Aus LinuxUser 08/2007

Bilder unter Linux digitalisieren

Der Scanner-Blick

Neu ist nicht unbedingt besser: Unser Praxistest mit drei Flachbettscannern und den Linux-Anwendungen Sane und XSane bringt überraschende Ergebnisse.

Nicht jeder Text existiert in digitaler Form – Arbeitszeugnisse zum Beispiel liegen fast immer auf Papier vor. Auch Fotos kommen erst seit neuester Zeit fast ausschließlich aus der Digitalkamera. Ältere Bilder fristen dagegen ihr Dasein als Abzüge in Fotoalben und Schuhkartons. Möchten Sie solche Drucksachen digital nachbearbeiten oder über moderne Kommunikationswege versenden, müssen Sie sie digitalisieren. Dafür benötigen Sie einen Scanner [1].

Modellfragen

Unter Scannern gibt es Allrounder, so genannte Flachbettscanner, die den meisten Anforderungen absolut genügen. Für spezielle Aufgaben, zum Beispiel das professionelle Scannen von Dias, gibt es ebenso spezielle Flachbettscanner mit Durchlichtaufsatz oder reine Diascanner mit hoher Auflösung. Solche High-End-Geräte unterscheiden sich von der Consumer-Klasse auch durch die Beschaffenheit der Lichtquelle: Preiswerte Geräte arbeiten meist mit einer LED-Leiste, die speziell beim Scannen von Fotos nur eine geringe Tiefenschärfe erbringt. Gute Scanner hingegen bieten mit einer Kaltlicht- oder Xenon-Röhre in jeder Situation ausreichend Licht.

Auch beim massenhaften Digitalisieren von Texten, etwa für das Archivieren von Briefen, verrichten spezielle Scanner ihren Dienst. Solche Dokumentenscanner müssen keine hohe physikalische Auflösung mitbringen, sondern eine robuste und schnelle Mechanik, die das automatische Verarbeiten vieler Dokumente erlaubt.

Anschluss gesucht

Welcher Scanner für Sie der richtige ist, hängt auch von den Schnittstellen ab, die Ihr Rechner bietet. Zwar gibt es Scanner mit SCSI- oder Firewire-Anschluss, aber nicht jeder PC verfügt seinerseits über diese Optionen. Was dagegen immer geht, ist eine Verbindung via USB. Allerdings sollten Sie auf USB 2.0 setzen, damit der Scanner in erträglicher Zeit sein Pensum erledigt.

Im Vergleich zu SCSI ist gerade im Bereich Bildbearbeitung aber selbst USB 2.0 nur bedingt praxistauglich. Während die SCSI-Schnittstelle der CPU eine Menge Arbeit abnimmt, lässt USB die gesamte Rechenarbeit durch den Prozessor des Computers verrichten. Selbst bei leistungsstarker Prozessoren macht sich diese Arbeitsweise durch eine deutlich erhöhte CPU-Belastung und damit eine geringere Arbeitsgeschwindigkeit bei anderen Anwendungen bemerkbar.

Auch wer mit dem Notebook unterwegs ist, hat kein Problem, einen Scanner zu betreiben – von Transportproblemen einmal abgesehen. Für mobile Geräte gibt es USB- oder SCSI-Erweiterungskarten nach dem PC-Card- (16 Bit) oder dem Cardbus-Standard (32 Bit). Da Linux mit Ressourcen schonend umgeht, lohnt sich der Scan-Einsatz sogar auf älteren Laptops. Hier sollten Sie aber beachten, dass Mobilrechner, die nur über PC-Card-Steckplätze verfügen, keine Karten mit USB-2.0-Standard aufnehmen können: Die setzen zwingend einen Cardbus-Slot voraus. Auch der Betrieb über eine Firewire-Karte nach dem IEEE-1394-Standard ist nicht möglich.

Als einzige Alternative beliebt die Verwendung eines SCSI-Scanners. Aber auch hier sollten Sie vor dem Kauf einer SCSI-Karte sicher sein, dass diese dem PC-Card-Standard entspricht. Insbesondere Adaptec [2] bietet seit vielen Jahren SCSI-Steckkarten für Mobilsysteme an, die für den oberflächlichen Betrachter aufgrund der verwirrenden Typenbezeichnungen und des ähnlichen Designs auf den ersten Blick kaum als 16- oder 32-Bit-Karten zu identifizieren sind (Abbildung 1).

Abbildung 1: Verwechslungsgefahr: Der 16-Bit-SCSI-Adapter (oben) und 32-Bit-SCSI-Adapter (unten) ähneln sich fast wie eineiige Zwillinge.
Abbildung 1: Verwechslungsgefahr: Der 16-Bit-SCSI-Adapter (oben) und 32-Bit-SCSI-Adapter (unten) ähneln sich fast wie eineiige Zwillinge.

Wer nicht noch andere schnelle SCSI-Geräte an seinem Computer nutzt, kann den Scanner getrost an einem Hostadapter nach dem Fast-SCSI-Standard betreiben. Hängen weitere leistungshungrige Gerätschaften am gleichen Anschluss, wie etwa ein DAT-Streamer, ist der Ultra-SCSI-Standard Pflicht, der wiederum bei Notebooks einen 32-Bit-Adapter zwingend voraussetzt.

Dokumentenscanner, preislich meist im hohen vier- oder fünfstelligen Euro-Bereich, verfügen in der Regel über eine SCSI-Schnittstelle nach dem Ultra3-Standard, die für das schnelle Digitalisieren großer Datenbestände zum Pflichtprogramm gehört. Allerdings ruft die aber auf der Rechnerseite nach einem ebenso leistungsfähigen SCSI-Hostadapter, soll das Scannen nicht zur unendlichen Geschichte ausarten. Mit gutem Beispiel geht hier die asiatische Allianz von Umax und Microtek voran: Der Anbieter legt einigen seiner Modelle sowohl SCSI- als auch Firewire-Karten für stationäre Rechner bei, die auch den Anschluss anderer Geräte nach dem jeweiligen Standard erlauben.[3]

Augen auf beim Scannerkauf

Wer nun den Weg zum Händler oder zu irgendeiner Gebrauchwarenbörse antritt, sollte sich vor Ort auf jeden Fall mit den technischen Daten des Wunschgeräts auseinandersetzen. Aus Verkaufsgründen erwecken viele Händler gerne den Eindruck, der Scanner verfüge über eine hohe optische Auflösung, obwohl die angegebenen Werte nur auf der so genannten Interpolation beruhen.

Die optische, von der Hardware tatsächlich erbrachte Auflösung bemisst sich in dpi („dots per inch“ = Punkte pro Zoll) oder ppi („pixel per inch“ = Pixel pro Zoll). Interpoliert heißt dagegen: Hier rechnet die Scansoftware, um fehlende Pixel durch ähnliche zu ersetzen. Das führt jedoch in keinem Fall zu besserer Qualität – eher im Gegenteil: Beim genauen Betrachten eines hochgerechneten Bildes erkennt man gerade an Farbübergängen oft hässliche Artefakte und Ränder. Vergrößern Sie solche Bilder, treten diese störenden Eindrücke sogar noch verschärft auf. Einzig die tatsächliche Scannerauflösung ist hier also kaufentscheidend.

Für einfache Fotoscans reicht eine tatsächliche Auflösung von 600 mal 600 dpi, bei Diascannern sollte die aber im gehobenen vierstelligen Bereich liegen, und dabei immer auch Farbtiefen von mindestens 16 Bit zulassen (das entspricht etwa 65?000 Farben). Besser für hochwertige Foto- und Dia-Scans eignen sich Geräte ab einer Farbtiefe von 24 Bit – etwa 16 Millionen Farbtönen. Ab dieser Tonfülle kann das menschliche Auge ohnehin keine punktuellen Farbübergänge mehr wahrnehmen.

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