Beiblatt einen Aufkleber mit Ihrem persönlichen Zugangscode. Dieser Code hat nichts mit dem eigentlichen Schlüssel zu tun: Sie benötigen ihn für die Registration auf der Vorkon-Website. Haben Sie sich auf der Website für ein Produkt entschieden, erscheint bei der Bestellung ein Formular für die Erstregistrierung. Hier geben Sie im Kommentarfeld den persönlichen Zugangscode ein. Nach der Registrierung erhalten Sie per Mail Ihr Passwort und den Benutzernamen. Das Passwort benötigen Sie nur, um im Shop etwas zu bestellen.

Nach der Registrierung richtet der Vorkon-Shop unter http://vorkon.de/vkd/Schlüssel einen Webbereich ein. Diesen Bereich schützt nicht etwa ein Passwort, sondern lediglich ein 32 Stellen langer Schlüssel im Namen der URL. In diesem „persönlichen und Passwort-geschützten Internet-Verzeichnis“ finden Sie die Verzeichnisse DEB, Doku, Dokumentation, RPM und WIN – egal welche Version der Vorkon-DVD Sie erworben haben. Das Verzeichnis Dokumentation enthält allgemeine Informationen zum Vorkon-Shop und zu den Millin-Angeboten.

Kaufen Sie im Shop eine Software, finden Sie die zugehörige Dokumentation im Verzeichnis Doku-Verzeichnis. Unter RPM befindet sich eine unsignierte Repomd-Installationsquelle, welche die Zusatzprogramme der Vorkon-DVD sowie Updates zu den von Vorkon angebotenen Zusätzen enthält. Kaufen Sie im Shop einen weiteren Artikel, baut das System die Installationsquelle neu, sodass dann auch dieses Produkt über den Paketmanager bereitsteht.

Pro und Contra

Die Idee mit einem Online-Repository als Shop vermag zu gefallen, und die Dokumentation deckt alle Bereiche sehr gut ab. Trotzdem stellt das Setup der Quelle für Anfänger ein nicht zu unterschätzendes Hindernis dar. Mindestens für OpenSuse würde sich hier das One-Click-Install-Feature von YaST besser eignen, da es Repositories automatisch einrichtet. Negativ fällt auf, dass die Paketquellen für OpenSuse nicht signiert sind. Man erhält deshalb bei jedem Start von YaST einen Hinweis, dass man eine nicht vertrauenswürdige Quelle hinzugefügt hat (Abbildung 4).

Abbildung 4: Dieser Warnhinweis regt nur bedingt zur Nutzung des Vorkon-Shops an.
Abbildung 4: Dieser Warnhinweis regt nur bedingt zur Nutzung des Vorkon-Shops an.

Bezahlen können Sie zurzeit nur mit Vorkasse per Überweisung: Das bedeutet, dass Sie nach dem Kauf eines Programms mit der Installation zwei bis drei Tage warten müssen, bis das Geld beim Millin-Shop eingegangen ist und der Verlag die Software freischaltet.

Die Installation der verfügbaren Programme klappte in den Tests auf Anhieb. Die verschiedenen Schlüssel und Passwörter sorgen aber zunächst für Verwirrung. Durch einen Bug im System konnten wir uns zudem nicht im Shop anmelden, da der Benutzername nicht genau der E-Mailadresse entsprach.

Die Auswahl der Programme ist derzeit noch relativ klein und umfasst auch exotische Software wie Oyranos für das Farbmanagement oder Cinepaint – Anwendungen, die Otto Normalbenutzer vermutlich selten benötigt. Theoretisch kann jedes Softwareprojekt Pakete über den Vorkon-Shop anbieten: Der Millin-Verlag beteiligt diese Projekte dann am Umsatz. Auf der Startseite unterscheidet der Shop zudem nicht zwischen Ubuntu- und OpenSuse-Programmen. So kauften wir versehentlich die Ubuntu-Version von Moneyplex (Abbildung 2), die Software landete auch prompt im entsprechenden DEB-Verzeichnis.

Fazit

Nach dem etwas umständlichen Setup macht die persönliche Installationsquelle das Einkaufen und Installieren von Zusatzprogrammen fast zum Kinderspiel. Das größte Problem des Shops besteht aber zurzeit in der kleinen Programmauswahl und im Fehlen von Micropayment. So vergehen zwischen dem Kauf und der eigentlichen Installation mehrere Tage. In dieser Zeit werden sich die meisten Linux-Nutzer die Software über andere Quellen besorgen.

Glossar

Repomd

Abkürzung für RPM Metadata beziehungsweise XML Package Metadata. Paketquellenformat, das unter anderem YaST, Apt, Smart und Yum unterstützen. Das von OpenSuse benutzte Repomd-Format enthält einige Zusätze zum offiziellen XML-Package-Metadata-Format.

Infos

[1] Vorkon-Suse: Marcel Hilzinger, „Alles vorbereitet – Spezielle OpenSuse-Version von Millin mit 6 GByte Software“, LinuxUser 01/2008, S. 70.

[2] Vorkon Shop: http://www.vorkon.de

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