Aus LinuxUser 10/2007

Agiletrack: Projektplanung für agile Programmierer

Notizbuch mit Taskmanager

„On time“ und „on bugdet“ – das verspricht die Projektplanungssoftware Agiletrack. Bei näherer Betrachtung hält das Programm aber nicht alles, was versprochen war.

Die auf Java basierende Open Source-Anwendung Agiletrack bietet sich für das Projektmanagement im Allgemeinen an, ganz speziell aber für die Entwicklung von Software in beweglichen Entwickler- oder Extreme-Programming-Teams. Sie erlaube, so heißt es wenigstens auf der Webseite des Projekts [1], das Veröffentlichen von (Software-) Produkten „on time“ und „on budget“.

Installation & Start

Um Agiletrack einzurichten, benötigen Sie ein Java-Paket mit der Versionsnummer 1.5 oder höher. Das richten Sie im besten Fall über den Paketmanager Ihrer Distribution ein. Bietet Ihr Linux keine ausreichend aktuelle Version, laden Sie das Java Runtime Environment aus dem Netz herunter und richten es ein [2].

Nach dem Einrichten der Java-Umgebung laden Sie den Tarball von Agiletrack von der Download-Seite oder der Heft-CD, entpacken ihn zum Beispiel nach /usr/local und starten die Installation in einer Konsole mit ./install-home, um das Programm im Verzeichnis /home/bin anzulegen, oder über ./install-usr, um es in den Ordner /usr/bin einzuspielen. Ubuntu-User geben auf der Konsole sudo ./install-home beziehungsweise sudo ./install-usr ein.

Starten Sie dann die Anwendung aus dem Installationsverzeichnis mit ./agiletrack. Um das Login einzurichten, klicken Sie zunächst auf Setting oder Einstellungen und wählen im Einstellungsdialog die Option HSQLDB, um die Java-basierte SQL-Datenbank auszuwählen. Tragen Sie einen Datenbanknamen ein, wie etwa software-projekt und übernehmen Sie die Einstellungen mit OK. Beim ersten Mal melden Sie sich mit Benutzername und Passwort admin an. Klicken Sie auf Login, präsentiert sich Agiletrack mit einem übersichtlichen, weil noch leeren Arbeitsfenster (Abbildung 1)

Abbildung 1: Noch leer: Das Projektfenster von Agiletrack nach dem ersten Start.
Abbildung 1: Noch leer: Das Projektfenster von Agiletrack nach dem ersten Start.

Projekt anlegen

Um ein neues Projekt anzulegen, klicken Sie in der linken Menüleiste auf Projekte. Tragen Sie einen Titel für das Projekt ein, zum Beispiel Agiletrack 2.0 und wählen Sie bei Typ, Priorität, Stammprojekt, Status sowie Due Date (Fälligkeitsdatum) die passenden Werte für Ihr Projekt aus. Mit Erstellen legen Sie das Projekt schließlich an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das erste Projekt namens <code>Agiletrack 2.0</code> läuft bereits.
Abbildung 2: Das erste Projekt namens Agiletrack 2.0 läuft bereits.

Sie können diesem ersten Projekt nun Aufgaben hinzufügen. Dazu wählen Sie links im Menü den gleichnamigen Eintrag. Klicken Sie anschließend auf den Stift ganz unten rechts in der Ecke, um eine zusätzliche Zeile einzublenden. Wählen Sie dann aus dem Popup-Menü mit dem Eintrag Geschichte den Eintrag Aufgabe und tragen Sie in die Zeile daneben den Text der Aufgabe ein, zum Beispiel Pflichtenheft erstellen. Klicken Sie danach auf Erstellen.

Im Übersichtfenster mit den Aufgaben vergeben Sie anschließend verschiedene Parameter für diese Aufgabe, etwa zu Wichtigkeit oder Dringlichkeit. Klicken Sie einfach auf die Symbole, um Direkthilfe über die Bedeutung eines Symbols zu bekommen und in das Kästchen darunter, um der Aufgabe die entsprechenden Attribute zuzuteilen (Abbildung 3). Wichtig ist es vor allem, in der Spalte Projekt die neue Aufgabe mit dem eben erstellten Projekt zu verbinden.

Abbildung 3: Nach dem Erstellen von Aufgaben weisen Sie diesen Pflichten Attribute zu.
Abbildung 3: Nach dem Erstellen von Aufgaben weisen Sie diesen Pflichten Attribute zu.

Die Aufgaben erscheinen anschließend in der linken Menüleiste unter dem gleichnamigen Eintrag, angefangen mit der Nummer 101. Per Doppelklick auf diesen Eintrag machen Sie weitere Angaben zur Aufgabe. Noch wichtiger: Hier starten Sie die Aufgabe. Klicken Sie zunächst auf das Popupmenü bei Geschätzt und stellen Sie über die Schieberegler für Hours und Minutes den geschätzten Endtermin für die Aufgabe ein. Anschließend klicken Sie auf Start Timer und machen sich am besten gleich ran: Ab jetzt läuft die Zeit!

Wann immer Ihnen künftig etwas einfällt, was mit dem Projekt zusammen hängt, gießen Sie es in eine Aufgabe und lassen Sie Agiletrack über das Erfüllen der Pflichten wachen.

Programmierer bevorzugt

Die Entwickler von Agiletrack haben den Namen für ihr Produkt beim Konzept Agiler Software entlehnt [3]. Bei agilen Prozessen soll es vor allem mit einer gewissen Leichtigkeit zugehen, unkompliziert, informell, locker. Das Ziel ist alles, der Weg dahin nicht formal definiert. Entsprechend zeichnet sich Agile Softwareentwicklung durch geringen bürokratischen Aufwand und wenige, aber flexible Regeln aus.

Bei dieser eher ungewöhnlichen Art, Projekte zu managen, hilft Agiletrack, weil es zum Beispiel ausführliche Kommentare jeder Aufgabe und jedes Teilschrittes erlaubt. Begreift man das Programm also als Notizbuch mit eingebautem Taskmanager, kann man ihm durchaus Praxistauglichkeit attestieren.

Agiletrack im Team

Das gilt auch für die Zusammenarbeit in Projektteams. Da Agiletrack mit SQL-Datenbanken zusammenarbeitet und zudem die Anlage mehrerer Benutzer erlaubt, bereiten das kooperative Programmieren und das Verteilen von Tasks prinzipiell keine Probleme. Allerdings sträubte sich Agiletrack bei unseren Annäherungsversuchen unter mehreren Decknamen lange – zunächst sorgte nur der Klarname Admin für Durchlass. Aber nach längerem Probieren kamen wir nach dem Start von Agiletrack mit folgenden Einstellungen zurecht:

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