Aus LinuxUser 04/2008

FTP-Client Filezilla

Transportverwalter

Leistungsfähige FTP-Clients mit grafischer Benutzeroberfläche sind für Linux eher selten anzutreffen. Filezilla schließt diese Lücke.

Filezilla hat, anders als der Name zunächst suggeriert, mit dem Mozilla-Projekt nichts gemein. Das im Jahre 2001 von Tim Kosse ins Leben gerufene Projekt [1] erhielt im November 2003 von Sourceforge die Auszeichnung „Project of the Month“ [2] – und wurde bislang gut 24 Millionen Malbei Sourceforge heruntergeladen. In der Version 3 haben die Entwickler den ursprünglich nur für Windows erhältliche FTP-Client zu weiten Teilen umgeschrieben und auch auf Linux und Mac OS X portiert [3].

Unter der aufgeräumten Oberfläche (Abbildung 1) wartet der unter der GPL2 Lizenzierte FTP-Client mit Features auf, die selbst manch kommerzielle Software aus dem Windows-Lager vor Neid erblassen lassen. Ein Proxy-Support gehören ebenso zum Repertoire wie das Verwenden verschlüsselter Protokolle wie FTPS, FTPES oder SSH File Transfer Protocol. Ein Datei- und Verzeichnisfilter sorgt dafür, dass Sie nur das zu Gesicht bekommen, wonach Sie suchen. Auch mit von der Partie ist ein Downloadbegrenzer, mit dem Sie sowohl die Anzahl der Up- und Downloads festlegen, als auch die maximale Übertragungsgeschwindigkeit.

Abbildung 1: Der FTP-Client Filezilla bietet unter einer aufgeräumten Benutzeroberfläche eine Menge sinnvoller Features.
Abbildung 1: Der FTP-Client Filezilla bietet unter einer aufgeräumten Benutzeroberfläche eine Menge sinnvoller Features.

Installation

Filezilla steht zwischenzeitlich in den Repositories aller großen Distributionen zur Installation mit dem jeweiligen Paketmanager bereit – Benutzer von Ubuntu etwa aktivieren dafür das Universe-Repository. Allerdings finden sich dort die veralteten Versionen 3.0.0 bis 3.0.1, während derzeit 3.0.7 den Stand der Dinge darstellt. Da die Versionen ab 3.0.5 einige Neuerungen mitbringt, die wir auch im Artikel beschreiben, verwenden Sie am besten das generische vorkompilierte Paket der Projektseite [3].

Nach dem Download kopieren Sie den Tarball in den Ordner /opt und entpacken ihn auf der Kommandozeilen mittels des Befehls tar xfvj FileZilla_3.0.7_i586-linux-gnu.tar.bz2. Um das Programm zu starten, klicken Sie auf /opt/FileZilla3/bin/filezilla. Beim ersten Start legt die Applikation in Ihrem Heimatverzeichnis den Ordner .filezilla an, der die Konfigurationsdateien enthält.

Konfiguration

Beim ersten Start lädt Filezilla die englische Lokalisierung. Um auf die deutsche Spracheinstellung umzuschalten, öffnen Sie das Konfigurationsfenster über Edit | Settings… und wechseln in die Rubrik Language. Dort wählen Sie aus der rechten Liste German, bestätigen die Auswahl mit einem Klick auf OK und starten Filezilla dann neu, um die Änderungen zu übernehmen.

Danach aktivieren Sie den Netzwerk-Konfigurationsassistenten über einen Klick auf den gleichnamigen Eintrag im Menü Bearbeiten. Dieser führt Sie Schritt für Schritt durch die netzwerkbasierte Konfiguration, liefert dabei zu jedem Abfragepunkt eine detaillierte Beschreibung und erleichtert Ihnen so die Wahl der richtigen Einstellungen.

Abbildung 2: Der Netzwerk-Konfigurationsassistent zeigt Ihnen zu jeder Option einen umfassenden Hilfetext und hilft Ihnen dabei, Filezilla korrekt einzurichten.
Abbildung 2: Der Netzwerk-Konfigurationsassistent zeigt Ihnen zu jeder Option einen umfassenden Hilfetext und hilft Ihnen dabei, Filezilla korrekt einzurichten.

Sämtliche den Client betreffenden Einstellungen zur Verbindung, Übertragung oder Ansicht erreichen Sie über das Konfigurationsfenster Einstellungen, das Sie über Bearbeiten | Einstellungen öffnen. In der Rubrik Verbindung legen Sie analog zum Konfigurationsassitenten fest, ob der Client aktives oder passives FTP (siehe [4]) zum Kontakt mit dem Server verwendet. In den Unterrubriken Aktiver Modus und Passiver Modus legen Sie Einzelheiten dazu fest.

Mit einem Mausklicken auf FTP-Proxy erreichen Sie die Eingabemaske zur Konfiguration der Proxy-Unterstützung. Um nicht die gesamte Bandbreite zu belegen, drosseln Sie die Up- oder Download-Geschwindigkeit in der Rubrik Übertragungen. Mit der Toleranzgrenze legen Sie darüber hinaus in drei Stufen fest, ob sich Filezilla strikt an die Angaben hält (sehr hoch) oder sich nur in deren ungefährem Rahmen bewegt. Diese Geschwindigkeitsbegrenzung gilt stets für die Summe aller Downloads: Gleichzeitige Übertagungen teilen sich also die vorgegebene Bandbreite. Im Feld Gleichzeitige Übertragungen bestimmen Sie, wieviele simultane Verbindungen das Programm zulässt.

Über Ansicht stellen Sie die Darstellungsform von Filezilla nach Ihrem Geschmack ein. Zur Auswahl stehen im Feld Datei- und Verzeichnisansicht: die Varianten Explorer, Klassisch, Breitbild und Schwarzes Brett. Da das Programm die Auswahl sofort übernimmt, sehen Sie im Programmfenster, wie es mit der gewählten Einstellung aussieht. Die Kategorie Designs erlaubt lediglich die Auswahl der verwendeten Icon-Sets, nicht jedoch des Fensterlayouts.

Über Datei auf Gegenseite editieren erreichen Sie die Einstellungen des in Version 3.0.5 neu hinzugekommenen Features, das es erlaubt, Textdateien auf dem FTP-Server wie eine lokale Datei zu bearbeiten. Tragen Sie lediglich den Pfad zu Ihrem Standardeditor: ein, um die Funktion zu nutzen.

Servermanager

Filezilla kennt mehrere Möglichkeiten, mit einem Server in Verbindung zu treten. Zum einen bietet es, ähnlich der Adressleiste eines Webbrowsers, eine Quick-Connect-Funktion unterhalb der Menü-Icons. Hier genügt es, die Felder auszufüllen und auf den Schalter Verbinden zu klicken, um eine Verbindung herzustellen. Alle damit besuchten Server speichert das Programm in einer Verlaufsliste, die Sie mit einem Klick auf den Pfeil nach unten neben dem Verbinden-Button erreichen. Derzeit fehlt allerdings eine Funktion, die entsprechenden Server direkt in den Servermanager zu übernehmen.

Der Servermanager verhält sich analog zur Lesezeichenliste eines Webbrowsers, bringt aber deutlich mehr Funktionen mit (Abbildung 3). Sie starten ihn mit einem Klick auf das Icon Öffnet den Servermanager ganz links in der Menüleiste. Die einzelnen Server können Sie in Verzeichnissen ordnen, die Sie über den Schalter Neuer Ordner anlegen. Um ein Lesezeichen für einen Server anzulegen, klicken Sie zunächst auf das Verzeichnis, in dem er erscheinen soll, und danach auf Neuer Server. Da sich erstellte Einträge nachträglich nicht mehr anderen Verzeichnissen zuordnen lassen, sollten Sie im Vorfeld eine für Sie schlüssige Ordnerstruktur anlegen, in die Sie Ihre Einträge erstellen.

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