Aus LinuxUser 05/2008

Audiodateien via Konsole rippen und konvertieren

© sxc.hu

Im Dutzend schneller

Viele Vorgänge bei der Arbeit mit Audiodateien erledigen Sie über die Konsole schneller, als mit grafischen Programmen. Der Artikel zeigt Ihnen, welche Tools Sie wofür benutzen.

Angesichts der heute verfügbaren grafischen Tools und Programme mag das Textfenster manchem wie ein Relikt aus der Steinzeit des Computerzeitalters vorkommen. Wer die Konsole allerdings als veraltet abtut, verkennt ihre Fähigkeiten: Gerade Aufgaben ohne Benutzerinteraktion wickeln Sie über die Kommandozeile meist wesentlich schneller und effizienter ab als über die grafische Oberfläche. Denn auch diese erfindet das Rad nicht neu, sondern stellt oft lediglich ein Frontend für die Kommandozeilenprogramme dar, die sie im Hintergrund aufruft. Begeben Sie sich also selbst auf die Kommandozeile, dann erhalten Sie die volle Kontrolle über genau diese Tools, ohne mit den möglichen Einschränkungen grafischer Oberflächen leben zu müssen.

Musik-CDs rippen

Einen für viele Benutzer elementaren Schritt im Umgang mit Audiodateien stellt das Kopieren von Musik-CDs auf die Festplatte dar. Damit nicht wenige Alben das Fassungsvermögen der Harddisk sprengen, geschieht das „Rippen“ gewöhnlich Hand in Hand mit dem Komprimieren der Musikstücke. Dank ausgereifter Audio-Codecs wie Lame und Ogg-Vorbis, die bei richtiger Komprimierungsrate beinahe ohne Qualitätsverlust arbeiten, ist das kein Problem mehr. Die Kompressionrate liegt selbst bei einer niedrig gewählten Kompressionsrate (etwa 320 kbit/s) bei bei etwa 1:5.

Damit Sie später den Überblick nicht verlieren, versehen Sie Ihre Musik mit Metadaten, die Informationen über Titel und Interpret enthalten. Da es aber sehr zeitraubend und lästig wäre, diese Informationen von jeder importierten CD per Hand einzutippen, kommen Ihnen die Compact Disc Database [1] und die Free Database [2] zu Hilfe. Jede CD besitzt eine einmalige ID, anhand derer sie sich identifizieren lässt. So muss man vor dem Kopieren der Tracks nur eine der beiden Datenbanken nach dieser ID durchsuchen, um die Musikstücke mit den richtigen Informationen zu versehen.

Abcde kommt zur Hilfe

Müssten Sie sämtliche genannten Schritte manuell ausführen, wäre das Kopieren von CDs eine mühselige Angelegenheit. Mit dem kleinen Programm abcde[3] erledigen Sie die Aufgabe schnell und unkompliziert. Das Tool bildet einen Bestandteil aller aktuellen Linux-Distributionen, Sie installieren es über den jeweiligen Paketmanager.

Um eine Audio-CD in komprimierter Form auf der Festplatte zu speichern, starten Sie Programm mit dem Kommandozeilenbefehl abcde -d /dev/cdrom -o mp3. Das Tool untersucht zunächst die Inhalte der CD, startet dann eine Abfrage bei den oben genannten Online-Datenbanken nach den Metadaten und zeigt Ihnen die Resultate im Terminal an. Dort übernehmen Sie entweder die Voreinstellung oder ändern Eintrage (Abbildung 1).

Abbildung 1: Entsprechen die vorgegebenen Metadaten der Onlineabfrage nicht Ihren Vorstellungen, bietet <code>abcde</code> die Möglichkeit, sie zu ändern.
Abbildung 1: Entsprechen die vorgegebenen Metadaten der Onlineabfrage nicht Ihren Vorstellungen, bietet abcde die Möglichkeit, sie zu ändern.

Das macht vor allem dann Sinn, wenn sich im CDDB-Eintrag ein Fehler eingeschlichen hat oder die Formatierung nicht Ihren Vorstellungen entspricht. Im Anschluss verlassen Sie den Vi-Editor mit der Eingabe von [ESC],[:],[Q],[W]. Danach beginnt der Encoding-Prozess, nach dessen Ende Sie die Songs im MP3-Format in einem Ordner mit dem Namen des Albums finden. Der befindet sich in dem Verzeichnis, in dem Sie Abcde gestartet haben. Das Programm verwendet als Standard-Kodierungsrate 128 kbit/s.

Verwenden Sie lieber das freie Komprimierungsformat Ogg-Vorbis, tauschen Sie die Option -o mp3 gegen -o ogg aus. Hier verwendet der Ripper eine Standard-Bitrate von 112 kbit/s. Um einzelne Tracks einer CD zu kopieren, geben Sie am Ende des Aufrufs nacheinander die Titelnummern an, etwa abcde -d /dev/cdrom -o mp3 1 5 8.

Audio-Wiedergabe auf der Kommandozeile

Je nach verwendetem Audio-Codec benötigen Sie zur Wiedergabe von Audiodateien über die Kommandozeile das dafür geeignete Programm. Am einfachsten gestaltet sich das Abspielen von Wave-Dateien, da diese keine spezielle Kodierung besitzen. Benutzen sie den Befehl cat WAV-Datei > /dev/dsp, um den Inhalt der Datei an die Soundkarte weiterzuleiten und die Soundausgabe zu starten.

Für das Abspielen von Dateien im MP3-Format stehen Ihnen mehrere Werkzeuge zur Verfügung: mpg123[4] und mpg321[5] bieten im Grunde die gleichen Funktionen und unterschieden sich lange Zeit nur durch ihre Lizenz: Während Mpg321 von vornherein der GPL unterlag, stand das etwas ältere Mpg123 unter einer proprietären Lizenz, ist inzwischen aber auch LGPL-lizenziert.

Beide Programme finden sich im Umfang aller aktuellen Linux-Distributionen. Zur Installation verwenden Sie den jeweiligen Paketmanager. Um einen Titel abzuspielen, tippen Sie in der Konsole mpg123 Dateiname.mp3 (Abbildung 2). Um mehrere Titel abzuspielen, geben Sie die Dateinamen hintereinander an. Möchten Sie ein Stück mehrere Male wiedergeben, geben Sie den Namen so oft ein, wie Sie ihn wiederholen möchten.

Zum Abspielen von Ogg-Vorbis-Dateien verwenden Sie das Programm ogg123[6], das im Grunde genauso funktioniert wie Mpg123.

Abbildung 2: Der Audioplayer <code>mpg123</code> spielt MP3-Dateien über die Kommandozeile ab.
Abbildung 2: Der Audioplayer mpg123 spielt MP3-Dateien über die Kommandozeile ab.

OGG und MP3 zu WAV

Die Königsdisziplin der Audiobearbeitung im Terminal stellen das Umwandeln von einem Format in ein anderes sowie das Weiterverarbeiten der umgewandelten Dateien dar. Möchten Sie eine Audio-CD mit Titeln von Ihrer Festplatte erstellen wollen, bedarf es dafür eines kleinen Umwegs.

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