Aus LinuxUser 10/2007

Audio-CDs auslesen

Unter Dach

Für das Platzproblem durch die vielen Audio-CDs, die sich über die Jahre angesammelt haben, gibt es eine praktische Lösung: Rippen, verpacken, wegräumen.

Als vor 25 Jahren die ersten Audio-CDs auf den Markt kamen, warb die Industrie unter anderem mit der einfachen Handhabung und der langen Laufzeit der neuen Technologie. Heute gilt die CD als eher unhandlich und die Laufzeit von rund einer Stunde reicht nicht für ein abendfüllendes Programm. Komfortabler ist die Wiedergabe ausgewählter Lieblingstitel über den PC oder einen portablen Player. Über Playlisten erstellen Sie immer wieder neue Variationen, und nur die Größe des Speichers begrenzt die Länge des Programms. Indem Sie die CDs in ein anderes Format konvertieren, lösen Sie gleichzeitig auch das Platzproblem. Wie aber gelangen die Titel von der CD auf den Player?

Ripper und Encoder

Für das Auslesen von Audio-CDs verwenden Sie einen so genannten Ripper. Dieses Tool liest die digitalen Audiodaten einer Compact Disk ein und speichert Sie in einem neuen Format auf der Festplatte. Das Rippen einer CD ist nötig, wenn Sie Dateien bearbeiten wollen, da eine CD keine Änderungen erlaubt. Ein Ripper speichert die Audiodateien in der Regel verlustfrei, womit eine CD je nach Länge rund 650 MByte Platz belegt. Um die Musikdaten platzsparender zu speichern, konvertieren Sie diese mit einem zweiten Tool in ein anderes Format. Dieser Vorgang heißt Encoding, das passende Programm Encoder. Je nachdem, ob der Encoder verlustfrei oder mit Verlust arbeitet, spricht man von lossless encoding (zum Beispiel FLAC) oder lossy encoding (MP3 und OGG-Vorbis). Unter Linux gibt es für das Rippen und das Umwandeln eine Reihe Tools, wobei Sie die Wahl zwischen schnellen Kommandozeilenprogrammen oder bequemen Werkzeugen mit einer grafischen Oberfläche haben. Einen detaillierten Artikel zu Audio-Encodern finden Sie in Ausgabe 04/2007 [1].

Sound Juicer

Gnome-Anwender greifen am einfachsten zu Sound Juicer (Abbildung 1). Das Tool arbeitet als Ripper und Encoder. Bei Ubuntu startet Sound Juicer automatisch, wenn Sie eine Audio-CD einlegen, Suse Linux setzt hingegen auf Banshee. Hier müssen Sie Sound Juicer nachinstallieren. Besteht eine Internetverbindung, holt sich Sound Juicer Informationen zu Titel, Tracks und Interpreten aus der Musikdatenbank CDDB direkt übers Netz. Das Tool erlaubt die Wiedergabe oder das Auslesen per Mausklick. In der Grundeinstellung benutzt Sound Juicer für die Auslese das (verlustbehaftete) OGG-Vorbis-Format.

Das Ausgabeverzeichnis, den Dateityp und die Qualität legen Sie über Bearbeiten | Einstellungen unter Format fest. Sofern Sie genügend freier Speicherplatz auf der Festplatte haben, verwenden Sie CD-Qualität, verlustfrei (FLAC-Audio). Die Qualität der ausgelesenen Dateien entspricht dann einer herkömmlichen CD und erlaubt es, aus den Dateien jederzeit wieder eine Original-CD zu brennen. Alternativ wählen Sie CD-Qualität, verlustbehaftet (OGG multimedial). Im OGG-Vorbis-Format beträgt die Dateigröße nur rund einen Zehntel des Ausgangsformats. Allerdings müssen Sie mit Verlusten bei der Klangqualität rechnen, wenn Sie aus den komprimierten Dateien erneut eine CD brennen möchten.

Über diese Formate hinaus, bietet Sound Juicer auch zwei Alternativen für die Sprachaufzeichnung (OGG Theora und WAV). Das Tool legt anhand des Albumtitels eine Ordnerhierarchie an. Die Dateinamen bildet es aus der Titelnummer und dem Tracknamen. Ausgabeformate und Dateibezeichnungen speichert Sound Juicer in Profilen. In den Tests las der Ripper eine CD in knapp zwölf Minuten aus und kodierte sie ins OGG-Vorbis-Format um. Diese Dateien lassen sich dann mit Totem, xmms oder Amarok wiedergeben. Die CD belegt anschließend knapp 70 MByte. Möchten Sie aus Sound Juicer heraus Dateien im MP3-Format speichern, benötigen Sie Lame und das Gstreamer-Lame-Plugin. Unter Ubuntu 7.04 installieren Sie dazu die Pakete lame und gstreamer0.10-lame aus dem Multiverse-Repository, Benutzer von OpenSuse finden gstreamer010-plugins-ugly inklusive Abhängigkeiten im Packman-Repository.

Abbildung 1: Sound Juicer holt die Tracknamen und den Namen des Interpreten sowie den Albumtitel aus der Freedb. Nach dem Einlegen der CD starten Sie den Ripper mit einem Mausklick.
Abbildung 1: Sound Juicer holt die Tracknamen und den Namen des Interpreten sowie den Albumtitel aus der Freedb. Nach dem Einlegen der CD starten Sie den Ripper mit einem Mausklick.

Banshee

Suse setzt beim Audio-Playback und Rippen nicht auf die Standard-Tools von Gnome, sondern die Novell-Eigenentwicklung Banshee (Abbildung 2). Legen Sie unter Gnome eine Audio-CD ein, fragt Sie der Player, ob Sie diese abspielen oder in die Sammlung importieren möchten. Wählen Sie Importieren, holt sich Banshee die passenden Informationen aus dem Internet und wandelt die Stücke in das freie OGG-Vorbis-Format um. Banshee eignet sich nicht nur zum Einlesen von Audio-CDs, sondern arbeitet als vollständige Jukebox, wie Amarok oder iTunes. Das Tool erlaubt auch das Brennen von Audio-CDs. Einen ausführlichen Artikel zu Banshee finden Sie im LinuxUser 05/2006 [2].

Abbildung 2: Player, Ripper und Brennprogramm: Benutzen Sie Suse mit Gnome lesen Sie CDs am einfachsten mit Banshee aus.
Abbildung 2: Player, Ripper und Brennprogramm: Benutzen Sie Suse mit Gnome lesen Sie CDs am einfachsten mit Banshee aus.

Alternativen

Grip (Abbildung 3) bedienen Sie ähnlich einfach wie Sound Juicer oder Banshee. Das Programm liest die Titelinformationen aus der CDDB-Datenbank Freedb.org aus. Wie bei Sound Juicer haben Sie die Wahl, eine ganze CD zu rippen oder einzelne Titel auszuwählen. Fortschrittsbalken zeigen, wie lange es dauert, bis das Tool die ausgewählten Tracks ausgelesen und umgewandelt hat.

Mit Rippen und Kodieren erhalten Sie OGG-Vorbis oder MP3-Dateien. Die Auswahl von Rippen erzeugt Audiodateien im Format WAV. Andere Formate unterstützt Grip nicht. Das Tool setzt auf dem Kommandozeilenprogramm Cdparanoia auf. Die Ausgabe der Befehle stellt es auf einem eigenen Reiter dar. Interessant ist die Möglichkeit, einen Track-Ausschnitt zu rippen. Hierbei legen Sie Start- und End-Sektor fest. So können Sie zum Beispiel einen Abschnitt aus einem Hörspiel heraustrennen. Über die Symbolleiste des Programms bedienen Sie den Player, wechseln in den CD-Editor oder starten die Abfrage der CDDB-Datenbank. Mit Schalte Track-Anzeige an/ aus minimieren Sie das Tool und Sie erhalten so einen kleinen Player, der sich bequem auf dem Desktop platzieren lässt und nur wenig Platz belegt.

Abbildung 3: Grip erlaubt es, lediglich Teile aus einem Stück zu extrahieren.
Abbildung 3: Grip erlaubt es, lediglich Teile aus einem Stück zu extrahieren.

Das Gtk-Tool RipperX bietet ebenfalls die Möglichkeit, eine CD auszulesen (Abbildung 4). Es beherrscht die Formate OGG, MP3 oder FLAC. Ähnlich einfach wird das Java-Tool JRipper verwendet. Es setzt eine installierte Java-Umgebung voraus. Sie starten das Programm am einfachsten über das Skript jRipper.sh. RipperX und JRipper benötigen zum Erstellen von MP3-Dateien das Tool Lame.

Abbildung 4: Das Gtk-Programm RipperX zeichnet sich durch eine übersichtliche, einfach zu bedienende Oberfläche aus.
Abbildung 4: Das Gtk-Programm RipperX zeichnet sich durch eine übersichtliche, einfach zu bedienende Oberfläche aus.

Rippen auf der Kommandozeile

Die meisten Frontends benutzen zum Konvertieren von Audio-CDs Cdparanoia und Cdda2wav. Wenn Sie sich nicht scheuen, die Kommandozeile zu verwenden, können Sie eine CD ohne Umweg auslesen. Der Befehl cdparanoia -Q listet Ihnen das Inhaltsverzeichnis einer CD auf, die komplette Auslese starten Sie über

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